Eisschwimmen für jedermann (und den guten Zweck)

In der Adventszeit findet in Erbstetten bei Stuttgart ein Benefiz-Eisschwimmen statt, jede geschwommene Bahn soll Geld in die Kasse spülen. Auch Novizen sind willkommen.

| 9. November 2017 | AKTUELL

Der Auto vor dem kleinen Freibad in Erbstetten.

Der Auto vor dem kleinen Freibad in Erbstetten.

Foto >Martin Tschepe

Wie die Jungfrau zum Kinde - so bin ich zu dieser Aktion gekommen, die am Sonntag, 10. Dezember, gegen 11.30 Uhr im Eiswasser im Freibad in Erbstetten in der Nähe von Stuttgart beginnt. Das Wasser dürfte deutlich kälter sein als zehn Grad und grün-bräunlich schimmern. Das Quellwasser läuft zwar permanent auf der einen Seite in das Becken rein - und auf der anderen Seite wieder raus, es wird im Winter aber nicht gefiltert.

Eigentlich ist das kleine, etwa 70 Jahre alte Bad im Winter freilich geschlossen. An diesem zweiten Sonntag im Dezember indes steigt ein Benefiz-Schwimmen. Sponsoren bezahlen für jede absolvierte 33-Meter-Bahn einen Betrag X - wieviel genau, das steht noch nicht fest. Mit der Aktion soll möglichst viel Kohle zusammen kommen, denn das Freibad muss dringend saniert werden. Und die knapp 4.000 Einwohner zählende Gemeinde Burgstetten, zu der Erbstetten gehört, ist finanziell klamm.

70 Jahre ist das Freibad alt.

70 Jahre ist das Freibad alt.

Foto >Martin Tschepe

Im Sommer war ich für die Stuttgarter Zeitung bei einem Pressegespräch im Freibad, die Kommune und ein Förderverein hatten eingeladen, berichteten, was alles erneuert werden muss - kurz gesagt: fast alles. Die Generalsanierung dürfte grob geschätzt 1,7 Millionen Euro kosten. Die Frau Bürgermeisterin sagte, sie setze auf Zuschüsse des Landes und auf möglichst viele Aktionen, bei denen Geld zusammenkommt. Dann hatte der Redakteurskollege der Lokalzeitung seinen Auftritt, erklärte feixend mit Blick zu mir: „Du bist doch Deutschen Meister im Eischwimmen, mach doch ein Benefiz-Einschwimmen.“ Ich antwortete, dass ich nicht Meister sei, sondern Vizemeister - kam aus der Nummer aber trotzdem nicht mehr raus.

Dabei sein ist alles

Die Frau Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz und die Damen vom Förderverein haben sofort Nägel mit Köpfen gemacht. Und ich habe halt zugestimmt. Ok, wir machen ein Benefiz-Eisschwimmen in der Adventszeit. Es soll indes kein Wettbewerb werden, bei dem alle möglichst schnell schwimmen - wobei schnell schwimmen auch nicht verboten wird. Das Motto: dabei sein (im Eiswasser) ist alles. 

Ein paar meiner Eisschwimm-Kumpels haben spontan zugesagt. Sie machen mit. Der Günter vom SV Ludwigsburg zum Beispiel und der Ralf von der Gruppe Ice Swimmer Breitender See. Wir werden allen Schaulustigen also ein paar Bahnen vorschwimmen - vielleicht sogar 1.000 Meter. Das wäre dann eine schöne Trainingseinheit für die German Open im Eisschwimmen, die Anfang Januar im Veitsbad in Veitsbronn bei Fürth stattfinden.

Eingeladen nach Erbstetten sind auch Novizen, die sich erstmals ins eiskalte Wasser wagen wollen. Ein paar unverfrorene Erbstettener haben sich offenbar schon im Rathaus gemeldet. Wir geben ihnen Tipps. Und hoffen auf eine Wassertemperatur unter fünf Grad. Fünf Grad, das ist die magische Grenze - bei Wettbewerben zählen die Rekorde nämlich nur, wenn das Wasser maximal 4,9 Grad hat. Vier Grad, fünf Grad, sechs Grad oder auch acht - das ist doch alles nur saumäßig kalt, sagen mache. Stimmt nicht, sagen routinierte Eisschwimmer. Vier Grad, das ist gefühlt doppelt so kalt wie acht Grad. Bei den German Open im Januar dieses Jahres in Burghausen hatte das Wasser im Wöhrsee nur gut zwei Grad. Das war nochmal doppelt so kalt wie vier Grad.

Schwimmen in Badehose

Wer mitschwimmen will, der darf nur eine Badehose (oder einen Badeanzug) sowie eine Bademütze und eine Schwimmbrille tragen - das sind die harten Regeln für alle eisenharten Damen und Herren Eisschwimmer. Einschmieren mit Fett ist übrigens auch tabu. Wobei wir womöglich in Erbstetten eine Ausnahme machen werden - dieses Schwimmen ist ja kein Wettrennen, wer mit Neoprenanzug ins Becken steigt, der wird nicht hinaus geworfen, aber eventuell ein bisschen belächelt.

Jeder Schwimmer bekommt eine heiße Kartoffelsuppe und ein Getränk, eine Tasse Tee oder auch ein Bier. Je nach Belieben. Das haben uns die Veranstalter vom Förderverein versprochen. Es lohnt sich also mitzuschwimmen. In diesem Sinne: bis bald in Burgstetten.

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Er schreibt gelegentlich für swim.de.