Warum Schwimmer Schriftsteller werden sollten

Ganz gleich auf welchem Leistungsniveau sie trainieren, eins ist allen leistungsorientierten Sportlern gemein: Die Kommunikation zwischen Körper und Geist sollte harmonisch abgestimmt sein. Nur dann lassen sich persönliche Grenzen verschieben.

| 19. Januar 2017 | TRAINING

Motivation | Der Weg zur Bestzeit führt auch über die Motivation.

Der Weg zur Bestzeit führt auch über die Motivation.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Triathlet Jan Frodeno hat es vor kurzem in einem Interview auf den Punkt gebracht. Der Olympiasieger sagt, dass die mentale Bereitschaft für Höchstleistungen strategisch entwickelt werden muss. Und noch eins fügt er hinzu. Die mentale Einstellung verändert sich nicht über Nacht, sondern muss erarbeitet werden. Erst dann entsteht die Lockerheit, die den großen Champions nachgesagt wird und die man fast einfangen kann, wenn beispielsweise Michael Phelps siegessicher auf die Startbrücke marschiert oder Usain Bolt hinterm Startblock Faxen macht. Hinter dieser Lockerheit steckt harte Arbeit.

Gibt es den geborenen Champion?

Was sich zunächst als eher wenig gute Nachricht darstellt, entpuppt sich schnell als große Chance für jeden Sportler, der nach der Verschiebung seiner persönlichen Grenzen trachtet. Und das sind Sie sicher auch, liebe Leser. Also lassen Sie uns gemeinsam auf die Suche nach den Chancen gehen.

Mittlerweile hat die Wissenschaft und Forschung mehrfach unter Beweis gestellt, wie stark die körperliche Leistung von der mentalen Bereitschaft zur Höchstleistung abhängig ist. Bekannt wurde diese Erkenntnis vor allem durch die Veröffentlichungen des Wissenschaftlers und Physiologen Tim Noakes im Jahre 1997, als er unter dem Titel der Central-Governor-Theorie diese Zusammenhänge beschreibt. Diese Aspekte können auch nützlich sein, wenn Sie zum ersten Mal einen Freiwasser-Wettkampf bestreiten, die Qualifikation zu einer Mastersmeisterschaft erreichen wollen oder Hochleistungssportler im Endlauf einer Deutschen Meisterschaft stehen. Ihr Ziel ist es schließlich, persönliche Grenzen zu verschieben.

Der nächste Schritt

Wissenschaftler behaupten gar mittlerweile, dass die Hälfte aller entstehenden Muskelkrämpfe mental gesteuert ist! Wenn das so ist, stimmt doch offensichtlich die Kommunikation zwischen Körper und Geist nicht immer. Das Loslassen, sagen viele Psychologen, könne die Lösung des Problems sein. Haben Sie Ihr Ziel definiert, gehe es vor allem darum, den Prozess, der für die Realisierung des Projekts notwendig ist, in den Vordergrund zu stellen. Im Rahmen von Motivationstrainings wird deshalb die Achtsamkeit betont. Achten Sie auf den Weg und versteifen Sie sich nicht auf das Ziel, lautet die Botschaft. Sie können es nämlich nur dann erreichen, wenn Sie darauf achten, wohin Ihr nächster Schritt Sie führt. Also step by step!

Klingt alles sehr einfach, ist es in der Sportler-Realität aber häufig gar nicht. Schließlich „will ich ja etwas erreichen“ und „muss das Ziel immer vor Augen haben!“. Versuchen Sie es mit einem Trick, der Ihnen vielleicht auch bei manchen einfachen Tätigkeiten schon geholfen hat. Verschriften Sie Ihre Ziele! Führen Sie ein Notizbuch, das Ihnen ermöglicht, sich im entscheidenden Moment zu erinnern, wieder zu justieren und die klare Formulierung Ihres Ziels nachlesen zu können.

Einfacher Einkaufen

„Die blasseste Tinte ist besser als das beste Gedächtnis“, besagt ein chinesisches Sprichwort. Um es einfach und simpel in einem Beispiel auszudrücken: Sind die Chancen nicht auch größer bei einem umfangreichen Einkauf im Supermarkt erfolgreich zu sein, wenn Sie sich eine Einkaufsliste geschrieben haben? Sie werden zustimmen, dass Ihr Gang durch die Reihen deutlich entspannter verläuft, als wenn Sie an jeder Ecke stehen bleiben müssen, um sich auf die gedankliche Liste zu konzentrieren. Und noch etwas kann passieren: Die Gefahr, einige Artikel schlicht zu vergessen, ist immens groß. Ungünstige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Unterfangen.

So in etwa verhält es sich auch mit Ihrem persönlichen Weg zu einer neuen Bestleistung. Viele kleine Bausteine ermöglichen die erfolgreiche Bewältigung Ihres Wegs. Da hilft es, verschiedene Etappen zu definieren, die Ihnen aufzeigen, ob Sie noch auf dem optimalen Pfad unterwegs sind. Wenn der Geist zwischendurch droht, aufzugeben, können Sie sich mit dem schriftlichen Beweis schnell wieder auf Kurs bringen. Damit entlasten Sie zudem Ihren mentalen Einsatz in der Sache, sind somit körperlich noch mehr „im Prozess“. Letztlich können Sie ihrer Tätigkeit noch mehr Achtsamkeit schenken.

Motivation im Hintergrund

Übrigens ist diese Herangehensweise auch für Trainer eine sehr effektive Methode, um sich über Ziele, Motivation und den persönlichen Einsatz Klarheit zu verschaffen. Haben Sie sich als Coach schon einmal damit auseinander gesetzt, warum Sie eigentlich täglich am Beckenrand stehen und sich am Wochenende stundenlang auf Wettkämpfen aufhalten? Da muss doch eine ganz starke Motivation im Hintergrund stehen. Kennen Sie sie? Wenn nicht, gehen Sie doch einmal in den Dialog mit sich selbst.

Wie wäre es, wenn Trainer und Schützlinge anschließend beiderseits in den Dialog treten, um sich gemeinsam über Ziele, Wege und Visionen zu unterhalten? Dabei könnten die Beteiligten regelmäßig an ihren persönlichen Büchern arbeiten, den Weg definieren und hätten stets das Ziel vor Augen, ohne sich davon im negativen Sinne abhängig machen zu müssen. Das könnte die Chance erhöhen, gemeinsam das zu erreichen, wovon beide träumen. Die Achtsamkeit auf den täglichen Prozess bekäme dadurch eine neue Qualität.

Im Traum bereits Olympiasieger

Die Verschriftlichung Ihres sportlichen Ziels mit allem was an Begleiterscheinungen dazu gehört (denn auch das ist sehr individuell), sollte in Ihrem Motivationsbuch Berücksichtigung finden. Vielleicht hilft es, diesen eher theoretischen Part als einen Teil des Trainings zu betrachten, um die Kommunikation zwischen Körper und Geist auf ein optimales Leistungslevel zu bringen. Je öfter Sie das tun, desto klarer wird Ihre Sicht auf die Dinge. Oder wie Jan Frodeno es beschreibt, wenn er sagt, dass er in seinen Träumen bereits Olympiasieger geworden war und das Rennen im Geiste schon gewonnen hatte. Nun musste er es „nur“ noch in der Realität umsetzen. Arbeiten Sie an Ihrem „Nur“ und werden Sie zum Schriftsteller Ihres persönlichen Ziels. Es wird sich lohnen.