Wieder über 500 Todesfälle durch Ertrinken

Im vergangenen Jahr sind mindestens 504 Menschen in Deutschland ertrunken. Die Gründe für die Entwicklung der letzten Jahre sind vielfältig.

| 25. März 2019 | AKTUELL

Mit dem Boot können die Rettungsschwimmer schnell zu der verunglückten Person gelangen und sie aus dem Wasser ziehen. (Archivbild)

Mit dem Boot können die Rettungsschwimmer schnell zu der verunglückten Person gelangen und sie aus dem Wasser ziehen. (Archivbild)

Foto >DLRG

Im Jahr 2018 sind in Deutschland mindestens 504 Menschen ertrunken, dies vermeldete die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft in ihrer jährlichen Ertrinkungsstatistik. Die meisten Unglücke ereigneten sich an ungesicherten Binnengewässern, dort verloren etwa 86 Prozent der Opfer ihr Leben. An den deutschen Nord- und Ostseeküsten verstarben 25 Personen, in Schwimmbädern kam es zu 29 Ertrinkungstoden. Besonders gefährdet sind ältere Personen sowie Kinder im Grund- und Vorschulalter.

Über die letzten 15 Jahre zeigt sich eine unbeständige Entwicklung. Nach dem Sommer 2006, in dem auffallend viele Menschen ertranken, nahmen die Opferzahlen bis 2012 (383 Tote) kontinuierlich ab. Unterbrochen von einem Tief 2014 stiegen die jährlichen Opferzahlen anschließend jedoch wieder an und lagen 2016 erstmals seit zehn Jahren wieder über 500.

"Für eine moderne, hoch entwickelte Gesellschaft ist diese Bilanz nicht akzeptabel", sagte DLRG-Präsidenten Achim Haag damals. Das Problem sah er vor allem bei unbewachten Badezonen. "Es zahlt sich aus, dass in fast allen Badeorten an den Küsten unsere Rettungsschwimmer für mehr Sicherheit im und am Wasser sorgen", so Haag. Mit vermehrter Absicherung der Binnengewässer könnten weitere Unglücke verhindert werden. "Die DLRG könnte mit Gefahrenexpertisen und Rettungsschwimmern viele Gefahrenstellen entschärfen", meinte der DLRG-Präsident. Verbotsschilder würden dagegen die wenigsten davon abhalten ins Wasser zu gehen.

„Rettet die Bäder!“

In 2017 wurde ein Rückgang von über 100 Toten verzeichnet, doch die Anzahl der ertrunkenen Personen im Jahr 2018 lag, wie oben bereits benannt, erneut über 500. Diese negative Entwicklung bringt Haag mit der zurückgehenden Schwimmfähigkeit und den anhaltenden Bäderschließungen in Verbindung. Nach Angaben der FAZ wurde seit 2000 jedes zehnte Schwimmbad in Deutschland geschlossen. Dadurch haben Schulen oft keine Möglichkeit mehr, im Sportunterricht Schwimmen zu gehen und die Wartelisten für Schwimmkurse werden immer länger.

Knapp 60 Prozent der Kinder in Deutschland sind laut DLRG keine sicheren Schwimmer. Als solcher gilt, wer das Jugendschwimmabzeichen in Bronze (ehemals Freischwimmer) bestanden hat. Schon seit mehreren Jahren versucht die DLRG auf die sich immer weiter verschlechternden Rahmenbedingungen für Schwimmausbildungen aufmerksam zu machen. "Wir müssen Bäder erhalten, Bäder bauen und nicht wegrationalisieren", kritisiert Haag. Um diesem Problem entgegenzuwirken startete die DLRG im Oktober 2018 eine Petition unter dem Titel "Rettet die Bäder!". 70.000 Menschen haben diese bisher unterzeichnet.

Auch die hohe Zahl Geflüchteter, die in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, hat Auswirkungen auf die ansteigenden Ertrinkungsfälle. Viele Ankömmlinge haben nie richtig schwimmen gelernt. Eine Maßnahme hat die DLRG in diesem Fall getroffen. Sie hat die Baderegeln in über 25 Sprachen übersetzt und mit Piktogrammen veranschaulicht.

