Trau dich was!

Michael Phelps sagte einmal: "Beim Anblick des Trainingsprogramms wusste ich mitunter nicht, ob ich überhaupt in der Lage bin, das zu schwimmen!“ Wann wurde Ihnen zuletzt Angst und Bange beim Anblick eines Trainingsplans? Sie wissen es nicht? Dann wird es höchste Zeit.

| 3. Oktober 2013 | TRAINING

Michael Phelps | Michael Phelps bei Olympia 2004.

Michael Phelps bei Olympia 2004.

Foto >Speedo

Manchmal verlieren wir vor lauter Training den Blick fürs Wesentliche. Den Blick für das, um was es eigentlich geht, wenn wir trainieren. Denn das Ziel ist bei allen leistungsorientierten Sportlern gleich: Ich möchte schneller werden. Und da drängt sich eine simple Frage aus, die gar nicht so einfach zu beantworten ist: Was muss ich tun, um schneller zu werden? Natürlich muss Training Spaß bereiten. Ohne Freude am Schwimmen ist keine Höchstleistung möglich. Auch das klingt einfach, ist aber nicht immer leicht zu realisieren. Doch setzten wir Freude und Überzeugung am Schwimmen voraus, so kommen wir dem Kern immer näher. Und das führt uns zurück zu Michael Phelps.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Oft wird im Zusammenhang mit Ausnahmeathleten von Jahrhundert-Talenten gesprochen. Talentfrei ist Phelps sicher nicht – und dennoch liegt sein Talentvorsprung vielleicht viel mehr im mentalen als im physiologischen Bereich. Nämlich die Fähigkeit zu besitzen, regelmäßig bereit zu sein, Herausforderungen im Training anzunehmen, an die sich andere nicht herantrauen würden. Wann sind Sie das letzte Mal ein Programm geschwommen, das Ihnen schon vorher Angst und Schrecken eingejagt hat? Da müssen Sie schon ein wenig nachdenken? Vielleicht liegt das sogar einige Monate oder Jahre zurück? Dann ist es allerhöchste Zeit, den Kämpfer in Ihnen wachzurütteln.

Mit Mut zur Bestzeit

Darum geht es schlussendlich im Wettkampf ja auch. Nur wer sein Rennen mit einer Prise Mut würzt, schwimmt in neue Leistungsbereiche vor. Im Idealfall also besser zu sein als jemals zuvor und eine persönliche Bestleitung zu erzielen. Das würde bedeuten, neue Potenziale zu erschließen und in unbekannte Gegenden vorzudringen. Genau darum geht es auch im täglichen Training: Stacheln Sie sich selbst an und fordern Sie sich heraus!

Natürlich können Sie immer nach demselben Schema trainieren und hoffen, dass sich eine Leistungsverbesserung einstellt. Aber mal ganz ehrlich: würden Sie das auch anderen raten? Vielmehr geht es doch darum, zu ergründen, welche Dinge man zu leisten im Stande ist. Werden Sie wieder stolz auf sich. Gehen Sie mit sich und Ihrem Trainer in Klausur und fragen Sie sich, was Sie zukünftig im Training leisten könnten, was derzeit noch nicht möglich scheint!

Eine Herausforderung alle 14 Tage

Und plötzlich haben Sie einen Plan. Vielleicht sogar eine Vision. Vielleicht ist es die Hammerserie von 8 x 50 Meter Delfin, die Mammut-Lagenstrecke über 800 Meter oder einmal an einem Tag zehn Kilometer zu schwimmen. Die Möglichkeiten und Interpretationen Ihres Plans können sehr individuell und unterschiedlich sein. Und das sollen sie auch.

Werfen Sie doch mal einen Blick über den Beckenrand und beobachten Sie andere Sportarten. Wie trainieren Leichtathleten oder Ruderer. Was machen Skilangläufer und Radfahrer? Bei allen Ausdauersportarten gibt es eigentümliche Trainingsformen, die es wert sind, ab und zu in andere Bereiche transferiert zu werden. Lassen Sie sich inspirieren und seien Sie kreativ! Schwimmen Sie doch mal die Marathondistanz von 42,2 Kilometern in einer Woche. Hört sich hart an, hat aber auch seinen Reiz.

Nehmen Sie sich alle zwei Wochen eine Trainingseinheit vor, in der Sie etwas riskieren. Eine Trainingseinheit, die für Sie kaum zu schaffen scheint. Verschriften Sie diesen Plan! Plötzlich werden Sie spüren, wie der Respekt im gleichen Maße wächst wie die Spannung. Und auf einmal wird aus der Spannung sogar Vorfreude, weil Sie es ja gar nicht mehr erwarten zu können, den Plan in die Tat umzusetzen und sich und Ihrem Trainer zu zeigen: Ich kann das!

Video: Michael Phelps - Anything is possible: