Beeindruckender Blick aus brauner Brühe

An der Berliner Museumsinsel ist ein Flussbad geplant. Allein 300 Meter Schilf sollen gepflanzt werden. Aber bis es dazu kommt, kann es Jahre dauern. swim.de-Gastautor Martin Tschepe ist deshalb jetzt schon mal ins Wasser gehüpft.

| 27. April 2015 | AKTUELL

Spree | Martin Tschepe testet das geplante Flussbad in der Spree.

Martin Tschepe testet das geplante Flussbad in der Spree.

Foto >Martin Tschepe

Beeindruckender Blick aus brauner Brühe

Acht Uhr morgens mitten in Mitte. Der Neoprenanzug sitzt hauteng. Passanten staunen – und gehen kopfschüttelnd weiter. Zum Glück lässt sich kein Polizist blicken, denn das Vorhaben ist vermutlich nicht legal: Ich will testschwimmen im Spreekanal, die 750 Meter vom Bode-Museum bis zum Auswärtigen Amt einmal hin und wieder zurück kraulen.

Ich mache es wie Lasse in Astrid Lindgrens "Wir Kinder aus Bullerbü". Der Junge sagt vor einem Abenteuer sinngemäß: Wer nachher um Erlaubnis fragt, der ist eindeutig besser dran. Also springe ich einfach rein in die braune Brühe und kraule los, zunächst gegen die Strömung. Das Wasser ist etwa zehn Grad warm – oder kalt.

Spree | Los geht\'s. Autor Martin Tschepe macht sich bereit für das Spreeschwimmen.

Los geht's. Autor Martin Tschepe macht sich bereit für das Spreeschwimmen.

Foto >Martin Tschepe

Temperaturen sind höchst persönliche Empfindungen. Die meisten Schwimmer würden vermutlich abwinken und sagen: Zehn Grad? Nein, Danke. Aber für einen routinierten Kaltwasserschwimmer, der auch noch in einem kommoden Gummianzug steckt, sind zehn Grad angenehm.

Neubewertung der Rolle des Flusses

Es ist ein einmaliges Schwimmerlebnis: Beim Atmen nach links habe ich zunächst das Bode-Museum im Blick, wenig später das Pergamon-Museum und dann die Baustelle der James-Simon-Galerie. Unter Wasser freilich ist nichts zu sehen, gar nichts, nur braun. Ein paar Züge weiter: zu meiner Rechten die Wohnung der Bundeskanzlerin und ihres Gatten. Direkt vor der Türe patrouillieren zwei Uniformierte, die habe ich vorhin beim Herfahren mit dem Rad gesehen. Von unten im Spreekanal sind die Polizisten aber nicht zu erkennen – und das ist auch gut so. Sie können mich nämlich auch nicht bemerken.

Das Anschwimmen gegen die Strömung ist okay, doch das Vorankommen dauert etwas länger als erwartet. Nach geschätzt zehn Minuten taucht links der imposante Dom auf. Hier würden die Mitglieder der Initiative "Flussbad Berlin" gerne ein paar alte Spundmauern abtragen und Treppen anlegen, damit Berliner und Touristen eines Tages bequem in die Spree steigen und los schwimmen können.