Mit Crowdfunding zu Olympia

Um ihren Traum von den Olympischen Spielen in Tokio wahr werden zu lassen, geht Schmetterling-Sprinterin Aliena Schmidtke einen ungewöhnlichen Weg.

| 27. Februar 2019 | AKTUELL

Aliena Schmidtke hat Olympia 2020 fest im Blick.

Aliena Schmidtke hat Olympia 2020 fest im Blick.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Von den Problemen, mit denen deutsche Hochleistungssportler zu kämpfen haben, kann Aliena Schmidtke ein Liedchen singen. Die 26-Jährige aus Bad Segeberg zählt seit zwei Jahren zu den schnellsten Schmetterling-Sprinterinnen der Welt. Über 100 Meter ist sie neben Alexandra Wenk aussichtsreichste DSV-Kandidatin für die Olympischen Spiele. Auch in der Lagenstaffel könnte sie nächstes Jahr in Tokio zum Einsatz kommen.

Der Sprung in die Weltspitze gelang der Schwimmerin in den USA. An der New Mexico State University konnte Schmidtke nach dem Abitur dank eines Vollstipendiums Training und Studium optimal unter einen Hut bringen. Mit dem Bachelor in der Tasche wechselte sie 2016 an eine andere Universität, wo sie als Forschungsassistentin im medizinischen Bereich arbeiten konnte. Ganz freiwillig unternahm sie diesen Schritt nicht. "Ich hätte lieber direkt meinen Master gemacht, aber dafür gibt es leider keine Sportstipendien", sagt Schmidtke. "Das Studium ohne Förderung mit dem Profisport zu vereinen, wäre unmöglich gewesen."

50 Meter Schmetterling sind Aliena Schmidtkes Paradedisziplin. Für Olympia trainiert sie auf die 100 Meter hin.

50 Meter Schmetterling sind Aliena Schmidtkes Paradedisziplin. Für Olympia trainiert sie auf die 100 Meter hin.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Profi-Schwimmteam in Florida

Das schmale Gehalt für die zeitraubende 30-Stunden-Stelle und etwas Unterstützung durch Familie und Sporthilfe reichten gerade so zum Leben aus. Auch der SC Magdeburg, für den Schmidtke seit mehr als zehn Jahren schwimmt, unterstützte die Sportlerin in dieser Zeit finanziell. Trotz der beruflichen Situation gelang Schmidtke 2017 der Sprung ins WM-Finale von Budapest. Über 50 Meter Schmetterling schwamm sie deutschen Rekord (25,68 Sekunden) und wurde Achte. Bei der Universiade im selben Jahr gewann sie für das deutsche Team sogar die Goldmedaille.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Das Forschungslabor konnte seine Assistenten nicht mehr bezahlen und Schmidtke musste ein neues Visum beantragen. Jetzt macht sie ihren Master in Health Care und trainiert beim Profi-Schwimmteam von Gregg Troy in Gainesville (Florida) mit US-Stars wie Caeleb Dressel und Ryan Lochte. Arbeiten darf sie aufgrund ihres Profi-Status nicht. Außerdem will sie sich bis Tokio noch stärker aufs Schwimmen konzentrieren. Vor drei Jahren fehlten ihr nur wenige Hundertstelsekunden für die Olympia-Qualifikation. "Ich bin überzeugt davon, dass Gregg Troy der richtige Trainer für meine Persönlichkeit ist. Das Training und das professionelle Umfeld sind ideal für mich ", sagt Schmidtke.

Doch von welchem Geld soll sie leben? Aliena Schmidtke will es mit Crowdfunding schaffen. Über die Website "Go-Fund-Me" kann jeder die ambitionierte Sportlerin unterstützen, auch kleine Beträge kommen an. Bisher sind einige Tausend Dollar zusammengekommen. Das Geld wird auch dann ausgezahlt, wenn das auf der Spendenseite angegebene Ziel nicht erreicht wird.