Sieben Märchen der Sportmedizin

Sie halten sich hartnäckig: kluge Ratschläge und Weisheiten über das richtige Training, die beste Ernährung oder das Entstehen von Verletzungen. Wir haben sieben Märchen der Sportmedizin entlarvt.

| 29. März 2012 | TRAINING

Medizin-Märchen | Trinken ist wichtig, aber auf die Zusammensetzung des Getränks kommt es drauf an.

Trinken ist wichtig, aber auf die Zusammensetzung des Getränks kommt es drauf an.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Sieben Märchen der Sportmedizin

Die Fettverbrennung setzt nach 30 Minuten Ausdauersport ein

Gerade für etwas fülligere Sport-Neueinsteiger klingt diese Aussage verlockend: Eine halbe Stunde Sport treiben und schlagartig schmelzen ab der 31. Minute die Fettpolster. „Das kann man so nicht sagen. Es ist sicherlich richtig, dass bei Belastungen über 30 Minuten zu einem gewissen Prozentsatz auf Fette zurückgegriffen wird, aber generell findet ein Nebeneinander aus Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel statt“, sagt der Münchner Sportmediziner Dr. Karlheinz Zeilberger.

Letztendlich käme es aber auf die Intensität und den Trainingszustand eines Athleten an: Bei kurzen, intensiven Belastungen greife der Körper eher auf Kohlenhydrate zurück, weil diese schneller verfügbar seien. „Trainiert man lange Einheiten mit niedriger Intensität, ist der Anteil an Fetten, auf die der Körper zurückgreift, deutlich höher“, sagt Zeilberger. Generell ist die Aufnahmekapazität von Kohlenhydraten in Leber und Muskeln begrenzt: Da die Speicher nach rund 90 Minuten leer sind, müssen Athleten bei entsprechend langen Einheiten Kohlenhydrate zuführen. Ambitionierte Triathleten, die auf der Langstrecke starten, können mit einem speziellen Training ihren Fettstoffwechsel schulen. Dabei muss der Schwerpunkt auf den ganz langen, ruhigen, gering intensiven Grundlageneinheiten liegen, da die Enzyme des Fettstoffwechsels nur dabei vermehrt werden und der Körper lernt, die Fettsäuren verstärkt zur Energiegewinnung heranzuziehen.