Mehr graue Zellen durch Sport

Noch ein Grund mehr ins Schwimmbad zu gehen: Mediziner der Universität Bochum haben entdeckt, dass Leistungssportler mehr graue Substanz in bestimmten Hirnregionen haben als Nichtsportler. Diese könnte möglicherweise dafür sorgen, Informationen schneller zu verarbeiten und Entscheidungen zu treffen.

| 12. März 2013 | TRAINING

Neurologie-Studie | Studie Schwimmen

Studie Schwimmen

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Intensiver Sport führt ganz offensichtlich zu körperlichen Veränderungen – beispielsweise in Form von Wachstum von Muskelmasse und Kondition. Doch auch im Gehirn kann er Einiges bewirken, wie Klinische Neurophysiologen der Universität Bochum nachgewiesen haben.

26 Leistungssportler untersucht

Mit Hilfe der Kernspintomografie machten sie Aufnahmen der Gehirne von 26 Leistungssportlern und zwölf Nichtsportlern. Bei den Sportlern handelte es sich um 13 Kampfsportler, vor allem Judoka und Karateka, und 13 Ausdauersportler, unter anderem Marathonläufer und Triathleten.

Die Bilder der Kernspintomografie zeigten, dass die Sportler in einer bestimmten Hirnregion, dem supplementären motorischen Areal (SMA), deutlich mehr sogenannte graue Substanz aufwiesen als die Nichtsportler. „Bei den Ausdauersportlern fanden die Forscher der Uni Bochum sogar in zwei Hirnregionen, dem SMA und dem Hippocampus, mehr graue Substanz als bei den Nichtsportlern,“ sagte der Leiter der Studie, Professor Dr. med. Tobias Schmidt-Wilcke.

Graue Substanz besteht vorwiegend aus Nervenzellkörpern im Gegensatz zu den Nervenfasern, die die weiße Substanz bilden. Ob die entdeckten Veränderungen von einem Zellwachstum herrühren, oder etwa von einer stärkeren lokalen Durchblutung, ist noch nicht abschließend geklärt.

Das Gehirn verändert sich

Ursprünglich hatte man angenommen, dass sich das erwachsene Gehirn strukturell nicht mehr verändert. „Mittlerweile wissen wir, dass etwa Lern- und Trainingsprozesse noch zu Veränderungen führen können,“ erklärte Schmidt-Wilcke. Mit weiteren Untersuchungen wollen der Neurologe und sein Team herausfinden, ob die Zunahme der grauen Substanz bei Leistungssportlern Auswirkungen auf andere Lebensbereiche hat. „Eine Arbeitshypothese wäre, dass die Zunahme der grauen Substanz im SMA die Leistung des Arbeitsgedächtnisses erhöht – also die Fähigkeit, schnell Informationen zu verarbeiten und Entscheidungen zu treffen“, sagte Schmidt-Wilcke.