Philip Heintz gewinnt Silber, aber ...

Silber gewonnen, Gold verloren, so könnte man das 200-Meter-Lagen-Finale von Philip Heintz zusammenfassen. Die Ansprüche des Heidelbergers sind gewachsen.

| 6. August 2018 | AKTUELL

Foto >Peter Jacob / spomedis

Wo andere über Edelmetall ausgelassen jubeln würden, hadert Philip Heintz nach den 200 Meter Lagen in Glasgow mit sich selbst. "Ich hatte Gold erwartet, doch meine Zeit ist ein absolutes Desaster, deshalb muss ich mit Silber zufrieden sein", sagte der Heidelberger, der nach 2014 zum zweiten Mal Vize-Europameister wurde. In 1:57,83 Minuten musste der 27-Jährige im Tollcross Swimming Centre Jeremy Desplanches den Vortritt lassen. Der Schweizer schlug bereits nach 1:57,04 Minuten an. Bronze sicherte sich der Brite Max Litchfield in 1:57,96 Minuten.

"80 Prozent ist der Kopf"

Heintz' Ansprüche sind über die Jahre gewachsen. Schon bei Olympia war er mit dem fünften Platz unzufrieden, auch die letzte WM in Budapest war mit Platz sieben eine Enttäuschung für den Lagenschwimmer. "Vielleicht muss ich schon im Vorlauf max schwimmen, um mir mehr Selbstvertrauen zu holen", sagte Heintz in einer ersten Analyse und deutete an, dass er derzeit im Wettkampf mentale Probleme habe. "Schmett war super entspannt, Rücken auch, aber trotzdem haben mir danach die Körner gefehlt. Ich habe mich voll ausbelastet, das war alles was ich konnte. Aber 80 Prozent ist halt der Kopf und 20 Prozent der Körper. Ich konnte also gar keine 100 Prozent geben."

Er müsse lernen, den Schalter umzulegen, denn er sei "nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte", führte Heintz weiter aus. Mit Blick auf Tokio konnte er der Situation aber auch etwas Positives abgewinnen. "Vielleicht ist es gar nicht so blöd, dass mir das hier passiert ist. Weil ich auch mit Blick auf Tokio einer bin, bei dem die Leute sagen könnte, der Philip könnte eine Medaille holen. Vielleicht sogar die Goldmedaille. Da übe ich doch lieber bei der EM in dieser Situation zu sein."

Hentke ohne Medaille

Während Heintz immerhin Silber rettete, ging die zweite deutsche Medaillenhoffnung des Abends leer aus. Franziska Hentke wurde über 200 Meter Schmetterling in 2:07,75 Minuten Vierte. "Mit der Zeit bin ich unzufriedener als über die Platzierung", sagte die Vize-Weltmeisterin aus Magdeburg, deren Bestzeit bei 2:05,26 Minuten liegt. Gold gewann überraschend Boglarka Kapas aus Ungarn in 2:07,13 Minuten vor der Russin Svetlana Chimrova (2:07,33 min). Die Weltranglisten-Erste Alys Thomas aus Großbritannien holte Bronze in 2:07,42 Minuten.