Ertrinkungszahlen wetterabhängig

Den größten Effekt auf die Ertrinkungsstatistik hat allerdings das Wetter. Je heißer und länger der Sommer, desto mehr Menschen verunglücken im Wasser. So waren die Jahre von 2007 bis einschließlich 2012 sowie 2014 allesamt von einem feuchteren, kühleren Sommer gezeichnet, wodurch zurückgehende Zahlen verzeichnet werden konnten. "Der Wettergott hat uns in die Karten gespielt", so der DLRG-Präsident. Die Spitzen 2006, 2013 bis 2015 und das vergangene Jahr 2018 waren hingegen alle von einem heißen, langen Sommer geprägt, der viele Menschen zum Baden an Seen, Flüssen, Schwimmbädern oder am Meer zog und dementsprechend mehr Ertrinkungsopfer forderte.

Was tun gegen Ertrinken?

Um jedoch nicht jeden Sommertag mit warmen Temperaturen aufgrund steigender Ertrinkungsgefahr zu verfluchen, sollten Maßnahmen zur Vermeidung von Ertrinkungsunfällen getroffen werden. Vor allem junge Männer neigen dazu, ihr Können zu überschätzen, besonders, wenn sie unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen. In alkoholisiertem Zustand oder auf Drogen sollte niemand ins Wasser gehen. Um Kreislaufprobleme vorzubeugen, sollte man nach einem Sonnenbad nicht ins Wasser springen, ohne sich vorher abzukühlen. Am besten gibt man seinem Körper Zeit, sich an das kühlere Wasser zu gewöhnen und geht langsam hinein. Kinder sollte man nie unbeaufsichtigt im oder am Wasser spielen lassen, aber auch Erwachsene oder gute Schwimmer sollten nicht alleine baden gehen.

Wie erkennt man Ertrinkende?

Ertrinken geschieht normalerweise nicht so wie im Film. Die meisten Menschen ertrinken lautlos, ohne um Hilfe zu schreien oder mit den Armen zu rudern. Da der Kopf meist unter Wasser ist, brauchen sie die Momente, in denen der Mund die Wasseroberfläche durchbricht, um Luft zu holen und die Arme sind meist zu erschöpft, um durch Winken auf sich aufmerksam zu machen. Stattdessen steht ein Ertrinkender eher aufrecht im Wasser, versucht dies weg zu treten oder sich irgendwo festzuhalten. Durch hektische Bewegungen wird das Wasser um sie herum aufgewirbelt. Ertrinkende reagieren meist nicht auf Zurufe.

Wie kann ich helfen?

Der erste Schritt sollte immer sein, den Notruf (112) zu wählen. Schwimmenden Gegenstände wie ein Rettungsring, eine aufblasbare Luftmatratze, ein Brett oder ähnliches können dem Ertrinkenden zugeworfen werden, damit er sich daran festhalten kann. Selbst ins Wasser zu springen, ist oft gefährlich. Denn Menschen werden im Wasser schnell panisch, umklammern ihren Retter und ziehen ihn sogar unter Wasser, sodass beide in Gefahr geraten. Im Zweifel sollte deshalb auf die ausgebildeten Rettungsschwimmer gewartet werden, die wissen, wie sie in solchen Situationen vorgehen. Wenn der Verunglückte aus dem Wasser geborgen werden konnte, sollten Maßnahmen der Ersten Hilfe (wie stabile Seitenlage oder gegebenenfalls sogar eine Herz-Lungen-Wiederbelebung) durchgeführt werden. Je nachdem wie lang jemand unter Wasser war und wie kalt das Wasser ist, kann der Verunglückte stark unterkühlt sein, weshalb er mit Decken und ähnlichem gewärmt werden sollte.

Kräfte sparen mit "Toter Mann"

Wer selbst in Gefahr gerät, sollte versuchen, ruhig zu bleiben und unnötige Anstrengungen vermeiden. Durch Seitenschwimmen oder Treiben auf dem Wasser wie beim "Toten Mann" kann Kraft gespart werden. Da es aber trotzdem nach einiger Zeit schwerfällt, sich alleine über Wasser zu halten, sollte nach Gegenständen Ausschau gehalten werden, um sich festzuhalten. Dies kann eine Fischerboje oder jeder andere im Wasser treibende Gegenstände sein. Wird man von Krämpfen geplagt, sollte man versuchen, sie durch Gegendehnen des entsprechenden Muskels zu lösen.

Um gar nicht erst in solche Situationen zu geraten, gilt generell, sich an die Baderegeln zu halten.