Training mit Tanja in Torbole

Der Gardasee ist ein Paradies für Wassersportler. Auch Open-Water-Schwimmer kommen voll auf ihre Kosten - und ganz bequem von München mit der Bahn und mit einem Abholservice direkt ans Ufer.

| 15. Mai 2018 | AKTUELL

Hier lässt es sich aushalten: Der Gardasee lädt ein zum Freiwasserschwimmen.

Hier lässt es sich aushalten: Der Gardasee lädt ein zum Freiwasserschwimmen.

Foto >Martin Tschepe

Dunkelblau schillert der Gardasee

Dunkelblau schillert der Gardasee in Torbole. Die Sonne lacht vom Himmel, die meisten Menschen tragen dünne Kleidung und ein Lächeln im Gesicht. Das Wasser indes hat Mitte Mai erst knapp 13 Grad. Auf dem See tanzen ein paar Segelboote, Surfer stemmen sich gegen die Brise. Schwimmer sind nicht zu sehen. Aber wir wollen trainieren, ohne Neo, nur mit nackter Haut, mit Badeanzug beziehungsweise Badehose, mit Kappe und Schwimmbrille. Zum Schwimmen sind wir schließlich angereist.

Tanja sagt, wo es lang geht. Tanja Engels, 57 Jahre. Ende der 1970er war sie Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Damals schwamm sie beim SV Cannstatt und hieß noch Tanja Zewko - und wäre eigentlich 1980 bei Olympia in Moskau gestartet. Aber die westlichen Staaten haben die Spiele ja boykottiert, wegen des Einmarsches sowjetischer Truppen in Afghanistan. Heute springt Tanja bei Wettkämpfen für den SV Bietigheim ins Wasser.

Kraulen bei fiesen Wellen

Die Ärztin aus Schwaben hat nie aufgehört mit dem Training. Sie gewinnt regelmäßig bei Masters-Welt- und Europameisterschaften Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Am Balkon ihres Hauses in Torbole hängt ein übergroßes Transparent der World Masters Games 2017 in Auckland, Neuseeland.

An diesem Nachmittag pustet der Wind ein paar fiese kleine Wellen auf den Gardasee. Wir bleiben deshalb ganz nah am Ufer, schwimmen vom Segelclub zum kleinen Hafen und wieder zurück, nochmal zum Hafen und wieder zum Clubhaus. Wer bei solchen Temperaturen krault, der hat nach einer halben Stunde vorerst genug. Nach der ersten frostigen Einheit im See serviert Tanja ihren Mitschwimmern jede Menge Tipps.

Es gibt in Deutschland wohl nicht viele Sportler, die mehr Kilometer im Freiwasser geschwommen sind als diese Ausnahmeathletin, die seit gut drei Jahren nur noch am Gardasee wohnt. Tanja hat ihre Arztpraxis in Bietigheim bei Stuttgart für immer zugesperrt, sich von Deutschland verabschiedet.

Mit ihrem italienischen Freund lebt sie in dem Haus, das ihre Eltern einst gekauft haben. Lange her. Früher war Torbole ihr Zufluchtsort für Urlaube. Heute ist das Städtchen am Nordufer des Sees ihre Wahlheimat. Die Sportärztin praktiziert nicht mehr, sie will künftig Sportcamps anbieten - für geübte Schwimmer und für Anfänger, für Triathleten, für jeden, der mag. Nach der Praxis gibt es Theorie. Und auf Wunsch können sich die Sportler in einem ihrer drei Appartements einmieten, Seeblick inklusive.