Lurz: "Besser geht nicht" - Maurer holt Silber

Einmal und nie wieder, da ist sich Thomas Lurz sicher. Nochmal wird der Rekord-Weltmeister, dessen längstes Rennen zuvor über 16 Kilometer ging, die 25 Kilometer nicht schwimmen. „Warum auch“, fragt er in die Runde der Journalisten. „Besser kann es ja nicht mehr werden“.

| 27. Juli 2013 | AKTUELL

Thomas Lurz | Thomas Lurz gewinnt Gold über 25 km bei WM in Barcelona.

Thomas Lurz gewinnt Gold über 25 km bei WM in Barcelona.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Selbst dem sonst so begeisterungsfähigen Freiwasser-Bundestrainer gehen langsam die Superlative aus: Bronze über fünf Kilometer, Silber über zehn, Gold mit dem Team und dann sogar noch sensationell Sieger über die ganz lange Kante. Freiwasser-Ass Thomas Lurz stellt bei der Schwimm-WM in Barcelona ein weiteres Mal unter Beweis, dass er selbst ein Superlativ ist. Angela Maurer sorgte mit Silber über 25 Kilometer für die sechste und letzte Medaille der deutschen Freiwasserschwimmer. Beide Rennen sind trotz der elend langen Strecke im Zielanschlag entschieden worden.

Thomas Lurz | Die Spitzengruppe auf den letzten Metern. Nach fast fünf Stunden Rennzeit hat Lurz die größten Reserven.

Die Spitzengruppe auf den letzten Metern. Nach fast fünf Stunden Rennzeit hat Lurz die größten Reserven.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Meine Taktik: ich werde nie Tempo machen, selbst wenn wir stehen bleiben

Tomas Lurz, Weltmeister

Der Sensations-Erfolg, er brachte den sonst so bodenständige Würzburger Lurz dazu, sich entgegen seiner Art auch einmal selbst zu loben: „Ich glaube ich habe eine sehr, sehr clevere Taktik gehabt. Ich habe gedacht: Es ist mein erstes Mal 25, ich weiß nicht, was passiert, ich werde nie Tempo machen, selbst wenn wir stehen bleiben“, sagte der 33-Jährige nach seinem Triumph so entspannt, als hätte er keine 25.000 Meter durch Barcelonas Yachthafen am Moll de da Fusta in den Knochen, sondern käme gerade von der Massage.

Lurz' Taktik geht voll auf

Diese Taktik stellte sich am Ende nicht nur als sehr, sehr clever, sondern vor Allem als goldrichtig heraus. Jeder der Favoriten hatte irgendwann mal eine lange Zeit Tempo gemacht. „Das kam mir zugute“, sagt der erfahrene Musterprofi. „Der Grieche hat mal eine Runde brutal schnell vorgelegt, da konnte ich gar nicht hinterher schwimmen, das hat ihn sicher hinten raus unheimlich viel Kraft gekostet. Der Belgier hat meiner Ansicht nach auch zu früh angefangen zu führen und das war ein Vorteil für mich.“

WM 2013, 25 Kilometer | Männer

Name

Zeit

1

Thomas Lurz (Würzburg)

4:47:27,0 Std.

2

Brian Ryckeman (Belgien)

+0,4 Sek.

3

Evgeni Dratchev (Russland)

+1,1 Sek.

4

Alexander Meyer (USA)

+1,2 Sek.

5

Allan Do Carmo (Brasilien)

+3,1 Sek.

Allan Do Carmo (Brasilien)

DNF

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Gefragt nach der Bedeutung dieses Titels („Erstes Mal geschwommen und gleich Weltmeister“), ist der bescheidene nun zwölfmalige Champion schon wieder da: „Das ist bei so langen Strecken gar nicht ungewöhnlich, weil Du nicht weißt, was passiert. Das gab es schon ein paar Mal vorher, bei den Männern wie bei den Frauen.“

Thomas Lurz | Trotz der Tortur äußerlich erstaunlich frisch: Thomas Lurz.

