Armani hat im Freiwasser nichts verloren

Als Trainer im SWIM-Camp auf Teneriffa traf Bodensee-Schwimmer Bruno Baumgartner eine Woche lang auf Triathleten und Freiwasser-Novizen. Wie eine Truppe aus Einzelkämpfern innerhalb einer Woche zu einer Einheit wird, die sich auch beim gemeinsamen Nachtschwimmen zur Seite steht, darüber bericht er in seinem neuen Blog.

| 13. November 2013 | AKTUELL

Bruno Baumgartner | Teilnehmer Schwimmcamp im T3 auf Teneriffa.

Teilnehmer Schwimmcamp im T3 auf Teneriffa.

Foto >Bruno Baumgartner

Armani hat im Freiwasser nichts verloren

Liebe swim.de Freunde,

gleißende Bündel aus Licht stechen wie kleine Feuerlanzen in die azurblaue Tiefe. Sie vereinen sich zu einer tanzenden Korona aus Sonnenstrahlen, als würden sie sich zu einer Art mystischem Ritual versammeln. Es sind die Wogen eines niemals ruhenden Meeres, das sie diese Bewegungen vollführen lässt. Es ist keine Hektik und keine Rastlosigkeit darin zu erkennen. Die Strahlen brechen sich in einer Leichtigkeit und Beschwingtheit, die so vielen von uns oft fehlt. Luftblasen lösen sich von meinen Händen und ziehen als glitzernde Perlenbahnen der Oberfläche entgegen.

Es ist der Atlantik, in seiner unermesslichen Weite, den ich durchpflüge. Wir halten inne und lauschen der Welt und ihrer Friedlichkeit, die sie nur Eingeweihten offenbart. Es ist Sonntag und urplötzlich verstehen wir, dass uns der Klang von Kirchenglocken über die mächtigen und doch so sanften Wogen hinweg erreicht. Es ist ein magischer Moment – ein Geschenk, das die Natürlichkeit und Schönheit des Elementes unterstreicht, in dem wir uns bewegen.

Hier draußen haben Geld und materielle Güter keine Gültigkeit. Ein teurer Porsche würde ebenso schnell in eine kaum erreichbare Tiefe hinunter trudeln und verrosten wie wertvolle Münzen. Und auch Banknoten verwandeln sich innerhalb von wenigen Minuten in wertlosen Matsch. Hier draußen zählen nur die eigenen Fähigkeiten und der Wille, gegen die Elemente bestehen zu wollen.

Was zählt, sind die eigenen Fähigkeiten

Die See prüft uns Menschen schon seit Jahrtausenden. Sie verschlingt jene die reinen Herzens sind ebenso wie die, deren gieriger Geist nach Macht und Reichtum dürstet. Ob Columbus wohl wusste, wie viel eindrücklicher seine Reise ohne die hölzerne Krücke gewesen wäre? Wusste er, was für essentielle Dinge in einem ablaufen, wenn einzig die perfekte Funktion des Körpers einem davor bewahrt, nutzlos in der Dunkelheit der Tiefe zu versinken? Ich stelle mir vor, wie eine große Glocke aus Messing am Heck des Schiffes geläutet wurde um die Mannschaft vor drohendem Unheil zu warnen oder sie zum Apell zu versammeln.

Die Schwimmerin neben mir gleitet ruhig und sanft durch das magische Blau, das einem beinahe in den Augen schmerzt. Ich kenne sie mittlerweile etwas und weiß, dass die See ihre Wunden zu heilen vermag. Sie selber weiß es noch nicht – hat den Weg noch nicht gefunden. Doch die Eindrücke des wogenden Meeres rauben ihr sichtlich den Atem. Welle um Welle trägt sie weiter einer Erkenntnis entgegen, die kein Studium der Welt zu vermitteln vermag.

Meine Gedanken schweifen zurück an die ersten Tage des Schwimmcamps hier auf Teneriffa und an all die Blicke und Erwartungen in den Gesichtern der Teilnehmer. Ich erkenne Sehnsucht wenn ich sie sehe, auch wenn sie sich hinter der perfekten Maske von Managern, Betriebswirten, Investmentbankern oder Anwälten verbirgt. Es war eindrücklich zu erleben, wie sich diese zusammengewürfelte Gruppe langsam entwickelte und nicht wenige von ihnen erkannten, dass sie nicht nur auf der Suche nach einem Schwimmurlaub waren, der ihre Fähigkeiten für den nächsten Triathlon etwas aufpolieren könnte.