Königliche Wettkämpfe im Chiemsee

Beim 2. Eiskönig im Chiemsee haben die Schwimmer coole Zeiten ins vier Grad kalte Wasser gezaubert. Die Eiskönigin und der Eiskönig wurden gekürt. Und die Zuschauer durften Platz nehmen im Pool of Pain.

| 30. Januar 2018 | AKTUELL

Eisschwimmen mit Alpenpanorama.

Eisschwimmen mit Alpenpanorama.

Foto >Martin Tschepe

Was für eine grandiose Atmosphäre. Schwimmen mit Bergblick! Beim 2. Eiskönig im Chiemsee zeigen ein paar der besten Eisschwimmer Deutschlands und einige Novizen im vier Grad kalten Chiemseewasser was sie drauf haben. Für die Ersttäter sind die 50 Meter im Strandbad in Prien eine echte Herausforderung. Sie schlottern schon vor dem Start - aus lauter Schiss. Und nach dem Schwimmen - wegen der Kälte. Die Könner kraulen deutlich längere Strecken. Für eine der besten Leistungen beim Eiskönig sorgt Ines Hahn. Die Schwimmerin vom Verein Serwus Burghausen legt den Kilometer in 13:19 Minuten zurück. Eine Weltklassezeit.

Eiskönigin wird Ines Hahn trotzdem nicht. Jochen Aumüller vom  Veranstalter TSV Bernau sagt: „Wir wollten auch mal die Schwimmer auszeichnen, die nicht gewinnen und nicht als letzte ankommen“. Gewürdigt würden sonst immer die Schnellsten und mitunter noch jene, die am längsten im eiskalten Wasser aushalten (müssen). Eiskönig und Eiskönigin werden in Prien die Athleten, die den durchschnittlich über die 200 und die 50 Meter Freistil geschwommenen Zeiten am nahesten kommen. Eiskönig wird deshalb Josef Köberl aus Österreich, Eiskönigin wird Yvonne Simon vom SV Gladbeck. Bierernst geht es hier nicht zu, jedenfalls nicht immer. Sehr schön.

Schon früher ein Wettkampfbecken

Das alte Strandbad in Prien ist ein perfekter Ort fürs Eisschwimmen, das sagen fast alle Teilnehmer. Die Strecke zwischen den zwei Stegen, die in den See hinaus führen, ist genau 50 Meter lang. Einst diente dieses Seebad als Wettkampfbecken – lang, lang ist‘s her. In den 1950er und 1960er-Jahren seien hier regelmäßig Wettbewerbe ausgetragen worden, erzählt der Bäderleiter am Rande der Veranstaltung.

Seit vorigem Jahr knüpft der TSV Bernau an diese Tradition an. Wettkampfleinen verwandeln den Anschnitt des Chiemsees für diesen einen Tag Ende Januar in das coolste Freibad Deutschlands. Die Schwimmer können bei jedem Zug die Herreninsel sehen - und später, als die Sonne gelegentlich hinter den Wolken vorlugt, sind über der Insel die mit Schnee bedeckten Gipfel der Alpen zu erspähen. Was für eine sensationelle Kulisse! Traumhaft.

Autor Martin Tschepe schwimmt im Chiemsee die 1.000 Meter.

Autor Martin Tschepe schwimmt im Chiemsee die 1.000 Meter.

Foto >Martin Tschepe

Nur Sekunden im "Pool of Pain"

Die Zuschauer haben die Möglichkeit, sich ein klein bisschen hineinzuversetzen in die Schwimmer: Im Pool of Pain stehen ein paar Stühle - bitte Platz nehmen, aber mit den nackigen Füßen im Eiswasser. Die drei jungen Männer, die den Pool of Pain eben testen, halten es nur ein paar Sekunden lang aus im Eiswasser. Es sei ihm vollkommen unverständlich, wie man länger in diesem Chiemseewasser  schwimmen könne, sagt einer der Männer.

Nebenan auf der Startbrücke machen sich alle paar Minuten die Schwimmer bereit. Das Kommando lautet: „Zieht Eure Kleider aus, steigt ins Wasser“, alles auf breitestem Bayerisch - und dann geht’s los. Außer Ines Hahn zaubert Tobias Wybierek (Servus Burghausen) die schnellsten Zeiten ins Eiswasser. Er schwimmt die 50 Meter Delfin in 29,6 Sekunden und die 50 Meter Freistil in 27,6 Sekunden! Natürlich ist auch er nur bekleidet mit einer Badehose und einer Badekappe!

Bier für die Besten

Für das Aufwärmen haben die Sportler verschiedene Rezepte. Manche steigen unmittelbar nach dem Schwimmen in einen Bottich mit heißen Wasser, andere gehen sofort in die Sauna mit Seeblick. Ärzte empfehlen indes, dass sich die Eisschwimmer zunächst abtrocknen, warm anziehen - und sich erstmal ein bisschen warm zittern.

Später bekommen die Gewinner der Staffelwettbewerbe jeder eine Magnum-Flasche mit bayerischem Bier. Na dann: prosit die Damen und Herren. Und bis zum nächsten Eiskönig im Januar 2019. Fast alle Teilnehmer sagen, dass sie unbedingt wieder kommen wollen zu diesem coolen Eisschwimmen im Süden der Republik.

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Beim Eiskönig gelang ihm über 1.000 Meter die schnellste Zeit aller Männer.