Alexander Studzinski: Freud und Leid vor Hawaii

Freud und Leid liegen auch beim Freiwasserschwimmen manchmal dicht beeinander. Während Alexander Studzinski beim Maui Channel Swim vor Hawaii gemeinsam mit seinem Team zum Sieg schwamm, war ein anderer Athlet in einen folgenschweren Unfall verwickelt. Augen auf im Open Water: Das gilt nicht nur als Kapitän, sondern auch als Schwimmer – das musste auch Alexander Studzinski anschließend beim Waikiki Roughwater Swim erfahren.

| 9. September 2011 | AKTUELL

Alexander Studzinski Hawaii | Vor Maui (Hawaii), gewann Alexander Studzinski gemeinsam mit seinen autralischen Staffel-Kameraden das Maui Channel Swim.

Vor Maui (Hawaii), gewann Alexander Studzinski gemeinsam mit seinen autralischen Staffel-Kameraden das Maui Channel Swim.

Foto >Alexander Studzinski / privat

Aloha,

so, meine Reise nach Hawaii ist nun bald zu Ende. Ich bin gerade am Flughafen von Chicago und habe eine Weile Zeit bis mein Anschlussflug nach Frankfurt abfliegt.

Das Maui Channel Swim

Die paar Tage in Hawaii gingen sehr schnell vorbei. Der erste Wettkampf, das Maui Channel Swim, fand auf Maui statt, besser gesagt sind wir von Lanai nach Maui geschwommen. Die Strecke betrug in etwa 16 Kilometer.

Der Tag ging ziemlich früh los, da der Start bereits um 8.00 Uhr war und wir vorher noch über den "Maui Channel" mit unserem Begleitboot zum Start fahren mussten. Wir sind mit einem kleineren Fischkutter unterwegs gewesen.

Wellengang am Wettkampftag

Die Tage vor dem Wettkampf war der Pazifik eigentlich sehr ruhig, aber natürlich war es am Wettkampftag genau anders. Die Wellen waren teilweise sehr hoch, und unser Boot hatte mächtig mit den Wellen zu kämpfen.

Der Wettkampf an sich war eine Sechs-Mann-Staffel. Mein Team war eigentlich ein rein australisches Team, aber auf Grund einer Absage konnte ich doch daran teilnehmen. Gewechselt wurde alle 30 Minuten, bis jeder einmal geschwommen war. Danach ging es im 10-Minuten-Takt weiter.

Die Strecke ist eigentlich in unter drei Stunden zu meistern, aber bei dem Wellengang war mir vorher klar, dass die Sache an diesem Tag etwas länger dauern würde.

Schiffbruch vor dem Start

Der Start war dann auch ein heilloses Durcheinander, da es insgesamt 79 Teams und 20 Solo-Schwimmer gab. Jedes Team hatte natürlich sein eigenes Boot dabei, teilweise waren das auch ziemlich große Katamaran, die eigentlich nicht als Begleitboot geeignet sind. Wenn so ein 15-Meter-Schiffchen nebenher fährt, kann einem schon etwas mulmig werden.

Nun gut, so kam es wie es kommen musste: Kurz vor dem Start lief ein Boot auf ein Riff und sank prompt. Zum Glück ist niemandem auf dem Boot etwas passiert. Aber da war allen klar, dass man bei diesem Wellengang sehr vorsichtig sein musste. Leider war das der kleinere Unfall an diesem Tag, es sollte noch viel schlimmer kommen...

Unser Team ist vom Start sehr gut weggekommen und wir haben eine komplett andere Linie als der Rest des Feldes genommen. Im Verlauf des Rennen kam es dann zu einem Zweikampf zwischen uns und einer amerikanischen Auswahl, die eigentlich aus internationalen Stars bestand, wie zum Beispiel dem Staffel-Olympiasieger von 2008 Peter Vanderkaay (USA), dem australischen 1.500- Meter-Mann Ryan Napoleon und dem 10-Kilometer-Weltmeister von 2005 Chip Peterson (USA).

