Was tun, wenn es im Training mal gar nicht läuft?

Wer sich Top-Sportler einmal beim Training ansieht, der muss schnell feststellen, dass sie eigentlich immer gut dabei aussehen. Das Schwimmen wirkt kraftvoll, kontrolliert und stets technisch sauber. Da kann einem schon mal der Frust überkommen, wenn trotz allen Einsatzes beim eigenen Training gar nichts gelingen mag.

| 24. Juli 2014 | TRAINING

Training | Training Dienstag (Tag 3) und Mittwoch (Tag 4)

Training Dienstag (Tag 3) und Mittwoch (Tag 4)

Foto >Daniel Kopatsch

Seien Sie beruhigt – auch ein Spitzensportler hat schlechte Tage im Training. Vielleicht sogar viel mehr als Sie glauben. Das ergibt sich fast schon automatisch aus der hohen Dichte an Trainingsreizen, die sich fast immer an der Grenze des Machbaren befinden. Und dort, wo man sich im Grenzbereich bewegt, kann es auch mal zu viel werden.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Jeder ist ein Spitzenathlet

Doch warum ist das bei mir so, werden Sie sich vielleicht fragen, wenn Sie lediglich dreimal pro Woche ins Becken steigen, um das Bestmögliche zu erreichen? Wahrscheinlich sind auch Sie in irgendeiner Weise Spitzenathlet. Nämlich dann, wenn Sie Familie, Beruf und Sport unter einen Hut bekommen müssen. Dann ist es völlig normal, wenn der ermüdete Geist bei der lang ersehnten Wassereinheit nicht mehr auf dem höchsten Leistungsniveau agieren kann. Leider müsste er das aber, wenn alles passen soll.

An diesen Tagen entstehen Trainingseinheiten, die man lieber vergessen möchte und die einen im Wasser an den Rand des persönlichen Wahnsinns treiben können. „Was mache ich denn heute für einen Mist?“ Kennen Sie diesen inneren Dialog? Ja? Gut so, denn er gehört zu einem Trainingsprozess einfach dazu. Momente, in denen Sie weder das Wasser richtig zu fassen bekommen, noch Ihre Gliedmaßen und Extremitäten ordentlich koordinieren können. Und wenn dann noch der Organismus nicht so mitspielt, wie Sie sich das wünschen, möchte man am liebsten unter die Dusche gehen, und zwar sofort!

Umschalten in einen anderen Modus

Was können Sie in diesen Momenten tun, um dennoch das bestmögliche aus dieser Situation zu machen. Das wichtigste vorweg: Gehen Sie mit aller Konsequenz vor! Wenn es auch nach mehreren Anläufen mal nicht funktionieren mag, sollten Sie umschalten. Ihre Sprints lassen jede Form von Spritzigkeit vermissen und selbst nach dem dritten Versuch wird es nicht besser? Dann wechseln Sie den Modus!

Geistige und körperliche Erschöpfung geben Ihnen dann ganz offensichtlich das Signal, heute eben nicht auf Top-Niveau agieren zu können. Zwei Methoden können Ihnen den Trainingstag dann noch retten. „Lang und locker“ oder „anders als sonst“. Was ist darunter zu verstehen?

„Lang und locker“

Gehen Sie in den GA1- und ReKom-Modus! Ganz gleich, was auf Ihrem Plan steht. Schwimmen Sie lange Strecken, die Sie technisch gut kontrollieren können. Das ist wichtig, um die nächste Trainingseinheit mit diesem konsequenten Wechsel vorzubereiten. Lange Strecken mit guter technischer Präzision sind ein optimales Mittel, um Körper wie Geist zu regenerieren. