Ein Schwimmbad nach dem Baukastenprinzip

Für 4,5 Millionen Euro bauen holländische Entwickler ein komplettes Schwimmbad. Ohne Luxus, nur zum Schwimmen. Ist das Lösung für klamme Kommunen in Deutschland?

| 29. November 2017 | AKTUELL

Foto >Marcel van der Burg

Neue Lösungen beginnen oft mit einem Problem. Und Sander ten Broek hatte ein Problem, als er 2009 für den niederländischen Schwimmverband KNZB nach Wasserflächen suchte. Die Vereine hatten großen Bedarf, wollten wachsen und neue Mitglieder gewinnen. „Wir haben deshalb bei den Vereinen nachgefragt, was sie brauchen. Ein Ergebnis der Umfrage war unter anderem, dass man die Verteilung der Wasserzeit besser organisieren muss, um Hallen optimal auszulasten.“

Aber grundsätzlich braucht man erst einmal eine Schwimmhalle. „Deshalb haben wir uns mit Architekten und dem Verband zusammengesetzt und überlegt, was für ein Schwimmbad wir überhaupt brauchen.“ Schnell kam man auf die Minimalanforderung: Acht Bahnen, 25 Meter. Um das Bad für möglichst viele Zielgruppen interessant zu machen, wäre der Einbau eines höhenverstellbaren Schwimmbadbodens ideal. Aber ohne zusätzliche Rutschen, Planschbecken, Whirlpools – eben 2521 Simply Swimming. Dabei steht die Zahl 25 für die Beckenlänge und die 21 für die Beckenbreite. Die Idee von „2521 Simply Swimming“ war geboren.

Mit einer ausfahrbaren Trennwand lässt sich das Becken in zwei Bereiche teilen.

Mit einer ausfahrbaren Trennwand lässt sich das Becken in zwei Bereiche teilen.

Foto >2521 Simply Swimming

Hochwertig, aber günstig

Und dann begann die konkrete Bauplanung für die Schwimmhalle im niederländischen Alblasserdam: „Wir wollten qualitativ hochwertig bauen, aber trotzdem kostengünstig“, sagt der 43-jährige ehemalige Wasserballspieler. Deshalb habe man auf ein Kellergeschoss verzichtet und gleich mit dem Edelstahlbecken im Erdgeschoss angefangen. „In Holland haben wir oft Probleme mit Grundwasser. Wer traditionell mit Keller baut, muss aufgrund der Trocknungszeit eine rund sechs Monate längere Bauzeit in Kauf nehmen – das sind Baukosten, die wir einsparen.“ Eine 2521-Halle sei vom ersten Spatenstich bis zur Eröffnung in weniger als zwölf Monaten fertig gebaut.

Ein weiterer Sparansatz sei eine intelligente Konstruktion: Man habe nur mit vorgefertigten Bauelementen gearbeitet. Fenster, Wände, Dach, aber auch die Umkleidekabinen seien als Elemente im Werk gefertigt worden. Außerdem sieht das Konzept nur ein Becken pro Schwimmhalle vor. „Alles, was man in einem Becken machen kann, ist immer günstiger, weil man kein zweites Wasseraufbereitungssystem, weniger Wasser und ­weniger Energie braucht.“

Schwimmen und planschen

Die intelligente Lösung ist zudem der Einbau eines Hubbodens. Dieser ermöglicht es Schwimmbadbetreibern, den Boden von beispielsweise drei Bahnen hochzufahren, das Wasser auf 30 Grad zu erwärmen und einen ­Babyschwimmkurs anzubieten, während zeitgleich auf den restlichen fünf Bahnen bei Wassertemperaturen von 26 Grad in normaler Tiefe geschwommen werden kann.

Kein Hingucker, dafür energieoptimiert: Die Fassade des Bads in Alblasserdam.

Kein Hingucker, dafür energieoptimiert: Die Fassade des Bads in Alblasserdam.

Foto >Marcel van der Burg

„Bei der Energieeffizienz haben wir auf die höchste Klasse gesetzt. Die Wärme, die im Schwimmbad ist, darf nicht entweichen. Unsere Wände sind 60 Zentimeter dick, und alle Fenster haben eine Dreifachverglasung.“ Eine große, 25 Meter breite Fensterfront trennt den Eingangs- vom Schwimmbereich. Vorteil: Auch von der Kasse kann man das gesamte Becken überblicken, da die Schwimmhalle eine klare rechteckige Form hat, ohne Verwinkelungen. „In Holland können wir den Schwimmbadbetrieb mit nur zwei Personen organisieren: einer an der Kasse und ein Bademeister im Schwimmbad – dadurch sind die ­Personalkosten gering.“

Ein Bad für 4,5 Millionen Euro

Ten Broek ist wichtig, dass man zwar günstig baue, aber die Qualität der 2521-Hallen immer die gleiche sei. Ein solches Schwimmbad koste inklusive Architektenkosten, sämtlichem Baumaterial und Hubboden rund 4,5 Millionen Euro. Doch das Konzept, das gemeinsam mit dem holländischen Architekturbüro Slangen+Koenis entworfen wurde, ist eine Art Baukastensystem. Wer das nötige Budget hat, kann auch eine Gymnastikhalle in ein zweites Stockwerk bauen, eine 3525-Halle für Wasserballer entwickeln oder eine Rutsche ins Schwimmbad integrieren. „Für ein belgisches Bad haben wir einmal ausgerechnet, dass der Einbau einer Rutsche rund 500.000 Euro kostet und zusätzliche Instandhaltungskosten von jährlich 25.000 Euro anfallen. Da muss man genau überlegen, ob man die Investitionen wieder rausbekommt.“ Als Alternative bietet ten Broek aufblasbare Spielgeräte an, die am Spielenachmittag ins Becken gelassen werden und danach problemlos wieder entfernt werden können.

Die Bäder sind für Wettkämpfe auf der Kurzbahn geeignet.

Die Bäder sind für Wettkämpfe auf der Kurzbahn geeignet.

Foto >Marcel van der Burg

Das 2521-Konzept geht auf – neben fünf bereits fertiggestellten Hallen in den Niederlanden, Deutschland und Polen, wird gerade an einem Schwimmbad im belgischen Temse und in Workum in Holland gearbeitet. Anfragen gab es aber auch schon aus Übersee. „Mit einem höhenverstellbaren Schwimmbadboden, einem sogenannten Hubboden in Kombination mit einer Klappwand als Beckenteiler können in dem geteilten Becken zwei unterschiedliche Temperaturen erzielt werden. Das System wird dadurch für unterschiedliche Zielgruppen interessant“, sagt der 2521-Geschäftsführer. Interessenten bieten ten Broek und sein Team erst einmal ein unverbindliches Skype-Meeting an. Im nächsten Schritt kann es dann eine Präsentation geben, in der man auf individuelle Wünsche und Gegebenheiten vor Ort eingeht. Auch die Besichtigung einer fertiggestellten Halle ist möglich. „Denn wir bauen nur das, was man wirklich braucht.“