14 Kilometer im Amazonas des Nordens

Der WakenitzMan gehört zu den coolsten Wettbewerben überhaupt. Die Schwimmer kraulen 14 Kilometer weit durch ein idyllisch dahinfließendes Flüsschen bei Lübeck.

| 26. August 2019 | AKTUELL

Naturparadies Wakenitz: 14 Kilometer ist die Gesamtstrecke lang.

Naturparadies Wakenitz: 14 Kilometer ist die Gesamtstrecke lang.

Foto >Fania Tschepe

Ein grandioses Abenteuer

Was für eine grandiose Kulisse. Egal auf welche Seite ich atme: rechts wie links üppig wachsende Büsche und Bäume. Und auch beim Blick unter Wasser: alles grün. Die Wakenitz ist glasklar, auf den ersten von insgesamt 14 Kilometern jedenfalls. Später wird sich die Szenerie indes ändern.

Eben ist in Rothenhusen - am nördlichen Ende des Ratzeburger Sees - der Startschuss für den Wakenitzman gefallen. Und ich bin mitten drin im Trubel, schwimme nach ein paar Minuten sogar in der Spitzengruppe mit. Maximal eine Handvoll Schwimmer sind vor mir - und ebenso viele Kanus. Jeder Schwimmer hat nämlich ganz für sich allein ein Begleitboot. Die Einzelstarter sind bereits vor einer Viertelstunde auf den langen Weg nach Lübeck geschickt worden. Jetzt also die Zweier- und Vierer-Staffeln.

Das Feld zieht sich nach dem Start schnell in die Länge.

Das Feld zieht sich nach dem Start schnell in die Länge.

Foto >Fania Tschepe

Ich schwimme mit Plan B im Kopf

Zu meinem Startplatz bin ich gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde. Der Wakenitzman stand seit Jahren auf meiner ganz persönlichen To-do-Liste. Aber die Startplätze sind ja immer so schnell weg … Erst vor ein paar Tagen kam die Mail von André: „Suche jemanden, der mich beim Wakenitzman vertritt.“ André Hook ist einer der besten Swimrunner Deutschlands. Er hatte sich von seinem Sportsfreund Lars Krieger zu einer Staffel überreden lassen, nur eine Woche vor der Swimrun-WM in Schweden - und dann hat er Bedenken bekommen. So kurz vor dem Saisonhöhepunkt soweit kraulen? Lieber doch nicht. Ich habe spontan zugesagt und bin nach Schleswig-Holstein gefahren. Am Abend vorher habe ich Lars kennengelernt, meinen Staffel-Schwimmpartner, den Organisator des Insel-Swimruns, der Mitte September in Ratzeburg stattfindet.

Jetzt also kraule ich schnell, aber nicht zu schnell durch die Wakenitz. Grandios. Auf meinem Programm stehen sieben Kilometer. Ziemlich genau in der Mitte der Strecke wartet Lars. Ich habe aber einen Alternativplan im Kopf: Die zweiten sieben Kilometer werde ich Lars womöglich begleiten - die Veranstalter habe ich kurz vor dem Start eigeweiht. Die Antwort war erfreulich: Hier dürfe jeder machen, was er wolle. Nur in die Einzelwertung werde ich halt nicht kommen. Also abwarten, wie sich meine Arme nach sieben flott geschwommen Kilometern anfühlen und dann spontan entscheiden.

Bei so schönem Wetter treibt es nicht nur die Schwimmer in die Wakenitz.

Bei so schönem Wetter treibt es nicht nur die Schwimmer in die Wakenitz.

Foto >Fania Tschepe

Im Slalom durch die Einzelschwimmer

Mittlerweile sind wir seit gut einer Stunde im Wasser - und überholen bereits die ersten Einzelstarter. Cool. Mitunter muss ich ein bisschen Slalom schwimmen - vorbei an den Kanus der anderen. Im meinem Begleitboot sitzen André und meine Tochter Fania. Die beiden versorgen mich gelegentlich mit Cola - einmal nehme ich einen Energy-Riegel. Ich habe am Abend vorher bei Lars ordentlich Pasta gegessen und am Morgen dann Müsli und Brot - bin also gut versorgt.

Martin Tschepe ist Redakteur der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer vom SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtete er regelmäßig von seinem Schwimmabenteuern.