Zweikampf bis ins Ziel und ein 33.000-Euro-Scheck

Bei besten Bedingungen fand am Sonntag der dritte Ötillö 1000 Lakes in der Mecklenburger Seenplatte statt. Der Swimrun über 42 Kilometer bot den Teilnehmern fantastische Erlebnisse.

| 1. Oktober 2018 | AKTUELL

Perfektes Wetter bescherte den Sportlern einen besonderen Tag in der Mecklenburger Seenplatte.

Perfektes Wetter bescherte den Sportlern einen besonderen Tag in der Mecklenburger Seenplatte.

Foto >Pierre Mangez / Ötillö

Sportliche Höchstleistung und ein fantastisches Naturschauspiel: Der Ötillö 1000 Lakes in Rheinsberg (Brandenburg) war erneut ein grandioses Erlebnis. Über 42,2 Kilometer (34 km Laufen, 8 km Schwimmen) führte der Swimrun-Kurs am Sonntag abwechselnd durch herbstliche Laubwälder und meist klare Waldseen bis nach Rheinsberg. Wie beim Swimrun üblich wurde zwischen den Disziplinen die Ausrüstung nicht gewechselt. Das hieß, die 99 Zwei-Mann-Teams schwammen und liefen in speziellen Neoprenanzügen und trugen auch ihre Schuhe das gesamte Rennen über.

Beim Material sind den Sportlern fast keine Grenzen gesetzt.

Beim Material sind den Sportlern fast keine Grenzen gesetzt.

Foto >Pierre Mangez / Ötillö

Beim Start in Wesenberg zitterten viele Teilnehmer am frühen Morgen noch bei knapp über Null Grad, doch schon die ersten vier Lauf-Kilometer brachten die Swimrunner ordentlich auf Temperatur. Beim folgenden Schwimmabschnitt über 1.000 Meter zeigte die Sonne ihre ganze Kraft und brachte mit ihren Strahlen das klare Wasser zum Glitzern. Mit zunehmender Dauer wurden die Temperaturen dann immer angenehmer. Anders als beim Rennen vor zwei Jahren, als viele Teams bei Wassertemperaturen im einstelligen Bereich aufgeben mussten, musste an diesem wunderschönen Frühherbsttag kein Sportler lange frieren.

Entscheidung im letzten See

An der Spitze entwickelte sich früh ein Dreikampf um den Tagessieg. Nach vielen Führungswechseln machten die schwedischen Weltmeister Frederik Axegard und Alex Flores auf den letzten Kilometern den Sieg perfekt. Beim vorletzten Lauf und dem letzten 500 Meter langen Schwimmen kurz vor Rheinsberg nahmen sie den letztlich Zweitplatzierten, Knut Badshaug und Carson Christen (Norwegen/USA), die entscheidende Minute ab und gewannen in 4:24:08 Stunden. Platz drei sicherten sich Nicolas Remires und Luca Mazzurana (Frankreich/Italien), die auf der zweiten Rennhälfte das Tempo der Spitzenreiter nicht mehr ganz mithalten konnten. Bei den Frauen siegten Helen Maalinn und Helena Sivertsson (Estland/Schweden) in 4:48:32 Stunden deutlich vor Nina Ellmark/Lena Trillelv sowie Anneli Wall/Jenny Ramstedt (alle aus Schweden).

33.000 Euro für sechs Siege 

Einen besonderen Spannungsbogen bot das Rennen in der Mixed-Kategorie. Nachdem das schwedisch-tschechische Team Martin Flinta und Helena Karaskova Erbenova alle fünf bisherigen Saisonrennen für sich entscheiden konnte, hatten die beiden mit einer perfekten Saison die Möglichkeit ein Sonderpreisgeld von 33.000 Euro einzustreichen. Dies gelang Flinta und Erbenova souverän. In 4:35:04 Stunden erzielten sie nicht nur die viertschnellste Zeit des Tages, sondern dominierten ihre Kategorie mit über 40 Minuten Vorsprung auf Claire Thibault und Christophe Leray aus Frankreich. Dritte wurden Erik Molund und Heli Molund aus Schweden und Finnland.

Immer wieder spannend war der Blick auf die Ausrüstung. Mit teilweise riesigen Pull-Buoys sorgten manche Athleten für Auftrieb im Wasser. Bei den Paddles gehen die Varianten von winzig bis Tellergroß. Die mehrfache Olympiateilnehmerin im Triathlon, Anja Dittmer, absolvierte das Rennen beispielsweise mit Fingerpaddles. Andere verzichteten ganz auf Handbretter, nutzten aber dafür Flossen.

Räumten mit dem sechsten Sieg 33.000 Euro ab: Helena Karaskova Erbenova und Martin Flinta.

Räumten mit dem sechsten Sieg 33.000 Euro ab: Helena Karaskova Erbenova und Martin Flinta.

Foto >Pierre Mangez / Ötillö

Bis auf Badekappe, Neoprenanzug, Notfallset, Kompass und Trillerpfeifen haben die Swimrunner bei der Ausrüstung nahezu freie Wahl. Als Regel gilt nur, dass das komplette Material vom Start bis ins Ziel gebracht werden muss. Wer dabei erwischt wird, wie er auf der Strecke Ausrüstungsgegenstände oder Müll entsorgt, wird disqualifiziert.

Bald auch in Österreich?

Insgesamt spielt der Umweltaspekt für die Renndirektoren Michael Lemmel und Mats Skott bei den sieben Ötillö-Rennen in Schweden, Kroatien, Großbritannien, Frankreich, Schweiz und Deutschland eine große Rolle. So wird beispielsweise seit letzter Saison an jeden Teilnehmer ein faltbarer Trinkbecher ausgeteilt, um die Zahl der Einwegbecher an den Verpflegungsstationen zu reduzieren. Nach dem Ötillö-Motto "Unique races in unique places" ("Einzigartige Rennen an einzigartigen Orten") wolle man helfen, die einzigartige Natur zu erhalten, betonte Michael Lemmel bei der Wettkampfbesprechung in Rheinsberg.

In drei Wochen findet die Ötillö-Saison mit dem neuen Rennen in Cannes ihren Abschluss. 2019 geht es Anfang April im kroatischen Hvar wieder los. Ob es danach weitere neue Rennen geben wird, ist noch nicht bekannt. Zuletzt wurde im Internet über Österreich spekuliert.