Toller Tegernsee

Seensucht ist ein Langzeitprojekt unsers Autors. Er hat während eines Sabbathalbjahres die zehn größten Seen Deutschlands gequert. In loser Folge jetzt die nächsten. See Nummer 15: der Tegernsee.

| 13. Juni 2018 | AKTUELL

Schwimmen vor prächtiger Kulisse.

Schwimmen vor prächtiger Kulisse.

Foto >Martin Tschepe

Eigentlich wollte ich „nur“ ein bisschen wandern in den Bergen hoch über dem Tegernsee, mit Freunden aus München. Doch dann hab ich ihn gesehen an diesem tollen Tag im Mai: den Tegernsee, von mindestens jedem zweiten Gipfel aus war er zu bestaunen, der See, von dem manche Schwimmer sagen, er sei der tollte See in ganz Bayern. Oder sogar in ganz Deutschland. Also war klar: nach der Bergtour ist vor dem Schwimmen.

Noch schnell ein kühles (alkoholfreies) Weißbier getrunken - und dann noch eins. Und dann runter ans Ufer. Den ganzen See queren, dafür bleibt keine Zeit mehr, leider. Vielleicht bei der nächsten Stippvisite. Das Seebad am Ortsrand des oberbayerischen Städtchens Tegernsee empfängt die Gäste mit deutlichen Worten: Nichtschwimmer Achtung, Lebensgefahr! Im Wasser steiler Abbruch. Es wird sofort tief!

Achtung!

Achtung!

Foto >Martin Tschepe

Nicht ganz ungefährlich

Außer mir ist aber kaum jemand im Wasser, nur ein paar Kinder stehen bis zu den Knien im See, der an diesem Tag rund 13 Grad hat. Beim Blick in Richtung Egern am anderen Seeufer: Boote, überall Boote, kleine Segelschiffe und große Ausflugskähne. Auf einen zweiten Schild steht: Unfallgefahr für Schwimmer im Bereich der Motorboote. Soggefahr! Egal. Rein ins Vergnügen. Das Wasser ist super klar. Die Sicht ist sensationell. Über Wasser und unter Wasser.

Insbesondere beim Queren des Tegernsee gilt es in der Tat aufzupassen. Ich habe eine orangefarbene Boje im Schlepptau und gebe ordentlich Gas. Wasserball-Kraul, sicher ist sicher. Immer wieder nach vorne gucken und nach rechts und nach links. Die knapp 500 Meter sind schnell geschafft. Ohne Kollision mit einem der Boote. Jetzt schwimmt sich der See entspannter. Immer am Ufer entlang durch die Egerner Bucht, die auch als Malerwinkel bekannt ist, weil hier früher oft Maler am Ufer saßen und die Kirche St. Laurentius in Egern zu Papier brachten. Was für eine tolle Kulisse fürs Freiwassertraining.

Daumen hoch! Der kurze Ausflug hat sich gelohnt.

Daumen hoch! Der kurze Ausflug hat sich gelohnt.

Foto >Martin Tschepe

Tolle Häuser, grandiose Gärten

Manche Lästermäuler nennen den Tegernseer Lago di Bonzo. Weil viele Promis, zum Beispiel Fußballer des FC Bayern München, ein Haus am See besitzen. Die Nachfrage nach Wohnungen ist enorm. Die Preise, die bezahlt werden, sind mitunter astronomisch. Für Ferienhäuser am Tegernsee wird mehr hingeblättert als in den meisten anderen Orten in den Alpen. Eine schicke Immobilie am Seeufer kann schon mal einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Ich schwimme vorbei an den tollsten Häusern, habe Einblick in grandiose Gärten. Langsam wird es frisch im Wasser, obwohl die Luft schon sommerlich warm ist und die Sonne vom Himmel lacht. Nach etwa drei Kilometern bin ich zurück am Startplatz, wo mich zwei meiner Bergtour-Begleiterinnen empfangen. Wer mag kann nach so einer tollen Wassertour im Strandcafé direkt neben dem Badeplatz Kaffee und Kuchen bestellen.

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimm-Abenteuern. Mit seinen Projekten sammelt er Spenden für ein Behinderten-Schwimmprojekt. Infos dazu gibt es hier.