Wolfgarten: "Triathlon-Profis sind sehr solide Schwimmer"

3,8 Kilometer schwimmen die Triathleten am Samstag beim Ironman Hawaii, bevor sie 180 Kilometer Rad fahren und abschließend Marathon laufen. Echte Schwimmer haben für die Schwimmleistungen der Triathleten häufig nur ein müdes Lächeln übrig. Zu unrecht, sagt der deutsche Rekordhalter über 1.500 Meter Freistil Jan Wolfgarten im SWIM-Interview.

| 10. Oktober 2013 | AKTUELL

Schwimmen im Triathlon | Triathlon

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Foto >Frank Wechsel / spomedis

Herr Wolfgarten, 2012 schwamm der schnellste Hawaii-Athlet die 3.800 Meter in 50:32 Minuten (Frauen: 55:09 Minuten). Wie schätzen Sie als Schwimmprofi diese Leistung ein? Das ist schon sehr solide. Man muss bedenken, dass auf Hawaii ohne Neopren geschwommen wird und im Meer. Deshalb kommt es auch auf die Bedingungen an. Bei der Europameisterschaft 2008 bin ich 5 Kilometer in 53 Minuten geschwommen. Danach lag ich völlig fertig in der Ecke. Bei den Triathleten geht es nach dem Schwimmen ja erst richtig los.

Jan Wolfgarten | Ex-Schwimmprofi und Schwimmtrainer Jan Wolfgarten.

Ex-Schwimmprofi und Schwimmtrainer Jan Wolfgarten.

Foto >Jan Wolfgarten

Können die Schwimmleistungen überhaupt miteinander verglichen werden? Nur sehr bedingt. Triathleten sind leichter als Schwimmer und haben weniger Kraft im Oberkörper. Die Muskelmasse würde sie beim Radfahren und Laufen nur stören.

Sie sind seit einem Jahr Schwimmtrainer von Sebastian Kienle, der 2012 Vierter wurde und dieses Jahr Mitfavorit im Kampf um die Hawaii-Krone ist. Glauben Sie, dass er ganz vorne mitschwimmen kann? Ich möchte keinen Druck aufbauen. Aber Sebi spricht sehr positiv und er fühlt sich wohl. Bei einem Wettkampf in Las Vegas war er über 1,9 Kilometer eineinhalb Minuten schneller als  vor einem Jahr. Das gibt Hoffnung. Und ich glaube, ihm liegt die doppelte Distanz noch besser.

Woran haben Sie mit Kienle gearbeitet? An der Tempohärte und an der Kraft im Armzug. Ihm fehlte es etwas an der Grundschnelligkeit beim Schwimmen. An der Grundlagenausdauer liegt es bei ihm jedenfalls nicht.

Sebastian Kienle | Sebastian Kienle ist der Shootingstar unter den deutschen Triathleten. Beim Schwimmen verlor er aber bisher regelmäßig mehrere Minuten. Seit einem Jahr schreibt Jan Wolfgarten die Trainingspläne des Hawaii-Vierten von 2012.

Sebastian Kienle ist der Shootingstar unter den deutschen Triathleten. Beim Schwimmen verlor er aber bisher regelmäßig mehrere Minuten. Seit einem Jahr schreibt Jan Wolfgarten die Trainingspläne des Hawaii-Vierten von 2012.

Foto >Michael Rauschendorfer

Wie viel trainiert ein Ironman tatsächlich im Wasser? Bei Sebi sind es 30 bis 35 Kilometer in der Woche verteilt auf fünf bis sieben Einheiten.

Gibt es Unterschiede zwischen Triathlon-Profis und Schwimm-Profis? Eigentlich nicht. Weltklasseathleten sind stark im Kopf und sehr selbstbewusst. Jeder Profi macht sich ständig Gedanken darüber, wie er etwas optimieren kann. Sei es im Training oder beim Material.

Sie haben sich bereits als Triathlet versucht. Wäre der Ironman auch etwas für Sie? Ich habe dieses Jahr zwei kleinere Triathlons gemacht und dabei gemerkt, dass ich den Wettkampf sehr vermisse. Wenn ich mal einen Ironman machen sollte, dann aber nur als Altersklassenathlet. Die Jungs da vorne sind einfach zu schnell.