Die gemeinsame Leidenschaft von Bruno, Paul und Xavier

Sie heißen Bruno, Paul und Xavier. Und sie haben den gleichen Traum: das Durchschwimmen des Ärmelkanals. Wer Zeit mitbringt an das Hafenbecken von Dover, der kann sich von diesem Traum berichten lassen. swim hat sich umgehört.

| 19. September 2011 | AKTUELL

Bruno Baumgartner in Dover | Lebt seinen Traum: Bruno Baumgartner in Dover.

Lebt seinen Traum: Bruno Baumgartner in Dover.

Foto >Miriam Müller / spomedis

Fünfmal sei er bereits hier gewesen sagt Xavier. Der gebürtige Mexikaner mit Wohnsitz in Los Angeles blickt sehnsüchtig auf das Meer hinaus. Einmal, 1998, hätten sie ihn eine Meile vor der französischen Küste aus dem Wasser gezogen, weil er auf der Stelle geschwommen sei. Ein anderes Mal kam er an, auf der anderen Seite des Ärmelkanals, nach etwas mehr als zehn Stunden. Und sein Bruder, der sei auch einmal mitgeschwommen. Bis zur Hälfte der langen Strecke hätten sie den Kampf gegen die Elemente gemeinsam ausgefochten, dann sei ihm sein Bruder, der Schnellere, davongeschwommen. Dies sei "kein Ort zum Warten", habe er Xavier noch zugerufen, bevor er hinter den Wellen verschwand.

Kein Ort zum Warten – aber zum Träumen

Es ist ein Ort zum Träumen. Und sie haben alle den gleichen Traum, hier am Hafenbecken von Dover. Der Traum ist rund 34 Kilometer lang und dauert zwischen sieben und knapp zwanzig Stunden. Stunden, über die es viel zu erzählen gibt. Geheiratet habe er inzwischen, sagt Xavier, sich scheiden lassen und seine Mutter an den Krebs verloren. Doch diese eine Leidenschaft, das Schwimmen im Kanal, die sei geblieben – die ganze Zeit.

Xavier ist schnell. Bei 8:16 Stunden liegt sein persönlicher Rekord. Das ist nur rund eine Stunde und zwanzig Minuten langsamer als Peter Stojtschew. Der Bulgare bezwang den Ärmelkanal im Sommer 2007 in 6:57:50 Stunden – ein bis heute gültiger Rekord. Ein fremder Kapitän sei es gewesen, erzählt Xavier, der ihm gesagt habe, auch er sei "sicherlich ein 7:45-Stunden-Schwimmer". Wenn denn der Kurs perfekt sei. Deswegen sei er noch einmal hier, der ehemalige Wettkampfschwimmer – am Hafenbecken von Dover.

Wo Träume zu Kategorien werden

Dann kommt Paul. Eine Stunde sei er soeben im 15 Grad kalten Wasser durch das Hafenbecken geschwommen. Er zittert. Aber einen Kaffee? Nein danke, den wolle er nicht. Schließlich müsse er es üben, das Frieren. Paul ist ein "12-Stunden-Schwimmer", wie sie ihn hier nennen. Von Bruno Baumgartner habe er bereits gehört. Der sei schnell. In zehn Stunden wolle er seinen Traum verwirklichen, erzähle man sich. Ob das stimme, möchte er wissen. Träume werden hier kategorisiert.

Bruno Baumgartner in Dover | Wie sieht die Wetterprognose aus? Bruno Baumgartner (links) und Paul.

Wie sieht die Wetterprognose aus? Bruno Baumgartner (links) und Paul.

Foto >Miriam Müller / spomedis

Paul ist mit dem Auto da. Er wohnt nur eine Stunde entfernt. Und wird am Tag nach Bruno Baumgartner mit demselben Kapitän, Stuart Gleeson und seiner "Sea Leopard", auf den Ärmelkanal hinausschwimmen. Bis zu drei Schwimmer pro Woche begleiten die Kapitäne mit ihren Motorbooten. Bei rund 2.500 Britischen Pfund pro Schwimmer ein einträgliches Geschäft. First come, first serve: Wer zuerst bucht, schwimmt zuerst. Stuarts dritten Slot in dieser Woche, den habe Angela, erzählt Paul. Ganz aus Südafrika sei sie angereist – um in Dover ihren Traum zu leben.

Bruno Baumgartner kennt sie alle, nach zehn Tagen in Dover. Xavier und Paul und Angela. Den älteren Herren, der für eine Staffel im Jahr 2012 trainiert. Und die beiden weißhaarigen Damen, die nach dem Schwimmen am Strand die Tauben füttern. Er kennt ihre Geschichten. Er kennt ihre Zeiten. Und er lebt den gleichen Traum wie sie – am Hafenbecken von Dover.

Bruno Baumgartner in Dover | Den Traum vom Ärmelkanal träumen auch Staffelschwimmer.

Den Traum vom Ärmelkanal träumen auch Staffelschwimmer.

Foto >Miriam Müller / spomedis