Über die Jahre hatte sich Michael Phepls einen festen Ablauf in der Vorstartphase erarbeitet. Immer mit dabei: Harte Beats auf den Ohren.

Frank Wechsel / spomedis

Ein letztes Mal ...
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Psychologie | 31. Januar 2013

Der letzter Schub Mentale Wettkampf-Vorbereitung

Holger Lüning | Arme ausschütteln, den Ring am Finger drehen, auf dem Block die Hände hinterm Rücken zusammenschlagen: Jeder Topschwimmer hat seine eigene Art, sich in den letzten Sekunden vor dem Startsignal auf den Wettkampf zu konzentrieren. Profitieren auch Sie von einer mentalen Fokussierung.
Holger Lüning
Sportmannschaften, die gegen andere Mannschaften „in den Kampf ziehen“, eignen sich gerne Verhaltensmuster an, die sie als Team innerlich stärken und nach außen wie unbesiegbar erscheinen lassen sollen.
Das Bilden eines Kreises vor dem Spiel ist dabei nur eine zu beobachtende, rituelle Handlung, die die Mannschaftsmitglieder auf den „Kampf“ einschwören soll. Auch das traditionelle Abklatschen oder der Griff auf den Spielrasen ist als solche Handlung zu erkennen.

Zum Autor
Holger Lüning (Jahrgang 1965) ist Sportwissenschaftler und Schwimmtrainer mit über 25 Jahren Erfahrung im Hochleistungsport. Als Schwimmer war er Mitglied der Bundesligamannschaft des EOSC Offenbach gewann als Mastersschwimmer zahlreiche deutsche Meistertitel. Lüning ist Dozent in der Trainerausbildung und Autor von Fachbüchern und DVDs.
Was hier in der Interaktion mit den Kameraden, und manchmal auch mit den Zuschauern stattfindet, kann in Individualsportarten wie dem Schwimmen besonders in einer Form des inneren Dialogs wahrgenommen werden. Beobachtet man Michael Phelps in seiner Startvorbereitung, so laufen die letzten 60 Sekunden beispielsweise immer nach dem gleichen Schema ab: Fußgelenke dehnen, Hände am Startblock reiben, die Arme wuchtig hinter dem Oberkörper zusammenführen und immer seitlich auf den Startblock steigend.
In den letzten Momenten vor dem Start eines Endlaufs zeigen die Athleten zum Teil rituell anmutende Handlungen, indem sie jedes Mal dieselben Start- und Vorstartabläufe durchführen.
Heute wie damals: Michael Phepls (11 Jahre) und eines seiner Markenzeichen:
Weshalb sind diese wiederkehrenden und fest einprogrammierten Verhaltensweisen zu beobachten und worin liegt ihre Stärke? In der Sportsoziologie unterscheidet man die unterschiedliche Wertigkeit zwischen Routinehandlungen und Ritualen. Rituale überstrahlen Routinen in ihrem symbolischen Mehrwert und der damit verbunden Bedeutung. So hilft dieser symbolische Mehrwert z.B. im Spannungsfeld eines Wettkampfstartes zu einer Handlungsentlastung. Entspannung oder Spannungsaufbau – jeder Sportler benötigt andere Stimulanzien vor dem Beginn eines Wettkampfes oder eines Matches. Mit Hilfe von Ritualen und damit verknüpften, automatisierten Handlungen wird einem die Last genommen, über viele wichtige Details nachzudenken. Denn im Idealfall sind sie mit einem mehr oder weniger genormten und eingeschleiften Verhalten verbunden und sind damit wichtige Orientierungsmerkmale.
Stellen Sie sich vor, sie müssten sich jedes Mal neu überlegen, wie der Schwimmstart abläuft? Die mentale Anstrengung würde Sie von der wichtigsten Sache, nämlich der vollen Konzentration auf Ihre sportliche Leistung, ziemlich ablenken. Und wenn dann noch wechselnde äußere Bedingungen hinzukämen, wäre die Situation noch schwieriger zu meistern.

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