Nach einem wirklich spannenden Rennen konnte mein Team, was durch das australische "Black Dog Institute" gesponsort wurde,  nach 3:32:49 Stunden mit knapp drei Minuten Vorsprung gewinnen. Das "Black Dog Institute" beschäftigt sich mit Persönlichkeitsstörungen und Depression. Siehe auch: http://www.blackdoginstitute.org.au/

Die Siegerstaffel um Alexander Studzinski (Dritter von rechts) | Die Siegerstaffel um Alexander Studzinski (Dritter von rechts)

Die Siegerstaffel um Alexander Studzinski (Dritter von rechts)

Foto >Alexander Studzinski / privat

Eine katastrophale Unachtsamkeit

Leider gab es da noch einen sehr tragischen Unfall am Ende des Wettkampfes. Die letzten 400 Meter gab es eine "No-Go-Zone" für alle Begleitboote. Diese mussten vorher abdrehen und den letzten Schwimmer allein an Land schwimmen lassen.

Leider gab es kurz vor dem Ziel auch ein Boot, was nicht zum Wettkampf gehörte. Dieses Boot steuerte in der "No-Go-Zone" rum, wurde rasch angefunkt, aber wie sich später herausstellte, war der Kapitän gerade auf der Toilette und bekam die ersten Funksprüche nicht mit.

So steuerte das Boot langsam aber sich auf einen Soloschwimmer zu. Als der Kapitän die Funksprüche endlich hörte, schaltete er sehr hastig den Motor an und wollte wenden. Nur leider wurde der Soloschwimmer in diesem Moment unter das Boot und in die Propeller gezogen. Er verletzte sich dabei sehr schwer. Ein bereitstehender Notarztwagen brachte ihn sofort ins Krankenhaus, jedoch verlor der Mann seinen rechten Arm und zwei Finger des linken Armes.

So ein Vorfall macht mich natürlich sehr nachdenklich, da soetwas jedem passieren kann und es nicht selbstverständlich ist, dass man immer heil auf der anderen Seite ankommt. Ich bin mit meinen Gedanken bei ihm und hoffe, dass er sich von diesem Schicksalsschlag erholen wird!

Waikiki Roughwater Swim

Das zweite Rennen, das Waikiki Roughwater Swim, fand zwei Tage später am wunderschönen Waikiki Beach statt und ging über knapp 3,8 Kilometer vom "Sans Souci Beach" zum "Waikiki Beach" vor dem Hilton Hotel. Es waren knapp 950 Schwimmer am Start, weshalb das Rennen in vier Startwellen ausgetragen wurde.

Der Start war mal wieder vom Strand aus, wie auch das Ziel. Das Rennen begann eigentlich ziemlich langsam für einen so kurzen Wettkampf, und so kam es, dass ich an der ersten Boje (nach circa 600 Metern) als Erster gewendet habe.

Dann ging es eine circa 2,4 Kilometer lange Gerade entlang bis zur zweiten und letzten Wendeboje. Das Feld war ziemlich schnell auf fünf Mann reduziert (vier Australier und ich).

Zielsicher orientierungslos

Da ich mir leider den Kurs vor dem Rennen nicht angeschaut habe, hatte ich keine Peilung, wo nach der zweiten Wendeboje das Ziel war. So bin ich einfach einem Australier hinterher geeiert.

Ich dachte, dass ich komfortabel an zweiter Position lag, da ich sonst niemanden gesehen habe und sicher vor dem Dritten lag. Als ich dann zum Ziel am Strand laufen wollte, kamen zwei weitere Australier von rechts den Strand lang gesprintet. Wie sich im Nachhinein herausstellte, sind die Beiden 100 Meter weiter rechts am Strand angekommen und einfach zum Ziel geflitzt.

Nun gut, das habe ich total verpeilt, und so bin ich nach 43:51 Minuten mit 10 Sekunden Rückstand auf den Sieger Vierter geworden. Etwas unglücklich, aber letztendlich war es meine Schuld, da ich mich nicht völlig verausgabt habe und nur dem Sieger hinterher geschwommen bin.

In knapp drei Wochen geht es dann zum nächsten Wettkampf. Dieser findet diesmal in Schottland statt und geht allerdings nur über eine Meile. Also eine noch kürzere Angelegenheit. Ich bin gespannt, wie es dort wird.

Bis dahin viel Spaß beim Training!

Euer

Studzi