Stefan Lurz: "Medaillen sind möglich"

Nach der schwachen WM 2017 will Stefan Lurz mit seinem Team bei der EM in Schottland (8.-12. August) wieder in die Medaillenränge. Was der Freiwasser-Bundestrainer über die Chancen der Deutschen sagt.

| 29. Juni 2018 | AKTUELL

Stefan Lurz beobachtet das Geschehen bei der DM Freiwasser in Mölln.

Stefan Lurz beobachtet das Geschehen bei der DM Freiwasser in Mölln.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Stefan Lurz, die WM 2017 war seit vielen Jahren das erste medaillenlose Großevent für die deutschen Freiwasserschwimmer. Wie optimistisch blicken Sie auf die anstehenden Europameistschaften? Ich bin sehr guter Dinge. Nach den Weltmeisterschaften, die für uns nicht gut liefen, haben wir die Köpfe zusammengesteckt, um zu überlegen, warum es nicht so gut war. Die ersten Weltcups dieses Jahr sind durch die Bank positiv gelaufen. Die Stimmung im Team ist gut. Wir freuen uns auf die Europameisterschaften, und ich glaube, dass wir eine Truppe zusammen haben werden, die die eine oder andere Medaille aus dem Wasser fischen kann.

Medaillen sind möglich? Auf jeden Fall. Rob Muffels hat sich in der Spitze etabliert, war immer vorn mit dabei und hat auch die taktische Erfahrung. Bei den Frauen haben wir mit Leonie Beck und Finnia Wunram zwei Mädels dabei, die sehr stark sind und sich ebenfalls vorne etablieren konnten. Und auch die in Anführungszeichen „Zweite Garde“, die vielleicht im Weltcup etwas hinterher ist, ich meine die Erfahrenen Sören Meißner und Andreas Waschburger, sind für vordere Platzierungen gut. Mit Alexander Studzinski über 25 Kilometer und dem Team-Event bin ich sehr guter Dinge. Über 5 Kilometer müssen wir abwarten, wer sich qualifiziert.

Rob Muffels zählt für Lurz zu den Medaillenkandidaten.

Rob Muffels zählt für Lurz zu den Medaillenkandidaten.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Ist Leonie Beck jetzt im Freiwasser angekommen. Letztes Jahr hatte sie noch einige Anlaufschwierigkeiten. Wir wussten, dass sie Erfahrung braucht, dass ihre Geschwindigkeit aber gut ist, was eine Grundvoraussetzung ist, um vorne mitzuhalten. Die Weltcups haben gezeigt, dass sie angekommen ist - das Rennen im Balaton einmal ausgelassen, wo sie große Magen-Darm-Probleme hatte und  wegen der Gesamtwertung gestartet ist. Sie hat Selbstbewusstsein und vor allem Spaß bei der ganzen Sache. Mit ihrer Geschwindigkeit ist sie sicher eine Kandidatin für 2020.

Hoffnungsträgerin: Leonie Beck schwimmt diese Saion weniger Becken und mehr Freiwasser.

Hoffnungsträgerin: Leonie Beck schwimmt diese Saion weniger Becken und mehr Freiwasser.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Die Plätze für das EM-Rennen über 5 Kilometer sollen am Samstag hier in Mölln vergeben werden. Gibt es die Möglichkeit, dass noch an andere Athleten dafür ins Team rutschen? Nein, eigentlich nicht. Es ist auch keiner da, der  Ambitionen hätte und sich bei mir gemeldet hätte, weil er die 5 km in Mölln nicht schwimmen könnte. Die einzigen beiden, die noch fürs Freiwasser infrage kommen, derzeit aber im Becken unterwegs sind, sind Florian Wellbrock und Sarah Köhler. Aber wenn, dann geht es bei beiden rein um den Team-Wettbewerb. Die 5 Kilometer schaffen sie bei der EM zeitlich nicht, weil die Wettbewerbe in Schottland parallel stattfinden.

Wellbrock hat zuletzt mit zwei Siegen im Freiwasser überragt. Wäre ein Doppelstart denn möglich? Aus meiner und Henning Lambertz' Sicht, spricht da dieses Jahr nichts dagegen. Wir könnten das so machen. Allerdings passt es definitiv nicht mit einem Einzelstart. Und Florian hat sich entschieden, 800 und 1.500 Meter im Becken zu schwimmen. So kommt nur die Staffel in Betracht.