"Ryan Lochte hat mich erstmal vorschwimmen lassen"

Marius Kusch beißt sich durch in Amerika. In Charlotte trainiert der 24-jährige Schmetterlingsspezialist mit zahlreichen US-Topstars und Olympiasiegern. Doch bis dorthin war es ein steiniger Weg.

| 21. September 2017 | AKTUELL

Vom DSC Dattel über Essen und München in die weite Welt: Marius Kusch hat den Schritt in die USA nicht bereut.

Vom DSC Dattel über Essen und München in die weite Welt: Marius Kusch hat den Schritt in die USA nicht bereut.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

In Deutschland schwamm Marius Kusch für Essen und München, seit Anfang 2016 startet der 24 Jahre alte Westfale für die Queens University of Charlotte. Dort, im Bundesstaat North Carolina, verschaffte sich Kusch durch hartes Training und sechs nationale Meistertitel viel Respekt. Er wurde Kapitän seiner Mannschaft und schaffte nach einigen Monaten den Aufstieg aus der Collegegruppe ins Team Elite, in dem Olympiasieger trainieren und Superstar Ryan Lochte einige Monate mitschwamm.

Das Training hat Kusch einen enormen Kick gegeben. Inzwischen gelang ihm der Sprung in die deutsche Spitze. Er qualifizierte sich für die WM Kurzbahn 2016 und die Schwimm-WM in Budapest 2017. Nächstes Ziel: Tokio 2020.

Marius Kusch, erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Training mit den Superstars? Ich bin reingesprungen und um mein Leben geschwommen. Ich war mit Tyler Clary und Ryan Lochte auf einer Bahn und wir sind mehrere 200er Kraul geschwommen. Die haben mich erstmal schön vorschwimmen lassen. Das Tempo sollte eigentlich gar nicht so schnell sein. Aber ich wollte mich natürlich behaupten. Es war sehr anstrengend.

Dieser Text gehört zu einem langen SWIM-Interview mit Marius Kusch. Lesen Sie das komplette Interview jetzt in SWIM 26 und erfahren Sie, warum Kusch auf vier unterschiedlich langen Bahnen trainiert, wie er aus der Ferne über die Situation des Leistungssport in Deutschland denkt und was die Amis aus seiner Sicht so schnell macht.

Haben Sie die großen Namen eingeschüchtert? Das würde ich nicht sagen. Obwohl mein Coach am Anfang meinte, ich sei noch ein großer Fanboy und würde zu sehr gucken, was die anderen machen. Dann war ich zweieinhalb Wochen mit dem Team USA und meinem Team Elite in Kalifornien. Irgendwann wird es normal mit Matt Grevers, Anthony Ervin, Nathan Adrian oder Tom Shields zu schwimmen. Bei der WM in Budapest merkte ich das im Call Room, als ich nicht mehr diesen Wow-Effekt spürte, wenn ich diese Schwimmer sah.

Marius Kusch ist auf Schmetterling und Freistil spezialisiert.

Marius Kusch ist auf Schmetterling und Freistil spezialisiert.

Foto >Fabian Fiedler / spomedis

Wie sind die Stars privat? Ganz normale Menschen wie du und ich. Am Anfang war es etwas distanziert, weil die einen noch nicht kannten und in diesen internationalen Teams immer viele Leute mittrainieren. Es dauerte etwas, um warm zu werden.

Welche Unterschiede gibt es im Training? Das Training ist stark durch Intensitäten geprägt, während es in Deutschland häufig noch Meterschrubben gibt. Die Amerikaner sagen dazu „Yardage Garbage“, das bedeutet, dass man keine sinnlosen Meter für den Mülleimer schwimmen soll. Jeder Meter ist entweder technisch anspruchsvoll, intensiv oder es gibt einen anderen Schwerpunkt. Ich schwimme wesentlich weniger als früher, aber für dreieinhalb bis vier Kilometer brauchen wir trotzdem zwei Stunden.

Sind die Bedingungen für Sportler so perfekt, wie es immer heißt? Für mich sind sie optimal. Die Universität ist recht klein. Ich wohne auf dem Campus und gehe nur eine Minute zu meinen Klassen, zur Mensa oder zur Trainingshalle. Ich kann meinen Stundenplan wie Lego zusammenstellen, sodass es mit dem Training passt. Man kann die Kurse einmal, zweimal oder dreimal pro Woche belegen und wählen, ob man morgens, mittags oder abends kommt. Ich besuche am liebsten die „Night Classes“ von 18 bis 20.30 Uhr. Abends in die Uni zu gehen gefällt mir.