Trends und Entwicklungen: Das können junge Schwimmer von Olympia lernen

Coach Jan Wolfgarten begleitet die Olympischen Spiele 2016 von Rio de Janeiro mit einer Kolumne über Trends und Entwicklungen im Schwimmsport. Seine Analyse zum vorletzten Tag.

| 14. August 2016 | AKTUELL

Anthony Ervin im Finale über 50 m Freistil | Anthony Ervin im Finale über 50 m Freistil

Anthony Ervin im Finale über 50 m Freistil

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Der vorletzte Wettkampftag der Pool-Wettbewerbe von Rio 2016 ist vorbei und uns bleibt noch ein letzter Finalabschnitt, bevor wir wieder vier Jahre auf olympische Schwimmwettkämpfe im Becken warten müssen. Am Montag und Dienstag werden uns sicherlich noch sehr interessante Freiwasserwettkämpfe - aber dazu mehr, wenn es so weit ist.

Das in meinen Augen herausragende Rennen des vergangen Finalabschnitts waren die 50 Meter Freistil der Herren. Es war ein enges Rennen, es war spannend und es war schnell, aber die eigentliche Geschichte hinter dem Rennen ist Anthony Ervin. Der Amerikaner war im Jahr 2000 zeitgleich mit Gary Hall Jr. Olympiasieger geworden und hat zwei Jahre später sein Schwimmkarriere sehr früh beendet. Ich habe ihn bei den NCAA-Meisterschaften damals erleichtert sagen hören: „Just one race to go“. Er hatte keine Lust mehr auf den Sport und versteigerte sogar seine Goldmedaille, um Opfer der Tsunamikatastrophe zu unterstützen.

Zweimal Gold im Abstand von 16 Jahren

Etwa im Jahr 2009 hat er dann bei der Schwimmschule Imagine von Lars Merseburg in New York angefangen, Schwimmkurse für Kinder zu unterrichten, und hat die Lust am Schwimmen wiedergefunden. Es folgten ein Comeback und die Finalteilnahme in London über 50 Meter Freistil im Alter von 31 Jahren. Nun, weitere vier Jahre später, gewinnt er 16 Jahre nach seinem ersten Olympiasieg erneut Gold über 50 Meter Freistil und schlägt den großen Favoriten Florent Manaudou. Der Sport schreibt manchmal Geschichten, die in keinem Drehbuch besser entstehen könnten. Perfekt!

Das können junge Schwimmer von Olympia lernen

Ansonsten möchte ich mich heute mal den Schwimmern und Lesern widmen, die noch jung sind oder noch sehr neu im Sport. Olympische Spiele zeigen die besten Athleten der Welt in der Form ihres Lebens. Man kann Sport auf dem allerhöchsten Niveau beobachten und dabei natürliche eine Menge lernen. Ich würde solche Gelegenheiten immer nutzen und mir so viele Rennen wie möglich aufzeichnen. Man kann so unglaublich viel lernen, wenn man den besten Sportlern der Welt zuschaut.

Darauf sollten junge Schwimmer achten

Starts

- Wie läuft der Start bei den besten Schwimmern der Welt ab?

- Wie springen sie ab?

- Wie tauchen sie ein und wo tauchen sie auf?

- Wie sehen der Übergang und der allererste Zug aus?

Wenden

- Wie schwimmen die besten Athleten an?

- Wo wird geatmet und wo auf keinen Fall?

- Wie lange bleiben die Athleten nach der Wende unter Wasser?

Renneinteilung

Schaut euch hierzu immer die Splits zu den Rennen an und vergleicht die Renneinteilung mit eurer eigenen. Natürlich seid ihr (noch) nicht so schnell, aber die Tendenz und die Verhältnisse der einzelnen 50er-Abschnitte sollte ähnlich sein.

Einstellung

Nutzt den letzten Tag der Wettkämpfe und zeichnet die Sendung auf! Schaut euch die Athleten an, die zu euch passen, und versucht Dinge zu sehen, an denen ihr in der nächsten Zeit arbeiten könnt.

Viel Spaß und alles Gute für eure Zukunft!