"Vielschwimmer haben alle einen leichten Knacks"

Sven Eckardt gründete vor zehn Jahren das Team Warmduscher, das bei 24-Stunden-Schwimmen in allen Ecken Deutschlands ganz vorn mitmischt.

| 6. Februar 2019 | AKTUELL

Sven Eckardt war bei 90 24-Stunden-Schwimmen dabei.

Sven Eckardt war bei 90 24-Stunden-Schwimmen dabei.

Foto >privat

Langweilig wird es nie

Sven Eckardt, wie kommt man bloß auf die Idee 24 Stunden lang in einem Becken immer hin und her zu schwimmen? Nach meiner aktiven Zeit im Behindertenleistungssport habe ich neue Herausforderungen gesucht und wollte dem Schwimmsport verbunden bleiben. So kam ich 2006 auf 24-Stunden-Schwimmen. Da es bei diesen Veranstaltungen nicht auf die Geschwindigkeit allein ankommt, war es für mich als Behinderter eine ideale Möglichkeit, mit meinen nichtbehinderten Freunden gemeinsam Sport zu machen. 2009 gründete ich zusammen mit Freunden das Team Warmduscher.

Wird das nicht langweilig, spätestens nach ein paar Stunden Kacheln zählen? Nein, es wird nicht langweilig. Man beschäftigt sich mit sich und seinen Gedanken. Konzentriert sich auf Atmung und Schwimmtechnik und wird eins mit dem Wasser. Die Kacheln stören da genauso wenig, wie Hunger oder Müdigkeit.

Was fasziniert Sie und die Mitglieder des Teams Warmduscher an 24-Stunden-Schwimmen? Die Motivation ist vielfältig: die eigenen Grenzen austesten, die Gedanken des Alltages verarbeiten, sich frei und leer zu fühlen. Gemeinsam mit anderen Sport treiben, ein gemeinsames Ziel erreichen, gemeinsam am Beckenrand essen, gemeinsam lachen.

In den kurzen Pausen wird getrunken, gegessen und gefachsimpelt.

In den kurzen Pausen wird getrunken, gegessen und gefachsimpelt.

Foto >privat

Beim 24-Stunden-Schwimmen gewinnt jeder

Verraten Sie uns doch bitte Ihren persönlichen Rekord. Rekorde? Für mich geht es heute nicht mehr um das Messen mit anderen oder um das Aufstellen eines persönlichen Rekords. Bei mir überwiegt das Gefühl, lange unbeschwert schwimmen zu wollen, und meine Gedanken und Gefühle zu verarbeiten, egal ob im Schwimmbecken, im See oder im Meer. Aber im Team Warmduscher führen wir eine All-Time-Statistik und sind stolz auf unsere Marathonschwimmer und Teamsiege. Meine Bestleistung liegt bei 44 Kilometern bei einem 24-Stunden-Schwimmen und bei 50,5 Kilometern bei einem 50-Stunden-Schwimmen.

Nach wie vielen Stunden im Wasser beginnen spätestens die Schmerzen? Am liebsten schwimmt man ohne Schmerzen. Anders als beim Marathon, wo die Strecke vorgegeben ist, und jeder, der das Ziel nicht erreicht, eine Enttäuschung und persönliche Niederlage erlebt, gibt es bei einem 24-Stunden-Schwimmen nur Gewinner. Wer 100 Meter ohne Hilfsmittel schwimmen kann, darf mitmachen und sich am Ende eines Wettkampfs Sieger und erfolgreicher Teilnehmer nennen. Man darf innerhalb der 24 Stunden Pausen machen und wieder zurück ins Wasser kommen. Kluge und gute Schwimmer legen deshalb eine kleine Regenerationspause ein, bevor der Schmerz eintritt.

Trotzdem wird es irgendwann, nach vielen Stunden, wehtun. An welchem Körperteil besonders? Ich glaube, bei vielen schmerzen zunächst die Arme, Schultern, Ellbogen oder auch mal das Handgelenk, wenn man mit einem Mitschwimmer zusammenstößt. Später, nach acht oder zehn Stunden, ist es sicher das Hungergefühl und der Magen und der Darm. Als letztes, nach 16 oder vielleicht nach 20 Stunden, ist es eine Sache des Willens und des Ehrgeizes, die Müdigkeit und Erschöpfung zu überwinden, um seine persönliche Bestleistung zu toppen, das Podium zu erreichen oder den Sieg genießen zu wollen.

Zur Person

Sven Eckardt (Jahrgang 1970) ist seit 2007 selbstständiger Energie- und Umweltberater und ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Er schwimmt seit 1990 leistungsorientiert im Behindertensport. Eine Teilnahme an den Paralympics scheiterte 1996 wegen einer Verletzung. Eckardt schwimmt fünf- bis siebenmal in der Woche und ist Coach des Teams Warmduscher. Sein Spitzname: Dr. Svimmm.