Zwei Superstars wollen Auftakt-Gold über 400 Meter

Seit 2013 heißen die Weltmeister über 400 Meter Freistil jedes Mal Katie Ledecky und Sun Yang. Beide könnten heute den vierten Titel in Folge holen. Nach den Vorläufen sieht es genau danach aus.

| 21. Juli 2019 | AKTUELL

Sun Yang will es den Schwimm-Legenden Phelps, Lochte und Hacktett gleich tun.

Sun Yang will es den Schwimm-Legenden Phelps, Lochte und Hacktett gleich tun.

Foto >Jo Kleindl

Über Paul Biedermanns Weltrekordstrecke 400 Meter Freistil kommt es bereits heute zur WM-Entscheidung, weil es von den 400-Meter-Strecken an aufwärts keine Zwischenläufe gibt. Einen tollen Dreikampf lieferten sich am Morgen im vierten Vorlauf Zane Grothe, Gabriele Detti und Mack Horton, die in der Reihenfolge  Detti, Horton, Grothe mit 3:45er-Zeiten ins Finale schwammen. Alles überragte jedoch einmal mehr Sun Yang. Chinas großer Schwimmstar, dessen Fans während der Vorläufe für den größten Krach sorgten, brachte in 3:44,10 Minuten die beste Zeit ins Becken. In seinem Sog schwammen Danas Rapsys und Jack McLoughlin auf die Plätze zwei und drei. Felix Auböck aus Österreich, vor zwei Jahren noch WM-Fünfter, schied in 3:48,78 Minuten als 13. aus.

Exklusiver Legenden-Kreis

Ob es allein das Training ist, das Sun Yang so schnell macht, wird auch bei dieser Schwimm-WM wieder heiß diskutiert. Immerhin musste der Superstar in der Vergangenheit eine dreimonatige Dopingsperre absitzen. Zuletzt sorgte der 27-Jährige für Schlagzeilen, weil er bei einer Dopingkontrolle eine Probe mit einem Hammer zerstört haben soll. Die FINA sprach Sun Yang Anfang des Jahres frei, die WADA erhob dagegen Einspruch. Nun muss der Sportgerichtshof CAS in der Sache entscheiden. Möglich, dass der Weltrekordler lebenslang gesperrt wird.

Unabhängig davon gehört Chinas erster Schwimm-Olympiasieger seit über zehn Jahren zur absoluten Weltspitze. Als erster Schwimmer wurde er Weltmeister und Olympiasieger über alle Freistilstrecken zwischen 200 und 1.500 Meter. In Gwangju könnte er sich zum vierten Mal in Folge die Krone über 400 Meter Freistil aufsetzen und damit zu drei Schwimm-Legenden aufschließen. Vier WM-Titel oder mehr über eine Strecke schafften bisher nur Michael Phelps (200 Meter Schmetterling), Ryan Lochte (200 Meter Lagen) und Grant Hackett (1.500 Meter Freistil).

Katie Ledecky könnte zum vierten Mal Weltmeisterin über 400 Meter Freistil werden.

Katie Ledecky könnte zum vierten Mal Weltmeisterin über 400 Meter Freistil werden.

Foto >Jo Kleindl

Ledecky und die jungen Wilden

Bei all den Erfolgen von Katie Ledecky vergisst man leicht, dass die US-Amerikanerin erst 23 Jahre alt ist. Die Freistilschwimmerin gewann bereits fünfmal Olympiagold und holte 14 WM-Titel. Bei beiden Großereignissen wurde sie jeweils nur ein einziges Mal geschlagen. Vor zwei Jahren über 200 Meter Freistil, als sie "nur" WM-Zweite wurde und bei Olympia in Rio, als es über 4 x 100 Meter Freistil ebenfalls Silber gab. In Gwangju schwamm Ledecky im 400-Meter-Vorlauf in 4:01,84 Minuten erneut allen davon und tritt heute Abend als absolute Topfavoritin auf den Startblock. Auch für sie wäre es der vierte WM-Titel über diese Strecke in Folge. Bei den Frauen gelang das bisher Katinka Hosszu (400 Meter Lagen) und Sarah Sjöström (100 Meter Schmetterling).

Spannend wird wohl höchstens, mit welchem Vorsprung Ledecky diesmal gewinnt. Denn inzwischen gibt es einige junge Talente, die sich anschicken, die Überschwimmerin eines Tages zu beerben. Eine von ihnen ist die 18 Jahre alte Kurzbahn-Weltrekordlerin Ariarne Titmus, die in 4:02,42 Minuten Zweite der Vorläufe wurde. Dahinter folgte die noch ein Jahr jüngere Ajna Kesely aus Ungarn (4:03,51 min), die schon mit 14 Staffel-Europameisterin wurde. Als Vierte erreichte die Chinesin Jianjiahe Wang den Endlauf in Gwangju. Wang ist Jahrgang 2002 und damit ein weiteres Jahr jünger als Kesely. Sie schwamm letztes Jahr Weltrekord auf der Kurzbahn, musste die Bestmarke aber dann an Titmus abtreten.

Hosszu drückt im Vorlauf aufs Tempo

Olympiasiegerin Katinka Hosszu machte schon im Vorlauf klar, dass der Weg zum Titel nur über sie führen kann. Die Ungarin schwamm in 2:07,02 Minuten mit Abstand die schnellste Zeit und blieb weniger als eine Sekunde über ihrem Weltrekord. Ye Shiwen aus China lag nach der 100-Meter-Marke sogar noch vor Hosszu, vielleicht stachelte das die Topfavoritin an, bereits jetzt ein hohes Tempo anzuschlagen. Trotzdem darf man gespannt sein, ob Ye Shiwen, in 2:09,45 Minuten Zweitschnellste der Vorläufe, noch zulegen kann. Die Olympiasiegerin von 2012 über 400 Meter Lagen hat ihre Stärke eigentlich auf den Brust- und Freistil-Teilstrecken. Natürlich sind auch die US-Schwimmerinnen, in diesem Fall Melanie Margalis und Ella Eastin, zu beachten. Sie schwammen auf die Plätze drei und acht. Eine deutsche Schwimmerin ist nicht am Start.