Wie ein Torpedo durchs Wasser

Wenn man sich den Boots- oder den Fahrzeugbau ansieht, so wird eines schnell deutlich: Alles was sich schnell bewegt, wird so konstruiert, dass sich so wenig Wasser- oder Luft-Widerstände wie möglich ergeben. Im Schwimmen geht es um nichts anderes, wenn man von einer optimalen Wasserlage spricht.

| 19. Juni 2014 | TRAINING

DSV-Olympiateam - Training - 21 | Der DSV-Kader im Training

Der DSV-Kader im Training

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Wahrscheinlich kennen Sie die theoretischen Hintergründe. Wahrscheinlich könnten Sie sogar bestens erklären, worauf es bei der Wasserlage ankommt. Und dennoch ist die eigene Umsetzung oftmals um ein Vielfaches schwieriger als es in der Theorie aussieht. Gehen Sie deshalb ins Wasser und beherzigen Sie einige der folgenden Tipps.

Bei allen Schwimmarten spielt der Frontalwiderstand die dominierende Rolle, wenn es um eine strömungsgünstige Positionierung im Wasser geht. Da der Frontalwiderstand all das umfasst, was der Schwimmer der Schwimmrichtung entgegensetzt, könnte sogar ein hängender Fuß seinen Teil dazu beitragen. Doch ganz entscheidend ist das, was Sie mit den Händen und Armen machen.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Wie ein Torpedo

Versuchen Sie bei allen Schwimmarten in der Streckphase nach dem Einsetzen der Arme (bzw. beim Brustschwimmen beim Vorschieben der Arme) möglichst nahe an der Wasseroberfläche zu bleiben. Fallen Ihre Arme nämlich unmittelbar nach dem Einsetzen nach unten, erhöht das sofort den Widerstand und bremst Sie ab. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Torpedo und müssten eine scharfe Spitze entstehen lassen, um die vor Ihnen befindliche Masse Wasser verdrängen zu können. Sobald Sie eine hohe Position der Arme einnehmen, erzeugen Sie zudem eine gestreckte und hohe Wasserlage. In der Kombination mit der richtigen Kopfhaltung, nämlich Blickrichtung zum Beckenboden, haben Sie das „Set-Up“ für eine optimale Wasserlage so gut wie geschaffen.

Richtig ausgeführt, fühlt sich das Schwimmen dann schnell so an, als wenn Sie auf einer deutlich höheren Stufe schwimmen. Der Körper kommt näher an die Wasseroberfläche heran und Sie spüren, wie die Körperrückseite (beim Rückenschwimmen die Vorderseite) häufiger „Luftkontakt“ hat als vorher. Sie schwimmen nun auf dem Wasser und nicht mehr im Wasser!

Werden Sie zum Kajak!

Der zweite wichtige Punkt ist die Stabilität des Gesamtsystems. Schauen wir auch hier auf die Ingenieurstechnik der olympischen Bootsklassen, so sieht man ausschließlich maximal stabile Schiffs-, Kanu- und Kajakkonstruktionen. Werden Sie zu einem Kajak! Bleiben Sie im Rumpf stabil! Das haben Sie schon einmal gehört, fragen sich aber, wie das funktioniert?

Spannen Sie einfach, vielleicht schon während Sie diesen Artikel lesen, einmal Ihre Gesäßmuskulatur an. Spüren Sie, wie Sie aus einer leicht gekrümmten Position in die Senkrechte kommen? Plötzlich bietet Ihnen der Rumpf die Stabilität, die Sie für das Schwimmen benötigen. Beginnen Sie also, das Becken mittels einer leichten Spannung im Gesäßmuskel, der seitlichen Rumpf- und der Bauchmuskeln unter eine stabilisierende Spannung zu versetzen. Dabei muss es gar nicht die absolut mögliche Kontraktion der Muskeln sein – lediglich ein leichtes Spannungsgefühl genügt, um Ihrem Torpedo-Körper die ausreichende Stabilität zu verleihen.

Längere Gleitphase

Sie glauben noch nicht so recht an die enormen Auswirkungen? Dann starten Sie in das erste Entwicklungsstadium Ihrer neuen Wasserlage mit einigen Abstoßübungen. Versuchen Sie, soweit wie möglich ohne Schwimmbewegungen zu kommen. Stoßen Sie sich von der Wand und variieren Sie die Armposition. Sie werden spüren, wie bereits leicht fallende Arme zu einem deutlich früheren Ende der Gleitphase führen.

Nehmen Sie nun Stück für Stück eine stabilere Körperposition ein, so verlängert sich die Strecke schnell um zwei, drei Meter. Sieht vielleicht nach nicht sehr viel Wegstrecke aus. Bedenken Sie dabei aber, dass Sie keinen Mehraufwand erbracht haben. Und gemessen an der Gesamtgleitstrecke, die bei etwa zehn Metern liegen sollte, haben Sie damit vielleicht einen Streckengewinn von 20 Prozent erreichen können. Und spätestens bei diesem Wert haben Sie ein sehr wirkungsvolles Eigen-Tuning erzeugt. Probieren Sie es aus!