Ein Marathon in der Weser

51 schwimmverrückte Frauen und Männer gingen beim dritten (und vermutlich letzten) Wesermarathon an den Start. Der Schnellste benötigte nur 5:30 Stunden für die 42 Kilometer. Doch nicht alle kamen ins Ziel.

| 3. September 2018 | AKTUELL

Der Nebel am Morgen kann die Aussicht nicht trüben: 42 Kilometer haben die Schwimmerinnen und Schwimmer vor sich.

Der Nebel am Morgen kann die Aussicht nicht trüben: 42 Kilometer haben die Schwimmerinnen und Schwimmer vor sich.

Foto >Martin Tschepe

Sind wir denn alle bekloppt?

„Das war das Bekloppteste, was ich jemals gemacht habe“, sagt Florian Battermann aus Hannover, als er nach 7:43 Stunden in Minden aus dem Weser steigt. Der Mann, Jahrgang 1974, kann sich kaum auf den Beinen halten. Aber er strahlt, ist zufrieden, dass er durchgehalten hat.

Rund acht Stunden vorher. 51 Schwimmerinnen und Schwimmer stehen an diesem Samstagmorgen Anfang September am Rande eines kleinen Sees, der in die Weser mündet. Die Ausdauersportler bereiten sich vor auf den Start des 3. Weserschwimmens, das Marcus Reineke, seine Frau Steffi und ein paar Helfer auf die Beine gestellt haben. Reineke betreibt eine Schwimmschule in Rinteln. Keine Frage: Eigentlich wollte auch er mitschwimmen von Rinteln bis nach Minden, rund 42 Kilometer weit. Aber Marcus - hier sind alle per Du - hat sich kürzlich an der linken Schulter operieren lassen müssen. Er kann also nicht mitkraulen, muss zuschauen wie die Teilnehmer an diesem nebelig-mystischen Morgen ins Wasser steigen und auf das Kommando warten. Drei, zwei, eins - und ab geht die Post.

Ei freundlicher Helfer der DLRG hilft beim Ausstieg am Ende des Marathons.

Ei freundlicher Helfer der DLRG hilft beim Ausstieg am Ende des Marathons.

Foto >Martin Tschepe

Schwimmen mit Rückenwind

Die Weser hat rund 20 Grad, angenehme Bedingungen. Neoprenanzüge sind zugelassen, aber kein Muss. Die Orientierung in dieser Nebelsuppe fällt zunächst nicht ganz leicht. Aber das DLRG-Boot, das wir umschwimmen müssen, ist zumindest zu erahnen. Nach ein paar hundert Metern sind die Schwimmer auch schon in der Weser, die mit etwa drei bis dreieinhalb Kilometern pro Stunde Richtung Nordsee fließt. Die Schwimmer haben also ordentlich Rückenwind, aber deutlich weniger als 2017. Später im Ziel werden die Wiederholungstäter erzählen, dass sie im Vorjahr etwa 50 Minuten schneller gewesen seien.

Ein paar Spitzenschwimmer sind bald auf und davon, für viele andere längst außer Sichtweite. Aber bei diesem irren Rennen schaut eh jede und jeder fast ausschließlich auf sich. 42 Kilometer weit kraulen - das ist reine Kopfsache. Man sagt sich: heute stehen 42 Kilometer an, also schwimme ich halt 42 Kilometer weit. Nicht 32 und auch nicht 43.  

Alle Sportler sind offenkundig ganz gut trainiert. Viele haben aber noch nie so eine lange Strecke im Freiwasser bewältigt. Nicole Kurnap aus Paderborn zum Beispiel. Sie ist eben noch einigermaßen beeindruckt am Ufer gestanden und hatte ordentlich Respekt vor der anstehenden Aufgabe. Mittlerweile krault Nicole irgendwo am Ende des Felds.