1er-, 2er- oder 3er-Zug? Belmonte macht alles. Auf jeder Bahn.

Die 1.500 Meter Freistil sind nicht nur ein faszinierendes Rennen. Der längste aller Beckenwettbewerbe bietet immer wieder ideales Anschauungsmaterial in Sachen Technik und Taktik. So auch bei Mireia Belmonte Garcia.

| 23. August 2014 | TRAINING

Mireia Belmonte Garcia | Mireia Belmonte Garcia gewinnt bei der EM in Berlin Gold über 1500 m Freistil.

Mireia Belmonte Garcia gewinnt bei der EM in Berlin Gold über 1500 m Freistil.

Foto >Daniel Kopatsch

Bei den Männern sorgen Yang Sun oder zuletzt der Italiener Gregorio Paltrinieri regelmäßig für Staunen – auch beim Fachpublikum. So kann es sich der Weltrekordler aus China dank seiner überlegenen Unterwassertechnik leisten, mit niedriger Frequenz zu schwimmen. Das sieht hübsch aus – und ist dabei verdammt schnell. Paltrinieri fiel bei seinem Europarekord in Berlin dagegen weniger durch Eleganz auf. Im Gegenteil, der Italiener drosch von Beginn an auf das Wasser ein. Dafür schwamm er präzise wie ein Uhrwerk seine Bahnen rauf und runter. Die Splitzeiten des erst 19 Jahre alten WM-Dritten von 2012 weisen nur geringste Abweichungen auf.

Progressive Renngestaltung

Bei den Frauen ist es US-Schülerin Katie Ledecky, die unfassbare Zeiten auf den langen Freistilstrecken hinlegt, und dabei durch starkes Pacing auffällt. Die 17-Jährige gestaltet ihre Rennen häufig progressiv, das heißt, dass sie die zweite Rennhälfte schneller schwimmt als die erste. Das Schwimmen mit "negative splits" erfordert extrem gut ausgeprägte konditionelle Fähigkeiten. Gleichzeitig muss die Schwimmerin über ein gutes Zeitgefühl verfügen und nicht zuletzt Vertrauen in die eigene Stärke besitzen.

Mireia Belmonte Garcia | 15:57,29 Minuten: Spanischer Rekord und EM-Sieg für Mireia Belmonte Garcia.

15:57,29 Minuten: Spanischer Rekord und EM-Sieg für Mireia Belmonte Garcia.

Foto >Daniel Kopatsch

Belmonte atmet nach links und rechts

Auch Belmonte wurde in Berlin mit der Zeit immer schneller. "Es war meine Taktik, progressiv zu schwimmen", sagt die Europameisterin, die in 15:57,29 Minuten spanischen Rekord schwamm. "Die ersten 1.000 Meter fühlten sich locker an. Danach versuchte ich schneller zu werden." Wie der 23-Jährigen das gelang, zeigt der Vergleich ihrer 300-Meter-Splits.

300-Meter-Splits von Belmonte

TeilstreckeZeit

0-300 m

3:12,79 min

300-600 m

3:13,73 min

600-900 m

3:12,00 min

900-1.200 m

3:10,74 min

1.200-1.500 m

3:08,33 min

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Neben dem Pacing konnten aufmerksame Zuseher im Berliner Velodrom einen interessanten Atemrhythmus bei der Spanierin ausmachen. Dieser wechselte auf fast jeder Bahn zwischen Einer-, Zweier- und Dreierzug. Zum Beispiel so: Nach dem Abstoß atmet Belmonte zunächst jeden zweiten Zug nach links. Nach wenigen Metern führt sie einen Dreierzug durch, um anschließend jeden zweiten Zug nach rechts zu atmen. Nach etwa 30 Metern wechselt sie abrupt mit einem Einerzug wieder auf die linke Seite und schwimmt dann die Bahn mit Zweierzug zu Ende.

Belmonte sagt dazu, sie trainiere keinen speziellen Rhythmus. "Ich atme, wie ich es im Rennen brauche." Allerdings fiel auch Yang Sun bereits mit diesen Wechseln auf. Im Fall Belmontes könnte man deshalb sagen: Die Taktik von Ledecky und die Atmung von Sun - sicher nicht der schlechteste Weg, über 1.500 Meter erfolgreich zu sein.