Russland: 18 verschwundene Dopingproben

Ein Olympia-Ausschluss des gesamten russischen Teams bei den Spielen in Rio wird immer wahrscheinlicher. Der brisante McLaren-Bericht deckt auch Manipulation im Schwimmen auf.

| 19. Juli 2016 | AKTUELL

Russland | Ob die russische Fahne auch in Rio wehen wird, ist derzeit ungewiss.

Ob die russische Fahne auch in Rio wehen wird, ist derzeit ungewiss.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Gestern hat der kanadische Anwalt Richard McLaren auf einer Pressekonferenz in Toronto die Ergebnisse seiner 57-tägigen Untersuchung des russischen Sport- und Dopingsystems vorgestellt. Die Studie war von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA in Auftrag gegeben, nachdem die New York Times über umfangreiche Manipulationen während der Winterspiele 2014 in Sotchi berichtet hatte. Aufgrund der Kürze der Zeit sei der Bericht nicht in allen Details komplett, betonte McLaren. Dennoch ergibt sich ein erschreckendes Bild.

In seinem 103 Seiten umfassenden Bericht, der auch online zu finden ist, kommen McLaren und sein Team zu drei Schlüssen. 1. Das Moskauer Anti-Doping-Labor hat mindestens von Ende 2011 bis August 2015 geholfen, positive Dopingproben systematisch zu verschleiern. 2. Proben gedopter Athleten wurden systematisch ausgetauscht, um gedopte russische Athleten bei großen Sportfesten starten lassen zu können. 3. Das russische Sportministerium und der russische Geheimdienst waren an den Vorgängen beteiligt.

643 Testresultate verschwunden

Da McLaren betonte, dass vor allem in medaillenträchtigen Sportarten manipuliert wurde, überrascht es nicht, dass auch der Schwimmsport betroffen ist. In dem Bericht gibt es auf Seit 41 eine Übersicht über die Anzahl verschwundener positiver Dopingproben ("Disappearing Positive Test Results") je Sportart. Insgesamt "verschwanden" zwischen 2012 und 2015 643 Dopingproben.

Verschwundene positive Testergebnisse

Anzahl

Sportart

139

Leichtathletik

117

Gewichtheben

28

Ringen

27

Kanu

26

Radsport

24

Eislaufen

18

Schwimmen

14

Eishockey

13

Skisport

11

Fußball, Rudern

10

Biathlon

8

Bob, Judo, Volleyball

7

Boxen, Handball

6

Taekwondo

4

Fechten, Triathlon

3

Moderner Fünfkampf, Schießen

2

Beach-Volleyball, Curling

1

Basketball, Segeln, Snowboard, Tischtennis, Wasserball

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Bach: "Angriff auf die Integrität des Sports"

McLaren äußerte sich auch auf Nachfrage nicht dazu, ob Russland von den bevorstehenden Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen werden sollte. Es sei nicht seine Aufgabe darüber zu urteilen, erklärte er. Unterdessen haben führende Sportverbände sowie zahlreiche nationale und internationale Anti-Doping-Agenturen den Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen gefordert. "Die Ergebnisse sind schockierend und ein Angriff auf die Integrität des Sports und der Olympischen Spiele. Das Internationale Olympische Komitee wird die härtesten Sanktionen gegen alle beteiligten Individuen und Organisationen ergreifen", kündigte IOC-Präsident Thomas Bach an.