Trends und Entwicklungen: Wohin gehen die Weltrekorde noch?

Am Wochenende gingen die olympischen Schwimmwettkämpfe im Becken zu Ende. Ich glaube, dass ich bisher jeden Artikel mit einem Kommentar zu den USA begonnen habe und werde es auch diesmal wieder tun. Ehre, wem Ehre gebührt.

| 16. August 2016 | AKTUELL

Katie Ledecky im Finale über 800 m Freistil | Katie Ledecky schwamm in Rio zweit Weltrekorde

Katie Ledecky schwamm in Rio zweit Weltrekorde

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Ab dem 2. Tag der Schwimmwettkämpfe muss man lange und sehr akribisch schauen, um vereinzelte Rennen zu finden, in denen die Amerikaner nicht voll da waren. Sie haben die Schwimmwettkämpfe mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung dominiert. Die USA sind bekannt dafür, die Energie ihrer Leader und von guten Leistungen geradezu aufzusaugen.

Michael Phelps hat bei seiner letzten Teilnahme bei Olympischen Spielen und nach seinem Comeback diese Rolle gelebt und es wird sicher nicht leicht, einen Nachfolger für ihn zu finden. Mit weiteren fünf Goldmedaillen ist Michael Phelps nun 23-facher Olympiasieger und hat seine Fans über einen Zeitraum von 16 Jahren mit unglaublichen Leistungen viel Freude gemacht. Ich mag vielleicht etwas voreingenommen sein als ehemaliger Schwimmer, aber jeder, der anfängt darüber zu diskutieren, wer der beste Athlet aller Zeiten ist, der ist in meinen Augen verrückt. Leider muss jede Karriere einmal zu Ende gehen, darum sage ich als Schwimmfan: Vielen Dank für diese unglaubliche Karriere!

Zum Schluss der Beckenwettkämpfe können wir festhalten, dass das Niveau und vor allem die Dichte der Leistungen wieder gestiegen sind. Die Luft im Schwimmsport wird zwar langsam sehr dünn, wenn es um Rekorde geht, aber trotzdem haben wir auch in Sachen Weltrekorde einige zu sehen bekommen.

Rio 2016: Die Weltrekorde der Olympischen Spiele

Name

Land

Strecke

Zeit

Katie Ledecky

USA

400 m Freistil

3:56,46

Katie Ledecky

USA

800 m Freistil

8:04,79

Katinka Hosszu

HUN

400 m Lagen

4:26,36

Sarah Sjöström

SWE

100 m Schmetterling

0:55,48

Frauen-Staffel

AUS

4 x 100 m Freistil

3:30,65

Adam Peaty

GBR

100 m Brust

0:57,13

Ryan Murphy

USA

100 m Rücken (als Staffel-Startschwimmer)

0:51,85

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Wenn man sich die Zeiten und die aktuellen Weltrekorde ansieht, dann ist generell schwer vorstellbar, wie diese in der Zukunft gebrochen werden sollen. Es kommt aber anscheinend dann doch immer wieder ein neuer Überschwimmer und in diesem Jahr die neuen Überschwimmerinnen, die uns dann doch wieder eines Besseren belehren.

Der Schwimmsport ist in den letzten Jahren wesentlich athletischer geworden und Starts und Wenden sind bei fast allen Topschwimmern auf einem sehr hohen Niveau. Ein Athlet, der mir in diesem Fall negativ auffällt, ist Sun Yang, der in beiden Bereichen noch viel Luft nach oben hat. Ich denke, dass wir eine weitere Leistungssteigerung durch einen weiteren Ausbau dieser Tendenzen erleben werden. Die Grundgeschwindigkeit wird noch höher werden und dadurch werden zwangsläufig auch die längeren Strecken immer schneller werden.

Diese Tendenz verkörpert Katie Ledecky wie keine andere Athletin aktuell. Im Jahr 2012 war sie noch ausschließlich eine 800-Meter-Freistilschwimmerin und natürlich auch noch sehr jung. Aufgrund ihres Ehrgeizes und der amerikanischen „I-can-Mentalität" hat sie aber sehr schnell damit begonnen, sich mit den Mittelstreckenschwimmerinnen und sogar den 100-m-Freistil-Ladies der USA zu messen. Sie hat in den letzten vier Jahren ihre Bestzeit auf 100 Meter Freistil signifikant verbessert (ich habe leider keine genauen Zeiten aus dem Jahr 2012, aber ich schätze, dass sie sich von einer 55er-Zeit auf 53,7 verbessert hat).

Diese Tendenz werden wir sicher auch bei anderen Athleten beobachten können. Es hieß immer, dass es unmöglich sei, 100 und 1.500 Meter schnell schwimmen zu können. Das wird so lange geglaubt, bis eine(r) kommt und es tut. Sobald das geschieht, glauben natürlich auch andere, dass es möglich ist, und werden ebenfalls damit beginnen, an der Grundgeschwindigkeit zu arbeiten.

Ich bin gespannt, wie es in den kommende Jahren weitergeht, und freue mich auf noch ein paar verrückte Zeiten der jungen Dame auf den USA.