Bei Wellengang nach Rottnest Island

Die World Open Water Swimming Association zählt das Rottnest Channel Swim zu den Top Ten der besten Freiwasserschwimmen. Der Berliner Oliver Kusch hat dieses Jahr teilgenommen.

| 7. März 2019 | AKTUELL

Oliver Kusch auf dem Weg nach Rottnest Island.

Oliver Kusch auf dem Weg nach Rottnest Island.

Foto >Oliver Kusch

von Oliver Kusch

Das Rottnest Channel Swim ist in Australien seit vielen Jahrzehnten ein absoluter Klassiker für Schwimmer, die sich den Kampf im offenen Meer stellen. Ich hatte mich im Oktober 2018 angemeldet und auch entsprechend lange Einheiten über zehn bis zwölf Kilometer ohne Pause in der Schwimmhalle trainiert. Aber es ist natürlich riesiger Unterschied zum Beckenschwimmen. Es hängt sehr viel vom Wind, von der Strömung und vom Wellengang ab.

Wir hatten Glück mit dem Wind, denn es waren nur etwa vier bis sechs Knoten. Allerdings drückte uns die Strömung ein wenig von der Insel weg. Wir starteten vom Strand in Cottesloe in Perth. Das Ziel dieses Schwimmens ist die 20 Kilometer entfernte Insel Rottnest Island. Die Begleitung durch ein Kajak und ein Motorboot ist Pflicht für jeden Schwimmer. Das Boot gibt den Kurs vor und der Paddler richtet sich danach. Ich probiere stets neben dem Kajak zu schwimmen.

Die Begleitkajaks vor dem Start.

Die Begleitkajaks vor dem Start.

Foto >Oliver Kusch

Hilfe gegen Seekrankheit

Nach dem Start hatten wir Schwimmer 500 Meter zur Verfügung, um den zugehörigen Paddler zu finden und weitere 1.000 Meter, um gemeinsam das Motorboot zu finden. Bei 75 Teilnehmern pro Startwelle klingt das leichter als es ist. Die deutsche Fahne am Kajak und am Boot war eine große Hilfe.

Die ersten zehn Kilometer waren vom Wellengang schon recht heftig. Zum Glück hatte ich schon vor dem Start die erste Tablette gegen Seekrankheit genommen. Alle zwei Stunden kam eine weitere hinzu. Dazwischen nahm ich immer wieder Energiegels und Wasser zu mir.

Am schlimmsten war es etwa zwischen Kilometer 12 und 15, denn ich konnte Rottnest Island in der Ferne sehen, hatte aber nicht das Gefühl näher zu kommen. Bei Kilometer 17 trank ich fast einen halben Liter Cola ohne Kohlensäure. Das gab mir einen Schub für die letzten Kilometer. Nach 5 Stunden und 44 Minuten erreichte ich das Ziel als 37. und bester Nicht-Australier von insgesamt 310 Solo-Schwimmern.

Oliver Kusch im Ziel.

Oliver Kusch im Ziel.

Foto >Oliver Kusch

Gefroren und gezittert

Eine Wiederholung kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Zwar hört sich eine Wassertemperatur von 22 Grad recht ordentlich an, über den langen Zeitraum wurde es aber doch ziemlich kalt. Zwischendurch habe ich sehr gefroren und gezittert, wodurch auch die Nahrungsaufnahme erschwert wurde. Als Preis für das erfolgreiche Soloschwimmen erhielt jeder Teilnehmer es eine tolle Fleecejacke, ein langes T-Shirt, ein Handtuch und einen wasserdichten Rucksack. Die Medaille war bereits bei Übergabe im Ziel mit meinem Namen graviert. Alles in allem war es wirklich gut organisierte Veranstaltung.