Sportmedizin | 1. April 2011

Ein, aus, ein, aus ... Umschlagplatz für Moleküle: Die Lunge

Nis Sienknecht | Frauen aufgepasst: Ganz nah am Herzen finden Sie etwas wirklich Wichtiges, das nicht jede von Ihnen dort vermuten würde: den Großteil eines Fußballplatzes. Das glauben Sie nicht? So ist es aber. Und dieser Platz ist sogar überlebenswichtig.
Am 8. Mai 1794 bestieg Antoine Laurent Lavoisier gezwungenermaßen die Guillotine und wurde auf Weisung des Revolutionstribunals hingerichtet. Einer der genialsten Naturforscher des 18. Jahrhunderts hörte in diesem Moment auf zu atmen. Er wusste genau, was das bedeutet, denn Lavoisier verdanken wir die Erkenntnis, dass der Sauerstoff für die Lebensvorgänge unverzichtbar ist.
Ohne Sauerstoff funktioniert der Abbau der Nährstoffe und damit die Energiebereitstellung nicht. Ebenso wichtig ist der ständige Abtransport des Stoffwechselprodukts Kohlendioxid, sonst würde uns das Gas schleichend vergiften.

So funktioniert unser Atmungsorgan

Atmen ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Warum aber müssen wir atmen, um zu überleben? Der einfache Grund ist, dass der mit der Luft aufgenommene Sauerstoff notwendig ist, um die Energie zu erzeugen, die unseren Körper in Gange hält. Dies ist auch der Grund, warum die Atmung für den Sportler eine übergeordnete Rolle einnimmt. Das Atemsystem bringt Sauerstoff in die Lungen, wo er ins Blut übertritt und zu den einzelnen Organen transportiert wird. Gleichermaßen findet die „verbrauchte“ Luft – vor allem Kohlendioxid – ihren Weg über das gleiche System wieder aus dem Körper heraus.

Aufbau der Lunge

Die Lunge besteht aus zwei Lungenflügeln, die durch den knöchernen Brustkorb geschützt werden, der von Rippen, dem Brustbein und der Wirbelsäule gebildet wird. Gegen die Bauchhöhle wird er durch das Zwerchfell, den wichtigsten Atemmuskel, abgeschlossen. Die Innenfläche des Brustkorbs ist vom Rippenfell ausgekleidet. Zwischen der Lungenoberfläche und dem Rippenfell befindet sich ein dünner Spalt, der mit Flüssigkeit gefüllt ist. Dieser Flüssigkeitsfilm sorgt dafür, dass die Lunge an der Brustwand entlanggleitet und nicht von ihr „abhebt“. Vergrößert sich also der Brustraum, so folgen die Lungen diesem größeren Raum. Damit kommt es zur Einatmung.
Der eingeatmete Sauerstoff wird von den roten Blutkörperchen aufgenommen und zu den Körperzellen transportiert, wo er für die Energiegewinnung  benötigt wird. Bei den damit verbundenen Prozessen werden als Endprodukte Kohlendioxid und Wasser gebildet. Diese werden durch die Ausatmung über die Lunge wieder an die Außenwelt abgegeben.

Der Weg der Luft

Beim Einatmen gelangt die Luft über Mund und Nase zunächst in die Luftröhre (Trachea), die sich vom Kehlkopf hinunter in den Brustkorb zieht. Von dort aus strömt das lebenswichtige Gas in die Bronchien, die sich in kleinere Bronchiolen verzweigen und schließlich in den Alveolen, den kleinsten Arbeitseinheiten der Lunge, enden. Diese haben eine traubenartige Struktur und sehr dünne Wände: Hier kann der in der Luft enthaltene Sauerstoff in das Blut übertreten und von dort in die Muskelzellen transportiert werden. Gleichzeitig wird das im Blut gelöste Kohlendioxid als Abfallprodukt wieder an die Luft abgegeben und über das Atemsystem zurückgeführt.
Übrigens haben auch Männer den Sauerstoff spendenden Fußballplatz neben dem Herzen, und einige haben sogar noch Platz für einen zweiten, kompletten Bolzplatz in dieser Region. Überlebenswichtig ist aber nur ersterer, zumal dieser beiden Geschlechter gleich viel bedeutet – ohne dass es ihnen jemals bewusst ist.