In die Schweiz geschwommen

Bei der Bodensee-Open-Water-Querung hinüber nach Romanshorn kommen die rund 60 Teilnehmer alle ins Ziel. Unser Autor ist mit gekrault.

| 29. Juli 2019 | AKTUELL

Die elf Kilometer sind geschafft.

Die elf Kilometer sind geschafft.

Foto >Martin Tschepe

Wir kraulen los. Aber nicht schnell

Noch ist es stockfinster an diesem Samstagmorgen gegen fünf Uhr in der Frühe. In gut einer Stunde starten beim Strandbad Friedrichshafen knapp 60 Männer und Frauen ihren tollkühnen Ausflug in die Schweiz. Bei der Bodensee-Openwater-Querung stehen elf Kilometer auf dem Programm, das Ziel ist Romanshorn.

Noch ein paar Tipps, dann geht es los.

Noch ein paar Tipps, dann geht es los.

Foto >Martin Tschepe

In der Nacht ist ein Gewitter über den See gezogen. Noch regnet es. Doch Patrick Boche, der Vorsitzende des Vereins Bodensee Openwater, hat am Abend zuvor beim Briefing augenzwinkernd fest zugesagt: Zum Start ist das Wetter gut. Kein Regen, kein Donner, keine Blitze und eine fast spiegelglatte Wasseroberfläche. Er hat nicht zu die versprochen: Die Bedingungen werden bombastisch.

Der Startschuss fällt. Wir kraulen los, nicht super schnell, denn diese Veranstaltung ist kein Wettbewerb im klassischen Sinn. Die Veranstalter zeichnen nicht die besten Schwimmer aus, wer ankommt, hat gewonnen.

Zweieinhalb Stunden rauchen die Schnellsten für den Weg in die Schweiz.

Zweieinhalb Stunden rauchen die Schnellsten für den Weg in die Schweiz.

Foto >Martin Tschepe

Das Handzeichen-Abc

Die Schwimmer gehen in mehreren Gruppen mit einem Abstand von einer Minute ins Wasser. Patrick - wir kennen uns vom Eisschwimmen - hat mich in die schnelles Gruppe gepackt. Okay, das ist ein Ansporn doch flott hinüber zu kommen in die Republik der Eidgenossen. Wir schwimmen hintereinander her, das spart Kraft - wie das Windschattenfahren bei der Tour de France. Mal schwimmt einer vorn, dann der andere. Falls jemand Probleme haben sollte, dann warten die anderen - so läuft das jedenfalls bis Kilometer sechs. Dann fällt die Gruppe auseinander und jeder und jede schwimmt für sich.

Eskortiert werden die Schwimmer von rund 15 Booten der DLRG. Patrick Boche hat kurz vor dem Start allen eingebläut: Eine in die Höhe gestreckt Faust bedeutet: „Ich will aussteigen, holt mich bitte an Bord.“ Eine Hand mit ausgestreckten Fingern indes heißt: „Ich hab’ Durst oder Hunger, versorgt mich.“ In der vorderen Gruppe jedenfalls klappt das ausgezeichnet. Nach etwa der Hälfte der Strecke - die Uhr zeigt eine Stunde und 21 Minuten - ein Stopp. Wir trinken. Und betrachten für einen Moment die Szenerie. Bombastisch! Die Sonne lacht vom Himmel und spiegelt sich glitzernd auf dem See. Am Horizont ist das einmalige Alpenpanorama zu bestaunen. Nach zwei Minuten geht es weiter - und die Gruppe fällt auseinander.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Schwäbischen Zeitung.