Kraulen im Klosterweiher

Seensucht ist ein Langzeitprojekt unsers Autors. Er hat während eines Sabbathalbjahres die zehn größten Seen in Deutschland gequert. In loser Folge die nächsten. See Nummer 13: der kleine Klosterweiher in St Georgen.

| 18. April 2018 | AKTUELL

Foto >Martin Tschepe

Zig mal vorbei gefahren, mit dem Auto und mit dem Fahrrad. Nie hab ich den kleinen Klosterweiher am Stadtrand von St Georgen im Schwarzwald zur Kenntnis genommen. Wie konnte mir das nur passieren. Nun, ist schon länger her, der letzte Besuch in dem Städtchen im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Diesmal ist es anders. Das Schild springt ins Auge: Seehaus, Naturschwimmbad, Bootsverleih. Naturschwimmbad! Da muss ich hin, da muss ich rein!

Foto >Martin Tschepe

Das Auto geparkt, die Schwimmsachen geschnappt, die liegen ja immer griffbereit auf der Rückbank. Und ans Ufer. Das Naturschwimmbad hat noch geschlossen. Egal. Nur ein Teil des Ufers ist abgesperrt, für die zahlenden Gäste, die im Sommer kommen. Ein Weg führt um den etwa drei Hektar großen See herum. Auf einem Podest - eigentlich für Angler? - umziehen und dann hinein ins Vergnügen. Das Wasser hat gut 13 Grad. Saukalt, sagt eine Spaziergängerin. Und erzählt von ihren Neffen, der vor fast genau einem Jahr im Seehaus seine Konfirmation gefeiert hat - und spontan beschlossen hatte, baden zu gehen im kühlen Klosterweiher. 13 Grad - das ist wohl unangenehm für Otto-Normal-Schwimmen, für Eisschwimmer, die eben aus der Wintersaison kommen, indes herrlich warm.

Hier lässt's sich aushalten

Ich schwimme ein paar Runden im Weiher. Mal flott, mal ganz gemütlich. Die Kulisse ist durchaus beeindruckend. Mit St. Georgen und ungezählte Tannen im Blick. Die Frühlingssonne lacht vom Himmel. Einige Ausflügler spazieren am Ufer, beobachten den einsamen Krauler.

Wenn ich in St Georgen wohnen würde, dann … wäre ich womöglich jeden Tag zum Training im See - außer im tiefsten Winter, denn dann dürfte die maximal gut drei Meter tiefe Wasserfläche komplett zufrieren. Baden und Schwimmen ist aber offenkundig immer erlaubt, wie schön. Schilder am Ufer warnen lediglich davor, in den See zu springen - er ist am Ufer nämlich nur ein paar Zentimeter tief. Außerdem heißt es auf einem Schild: betreten der Eisfläche verboten.

Reichlich Fisch

Der Klosterweiher diente übrigens über Jahrhunderte als Wasserspeicher für den Antrieb der Klostermühle und der Klostersäge. Sowie als Zuchtsee für die Mönche des Benediktinerklosters, sie fingen regelmäßig Fische im Weiher. Der naturbelassene See liegt auf rund 810 Höhenmetern. Und das Seewasser schmeckt prima. Der Fischbestand ist üppig: Forelle, Neunauge, Zander, Schleie, Döbel, Rotauge, Rotfeder, Stichling, Karpfen.

Foto >Martin Tschepe

Das Strandbad wird gewöhnlich Anfang Juni eröffnet. Dann tummeln sich bei warmen Wetter mitunter hunderte oder gar tausende Badegäste im See. Die Eintrittspreise sind human: 1,80 Euro für Erwachsene. Aber man kann ja am gegenüber liegenden Ufer für umme schwimmen - kostenfrei, aber keinesfalls umsonst, denn schwimmen loht sich ja bekanntlich immer - zumal unter freiem Himmel im schönen Schwarzwald.               

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimm-Abenteuern. Mit seinen Projekten sammelt er Spenden für ein Behinderten-Schwimmprojekt. Infos auf www.bahn9.de