"Florian hat sich nicht an unseren Plan gehalten"

Die EM-Goldmedaille für Florian Wellbrock ist auch ein großer Erfolg für Bernd Berkhahn. Der Magdeburger Trainer hat jetzt neben Franziska Hentke ein zweites Ass im Becken.

| 5. August 2018 | AKTUELL

Bernd Berkhahn freut sich im Moment des Anschlags.

Bernd Berkhahn freut sich im Moment des Anschlags.

Foto >Peter Jacob / spomedis

In der Mixedzone sprach Bernd Berkhahn nach dem Finale mit den wartenden Journisten.

Herr Berkhahn, in einem denkwürdigen Finale ist ihr Schwimmer Florian Wellbrock gerade zum EM-Titel geschwommen. Wie haben Sie das Rennen erlebt? Ich habe es eigentlich genossen. Zuerst hatte ich alles parat gelegt, um zu stoppen und aufzuschreiben. Und dann habe ich mir gedacht, das machst du nicht, das machen die Trainingswissenschaftler. Da habe ich alles wieder beiseite gelegt.

Wie hat sich das Finale für Sie entwickelt? Für mich war spannend, wie Florian ins Rennen reinkommt. Und nach 200 Metern wusste ich, dass es ein gutes Rennen werden wird.

Florian Wellbrock auf dem Weg zum Titel.

Florian Wellbrock auf dem Weg zum Titel.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Woran haben Sie das gemerkt? Die einzige Hürde war für mich seine Aufregung vor dem Start. Aber das hat er wirklich gut gemeistert. Ich habe ihn genau beobachtet, was er so macht vor dem Start. Und nach dem Startsprung hat er sofort die richtige Frequenz gefunden. Da wusste ich, dass es ein guter Wettkampf wird.

Im Wasser hatte er es mit absoluter Weltklasse zu tun. Wie war die Taktik? Florian hat sich nicht ganz an unseren Plan gehalten. Eigentlich sollte er bis 1.000 Meter ruhig bleiben und dann versuchen, wegzuschwimmen. Das hat er schon bei 800 Metern gemacht. In dem Moment dachte ich, das könnte hinten raus richtig eng werden. Das wurde es ja auch. Aber ich weiß, was Florian hinten schwimmen kann, und da war mir klar, dass er das durchstehen kann.

Selten hat es so ein spanendes 1.500-Meter-Rennen gegeben. Das war großartig, und sicher eines der besten, die es je gab. Schade, dass Paltrinieri nicht ganz mithalten konnte. Wir sind gut befreundet und ich hätte mir einen Dreikampf gewünscht. Die drei werden jetzt sicher noch häufiger gegeneinander schwimmen.

Wellbrock posiert nach der Siegerehrung mit Romanchuk (rechts) und Paltrinieri.

Wellbrock posiert nach der Siegerehrung mit Romanchuk (rechts) und Paltrinieri.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Florian Wellbrock, aber auch Sie, wirkten nach dem Finale emotional kaum berührt. Was ist hinter den Kulissen passiert? Wir sind uns wortlos in die Arme gefallen. Wir haben so viel rumgesponnen vor dem Rennen. Wir wollten hier in die Weltspitze vorstoßen und haben uns überlegt, wie wir gegen Romanchuk und Paltrinieri gut aussehen können. Die Konstellation mit den Bahnen war vielleicht ein Vorteil, so konnte er sich lösen.

Ihr Schützling ist jetzt der viertschnellste Mensch der Welt über 1.500 Meter. Wie geht es weiter? Jetzt geht es erst richtig los. Die Perspektive für Olympia ist da, jetzt müssen wir schauen, was wir noch machen können. Er war heute der Jüngste im Finale und ist Erster geworden. Er hat also noch einige Jahre vor sich. Und wir wollen ja auch im Freiwasser schwimmen.

Kann das funktionieren? Von uns aus ist der Plan, beides zu machen. Und ich sehe da auch kein Hindernis. Auch nicht im Olympiajahr. Es wird in Tokio so sein, dass zuerst die Beckenwettbewerbe stattfinden und sich daran das Freiwasserschwimmen anschließt. Bei dieser Reihenfolge sehe ich keine Probleme.