Sportmedizin | 3. April 2011

220 minus Lebensalter Was taugt die Standardformel für die maximale Herzfrequenz?

Sonja Schleutker-Franke | Algebra für Schwimmer: Man nehme den Wert 220, ziehe sein Lebensalter davon ab und heraus kommt die persönliche maximale Herzfrequenz. Ist Trainingssteuerung wirklich so einfach?
Der Münchner Sportmediziner Dr. Karlheinz Zeilberger ist mit dieser Formel nicht ganz einverstanden: "Wenn man die maximale Herzfrequenz ausschließlich auf dem Papier ermitteln möchte, muss man noch einen gewissen Spielraum von +/- 15 Prozent einbauen, dann funktioniert die Rechnung." Abhängig vom Alter käme so eine Spannweite von 50 Schlägen heraus. Generell hält Zeilberger aber nicht viel von solchen Rechnungen, da sie keine Rücksicht auf die individuellen Grundlagen eines Athleten nehme.

Herzfrequenz ist abhängig von Sportart

"Die echte maximale Herzfrequenz kann man ohnehin nur auf dem Laufband beim Bergauflaufen ermitteln. Für reine Radfahrer ist der Ergometer die richtige Wahl, da hier die entsprechenden Muskelgruppen und die Koordination angesprochen werden." Im Schwimmen sieht es noch komplexer aus, da sich hier Körperlage, Wasserdruck und weitere Faktoren auswirken.
Im Übrigen merkt der Internist an, dass die maximale Herzfrequenz nicht trainierbar sei: "Wenn ein junger Mensch ins Training einsteigt und anfangs eine maximale Herzfrequenz von 200 hat und sich diese fünf Jahre später bei 195 einpendelt, dann hängt dies mit seinem höheren Lebensalter und nicht mit dem Training zusammen."