Trotz der Tortur äußerlich erstaunlich frisch: Thomas Lurz.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Dass er nach der Tortur noch so frisch aussah, liege zudem wohl daran, dass er gewonnen habe, sagt Lurz mit einem Lächeln und ergänzt: „Zwischendurch war ich mir todsicher, dass ich das nie wieder schwimmen würde“. Und dabei soll es nun auch bleiben: „Das ist so lang. Und der Salzwassergeschmack. Ich hab gedacht, ich dreh' durch“, sagte der nur mit Ausnahmegenehmigung für den Start zugelassene Lurz. Zuvor musste der Weltverband genehmigen, dass die „offenen Fleischwunden“ (Chef-Bundestrainer Henning Lambertz) vom Schwimmanzug und den Torturen in den Rennen zuvor mit nur bei medizinischer Indikation erlaubtem Tape geschützt werden dürfen.

"Er arbeitet mit am härtesten weltweit"

Bundestrainer Stefan Lurz gingen zwar angesichts der atemraubenden Karriere seines Bruders langsam die Superlative aus, ein paar lobende Worte hatte er aber trotzdem: „Er arbeitet so hart, mit am Härtesten von allen Schwimmern weltweit. Und das zahlt sich dann hinten raus auch einfach mal aus“, so Stefan Lurz. „Das ist die Grenze, was der Körper her gibt, aber er hat nochmal alles rausgeholt.“

Christian Reichert und Svenja Zihsler, die nach den Erfolgen der Woche aufgrund einer Außenseiterchance auf die Team-Trophy fürs deutsche Freiwasserteam auch noch an den Start gegangen waren, mussten indes ihrem Programm bei der WM Tribut zollen und brachen das Rennen nach rund 15 Kilometern ab. Die Trophy sicherten sich die Brasilianer, die sich drei Jahre vor den Spielen in Rio stark präsentierten.

Zielsprint | Maurer und Grimaldi führen eine Fünfergruppe zum Finish.

Maurer und Grimaldi führen eine Fünfergruppe zum Finish.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Martina Grimaldi | Siegerin bei den Frauen: Martina Grimaldi aus Italien.

Siegerin bei den Frauen: Martina Grimaldi aus Italien.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Maurer frustriert trotz "tollen Rennens"

„Ne Silbermedaille ist auch super.“

Angela Maurer, Vize-Weltmeister

Wesentlich mehr 25-Kilomter-Rennen als Thomas Lurz hat die deutsche Spezialistin für die ganz langen Kanten, Angela Maurer, in den Knochen. Die Mainzerin, die bereits vor zehn Jahren bei der ersten WM in Barcelona Silber und Bronze aus dem Hafenbecken fischte und diesmal bereits über 10 Kilometer Dritte wurde, hatte zuvor auf eine Medaille gehofft – und war doch enttäuscht, das es im Schlussspurt nicht für den Titel gereicht hatte. Zuerst sah es so aus, als habe Maurer vor Martina Grimaldi angeschlagen, doch die Auswertung des Zielfotos schob Maurer eine Zehntelsekunde hinter die Italienerin.

WM 2013, 25 Kilometer | Frauen

Name

Zeit

1

Martina Grimaldi (Italien)

5:07:19,7 Std.

2

Angela Maurer (Mainz)

+0,1 Sek.

3

Eva Fabian (USA)

+0,7 Sek.

4

Alice Franco (Italien)

+3,2 Sek.

5

Ana Cunha (Brasilien)

+3,7 Sek.

Svenja Zihsler (Würzburg)

DNF

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„Natürlich bin ich frustriert. Wenn man sieht, dass man als Erster angeschlagen hat, das frotzt mich schon so ein bisschen. Ich hab echt gedacht, das reicht“, ärgerte sich die Vize-Weltmeisterin. „Aber ich bin ein tolles Rennen geschwommen, das ist das Wichtige.“ Nach einem Ständchen zu ihrem heutigen 38. Geburtstag war dann das Lächeln trotz blutigem Auge bereits wieder da: „Ne Silbermedaille ist auch super.“

Angela Maurer | Angela Maurer kann sich beim Zielinterview auch über Silber freuen.

Angela Maurer kann sich beim Zielinterview auch über Silber freuen.

Foto >Peter Jacob / spomedis