Sportmedizin | 1. April 2011

Weiche Schale Hautpflege für Schwimmer

Sonja Schleutker-Franke | Triathleten stellen ihre Haut täglich vor neue Herausforderungen. Meistens spielt das größte Organ des Körpers mit, aber es braucht Pflege.
Morgens eine Stunde Lauftraining, duschen, ab ins Büro und abends noch in die Schwimmhalle. Training kann Stress bedeuten – nicht nur für die Psyche. Denn auch die Haut leidet. Durch häufiges Schwitzen, Chlorwasser und häufiges Duschen ist sie extremen Beanspruchungen ausgesetzt. „Da ist eine gute Hautreinigung und -pflege besonders wichtig“, weiß Prof. Dr. Martina Kerscher, die den Studiengang „Kosmetik und Körperpflege“ im Fachbereich Chemie der Universität Hamburg leitet.
Gesunde Menschen haben einen Haut-pH-Wert von 5,5. Dieser Säureschutzmantel schafft schlechte Lebens- und Vermehrungsbedingungen für Bakterien, Pilze und Viren. Aber bereits mehrere Minuten unter dem warmen Wasserstrahl der Dusche können den natürlichen pH-Wert der Haut ins Alkalische anheben. „Duschen greift damit die Schutzschicht der Haut an. Sie benötigt mehrere Stunden, bis das ursprüngliche pH-Level wieder erreicht ist“, sagt Kerscher. Deshalb sei es für Schwimmer sinnvoll, ein Duschgel zu verwenden, das wie die Haut einen pH-Wert von 5,5 hat.

Keine Schaumschlägerei

Duschtipps
  • Dosieren Sie Duschgel so sparsam wie möglich.
  • Duschen Sie niemals heißer als bei Temperaturen zwischen 37 und 39 Grad.
  • Duschen Sie so kurz wie möglich und so lang wie nötig.
  • Duschen Sie sich nach dem Einseifen doppelt so lange Zeit ab, wie Sie für das Einseifen verwendet haben.
  • Reiben Sie sich nicht komplett mit Duschgel ein, oft reicht es aus, die besonders verschwitzten Partien einzuseifen.
  • Probieren Sie bei trockener Haut Duschöl aus. Es hat eine rückfettende Wirkung.
Hautarzt Dr. Holger Radloff, der seit vielen Jahren selbst Schwimmen und Triathlon betreibt, empfiehlt außerdem, sparsam mit Reinigungsmitteln umzugehen: „Im Allgemeinen reicht es beim Duschen aus, nur die Genital- und Analregion und die Achselhöhlen zu behandeln.“ Übrigens sollten Sie auf Schwämme zum Einseifen grundsätzlich verzichten. Studien beweisen, dass Personen, die solche Hilfemittel benutzen, mehr Reinigungsmittel verwenden. Zudem setzen sich in der Struktur der Schwämme schnell Bakterien fest.
Noch mehr als das normale Duschen belastet Chlorwasser die Haut. Expertin Kerscher empfiehlt: „Duschen Sie sich nach dem Schwimmen gründlich ab und verwenden Sie dabei rückfettende Duschöle. Und auch wenn es schnell gehen soll, rubbeln Sie Ihre Haut nicht hektisch trocken, denn dies entzieht ihr Fett. Tupfen Sie sie vorsichtig mit dem Handtuch ab. Anschließend sind feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte angebracht.“ Bei Problemen mit der Haut – Jucken oder Spannen, das nach dem Duschen über eine Stunde anhält – ist ein Besuch beim Hautarzt angebracht. Er stellt Ihren Hauttyp fest und gibt Ihnen Tipps zur Pflege.

Schützende Latschen

Als weitere Gefahr lauern Fußpilz-Sporen. Feuchtigkeit und Wärme in Schwimmbädern und Gemeinschaftsduschen bieten den Pilzen optimale Bedingungen, sich zu vermehren. Meist geschieht die Übertragung nicht über direkten Hautkontakt, sondern über Fußböden oder Badematten. Denn jeder Mensch verliert ständig feinste Hautschüppchen und verteilt diese unsichtbar auf dem Fußboden. Minimale Hautverletzungen reichen zur Ansteckung aus.
Desinfektionsduschen – früher Standard in jedem Schwimmbad – sind inzwischen weitgehend abgeschafft worden. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Fußduschen Pilze nicht verhindern können. Der einzig wirksame Schutz: Badelatschen. „Trocknen Sie vor dem Ankleiden außerdem die Zehenzwischenräume sorgfältig ab. Achten Sie insbesondere auf die Stelle zwischen der vierten und fünften Zehe, denn die kleinen Zehen liegen extrem dicht zusammen und bieten so einen optimalen Unterschlupf für Pilze“, sagt Radloff. Zusätzlich könne man in seiner Sporttasche ein Anti-Pilz-Mittel deponieren, das man vorbeugend anwendet. Und wenn es Sie dennoch erwischt hat, können Sie sich beim Hautarzt ein Pilzmedikament verschreiben lassen.

Hautpflege à la Saison

Bloß keinen Rost ansetzen ...
Bloß keinen Rost ansetzen ...
©Frank Wechsel / spomedis
Mit einer Fläche von bis zu zwei Quadratmetern ist die Haut das größte Organ des menschlichen Körpers und bietet damit eine Menge Angriffsfläche für einen weiteren Feind: die Sonne. Es müssen gar nicht die UV-Strahlen beim Ironman auf Hawaii sein – auch hierzulande sollten sich Schwimmer beim stundenlangen Training vor der Sonne schützen. „Selbst wenn Sie vorgebräunt sind, sollten Sie immer Gesicht, Hals, Ausschnitt, Arme, Handrücken und Beine mit einer Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 20 bis 30 eincremen“, empfiehlt Radloff. Wer viele Leberflecken hat, sollte diese einmal im Jahr von einem Hautarzt kontrollieren lassen. „Besondere Aufmerksamkeit sollten dabei Pigmentmale erhalten, vier bis fünf Millimeter sind oder eine unregelmäßige Begrenzung haben“, sagt Radloff . Bei einer Sonnenallergie empfiehlt er im Frühjahr eine Bestrahlung mit UV-Licht beim Hautarzt, so kann sich die Haut langsam an die Sonne gewöhnen.
Bei der täglichen Hautpflege sollten sich Sportler an der Jahreszeit und den jeweiligen Temperaturen orientieren. In der Hitze des Sommers rät Kerscher je nach Hauttyp eher zu wasserhaltigen, feuchtigkeitsspendenden Lotionen. „Wer bei Hitze zu fetthaltigen Cremes greift, riskiert, dass die Haut nicht mehr atmen kann und Pickel entstehen.“ In der kalten Jahreszeit dagegen braucht die Haut besondere Pflege, denn bei Temperaturen unter acht Grad Celsius kann der Körper keine eigenen Hautfette mehr bilden und die vorhandenen werden starr. „Verwenden Sie vor längeren Trainingseinheiten im Winter keine feuchtigkeitsspendende Creme, da dadurch kleinste Erfrierungen entstehen und Äderchen platzen können. Besser sind fetthaltige Cremes“, sagt Kerscher. Ihre Haut jedenfalls wird es Ihnen danken, wenn Sie ihr in Zukunft ein wenig mehr Beachtung schenken.