Schwimmen im Schwarzwald

Seensucht ist ein Langzeitprojekt unsers Autors. Er hat während eines Sabbathalbjahres die zehn größten Seen in Deutschland gequert. In loser Folge die nächsten, die Seen Nummer 17 und 18: der Nonnenmattweiher und der Windgfällweiher.

| 3. Juli 2018 | AKTUELL

Idyll im Schwarzwald: der Nonnenmattweiher.

Idyll im Schwarzwald: der Nonnenmattweiher.

Foto >Martin Tschepe

Eigentlich kommen die Menschen zum Wandern in den Schwarzwald, mitunter von weit her. Manche kommen indes auch zum Schwimmen. Die Triathleten zum Beispiel kraulen im Schluchsee. Gleich nebenan: der Titisee, Sehnsuchtsort vieler Asiaten. Wahre Geheimtipps für Schwimmer sind indes die kleineren Seen im Schwarzwald.

Willkommen am Nonnenmattweiher westlich von Schönau. Das Auto ist geparkt, der kurze Fußweg zum See führt vorbei an einer Fischerhütte, in der Ausflügler eine Kleinigkeit essen können. Noch ein paar Schritte, und dann stehst du am Ufer und staunst. Was für ein grandioser Anblick! Im See spiegeln sich die Bäume, die Wolken, der tiefblaue Himmel. Am Ufer schwimmen Seerosen. Vögel zwitschern, Insekten summen. Ein lauer Wind bläst.

Für das Leibliche Wohl nach dem Schwimmen ist gesorgt.

Für das Leibliche Wohl nach dem Schwimmen ist gesorgt.

Foto >Martin Tschepe

Soeben verlasen die letzten zwei Badegäste den Weiher mitten in einem Naturschutzgebiet, der ursprünglich als sogenannter Karsee während der Eiszeit entstanden ist. Im Mittelalter verlandete die Wasserfläche, im 18. Jahrhundert wurde der See wieder aufgestaut, als Mühlenweiher. Heute ist der See zweigeteilt. In der einen Hälfte darf gebadet werden, die andere Hälfte mit der schwimmenden Torfinsel ist tabu. Also los jetzt: nichts wie hinein ins Vergnügen. Einmal im Kreis kraulen, immer nah am Ufer entlang: das ergibt eine Strecke von knapp 500 Metern, sagt die GPS-Uhr am Handgelenk. Ich drehe ein paar Runden, schaue beim Atmen hinüber zu einem Angler, der am Ufer steht, und zu einer Frau, die neben dem Mann auf einer Holzbank sitzt und zeichnet. Ob den beiden wohl das einzige Auto auf dem Parkplatz gehört? Das mit dem Berliner Kennzeichen.

Nonnen und Mastkühe

Das Wasser schmeckt prima, ein klein bisschen nach Moor. Es hat geschätzt knapp 20 Grad. Ich schwimme und schwimme, weiter und immer wieder, nach der ersten Runde die nächste, dann noch eine und noch eine. Die Szenerie ist einfach zu schön. Nach ein paar Kilometern ist aber Schluss. Demnächst wird es dunkel.

Man erzählt sich, der See habe seinen Namen wegen eines versunkenen Frauenklosters. Ein Gottesgericht habe einst entschieden. Es gibt indes eine zweite Geschichte. Und die geht so: Der Name erinnere daran, dass früher Mastkühe - alemannisch Nunnen - auf den Weiden am See grasten.

Der Mann, der immer noch am Seeufer angelt, erzählt später nichts von Nonnen, Nunnen und Namen. Er und seine Begleiterin kommen tatsächlich aus Berlin. Die beiden sind im Urlaub - und nicht zum ersten Mal am Nonnenmattweiher. Er liebe die Ruhe dieses magischen Orts, sagt der Herr aus der Bundeshauptstadt. Berlin, sagt er, gefalle ihm nicht mehr. Zu groß, zu voll, viel zu viele Menschen. Später, wenn er nicht mehr arbeiten müsse, werde er zusammen mit seiner Frau in den Schwarzwald ziehen. Womöglich in die Nähe diese Sees. Keine schlechte Idee.

Vom Parkplatz direkt ins Wasser geht es am Windgfällweiher.

Vom Parkplatz direkt ins Wasser geht es am Windgfällweiher.

Foto >Martin Tschepe

Täglich schwimmen im Windgfällweiher

Nächster Tag, ein paar Kilometer nördlich vom Nonnenmattweiher, zwischen Titisee und Schluchsee: der Windgfällweiher. Hier kann das Auto direkt am Ufer geparkt werden. Ein paar Utensilien in die Schwimmboje gepackt und rein in den See, der Ende der 19. Jahrhunderts zur heutigen Größe aufgestaut worden ist. Wer mag, kann an dem kleinen Strand direkt bei den Parkplätzen ins Wasser steigen. Etwas angenehmer ist womöglich der Besuch des alten Strandbads am Ostufer, dessen Gebäude unter Denkmalschutz steht. Erwachsene bezahlen 2,50 Euro Eintritt. Nach dem Kraulen vor grandioser Schwarzwald-Kulisse kann man hier warm duschen, etwas essen und trinken - und mit den Dauergästen über den See anno dazumal plaudern. Es gibt Einheimische, die längst im Rentenalter sind, und fast täglich zum Schwimmen im Windgfällweiher kommen - selbst in Winter, so lange wie möglich, bis der See zugefroren ist.

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimm-Abenteuern. Mit seinen Projekten sammelt er Spenden für ein Behinderten-Schwimmprojekt. Infos auf www.bahn9.de