Sun Yang überragt in Quingdao mit drei Weltjahresbestzeiten

Allen Doping-Anschuldigen zum Trotz hat Chinas umstrittener Schwimmstar Sun Yang bei den nationalen Meisterschaften einmal mehr seine Dominanz auf den langen Freistilstrecken unter Beweis gestellt.

| 2. April 2019 | AKTUELL

Mit vier Goldmedaillen und drei Weltjahresbestzeiten verliefen die Chinesischen Meisterschaften für Sun Yang äußerst erfolgreich.

Mit vier Goldmedaillen und drei Weltjahresbestzeiten verliefen die Chinesischen Meisterschaften für Sun Yang äußerst erfolgreich.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Unbeeindruckt von der Nachricht, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur gegen seinen Doping-Freispruch Berufung eingelegt hat, ist Chinas Superstar Sun Yang gleich auf drei Strecken an die Spitze der Weltrangliste geschwommen. Bei den nationalen Meisterschaften in Quingdao gewann der Olympiasieger insgesamt vier Titel über 200, 400, 800 und 1.500 Meter Freistil.

Bereits am ersten Wettkampftag siegte Sun Yang mit Weltjahresbestzeit (3:43,73 min) über 400 Meter Freistil. Beim Verlassen des Beckens wirkte der mit 27 Jahren älteste Teilnehmer der Meisterschaften allerdings wenig euphorisch. Darauf angesprochen sagte Yang, er habe während des Rennens an den kürzlich verstorbenen Kenneth To gedacht. "Ich wollte heute eine großartige Leistung zeigen, weil ich nicht nur für mich selbst geschwommen bin. Ich wollte mein Bestes geben, um meinen Freund Kenneth zu ehren."

WM-Teilnahme ungewiss

Auch über 200 Meter Freistil triumphierte Sun Yang mit der bisher schnellsten Zeit des Jahres über diese Distanz (1:45,73 min). Die 800 Meter Freistil beendet Yang im Vorlauf zwar nur als Vierter, pflügte im Finale dann jedoch in 7:48,03 auf den ersten Platz der Meisterschaften und der Weltrangliste. Am letzten Wettkampftag vervollständigte der Schwimmer sein Gold-Quartett mit dem Sieg über 1.500 Meter Freistil. Mit 14:55,00 Minuten schwamm er seine beste Zeit seit vier Jahren. Nur der Magdeburger Florian Wellbrock war 2019 in 14:49.62 Minuten bereits schneller.

Über 200 und 400 Meter Freistil ist Sun Yang im Juli Titelverteidiger bei den Weltmeisterschaften in Südkorea. Ob der Schwimmstar in Gwangju aber überhaupt starten darf, ist nach den neuen Doping-Vorwürfen unklar. Im Januar war bekannt geworden, dass er während einer unangekündigten Kontrolle im September 2018 eine Dopingprobe durch einen Sicherheitsbeamten mit einem Hammer zerstören lies. Der Sportler begründete den Vorfall mit angeblichen Zweifeln an der Authentizität der Kontrolleurin. Während der Weltverband FINA dieser Argumentation folgte und Sun Yang freisprach, kündigte die WADA an, den Fall prüfen zu wollen. Am 13. März gab die WADA nun bekannt, vor dem Sportgerichtshof CAS Berufung gegen das FINA-Urteil eingelegt zu haben. Als möglichem Wiederholungstäter könnte Sun Yang eine lebenslange Sperre drohen. Bereits 2014 war er aufgrund einer positiven Doping-Probe für drei Monate gesperrt worden.

16-Jährige macht Ledecky Konkurrenz

Für weitere Topzeiten sorgten in Quingdao unter anderem Ye Shiwen, Yan Zibei und Xu Jiayu. Letzterer schlug über 100 Meter Rücken nach 52,27 Sekunden an und verdrängte damit den US-Amerikaner Ryan Murphy von Platz eins der Weltrangliste. Einen chinesischen Rekord schwamm Zibei über 50 Meter Brust in 26,96 Sekunden. Die zweifache Olympiasiegerin von 2012, Ye Shiwen, holte sich drei Goldmedaillen über 200 und 400 Meter Lagen sowie 200 Meter Brust.

Für die Weltmeisterschaften sollte man außerdem die 16-jährige Wang Jianjiahe im Hinterkopf haben. Bereits bei der Kurzbahn-WM im vergangenen Jahr zeigte das Schwimmtalent mit Gold über 800 Meter Freistil und Silber über 400 Meter Freistil, dass mit ihr in Zukunft auf den langen Strecken zu rechnen sein muss. Bei den Meisterschaften bewies Wang, dass ihre Leistung über 1.500 Meter Freistil beim Meeting der US-Pro-Swim-Series in Des Moines von 15:46,69 Minuten, mit der sie aktuell hinter Katie Ledecky (15:45,59 min) den zweiten Platz der Weltrangliste belegt, kein Glückstreffer war. Mit 15:49,55 Minuten blieb sie erneut deutlich unter der 16-Minuten-Marke und gewann das Rennen souverän mit einem Vorsprung von über 23 Sekunden auf ihre Konkurrentinnen.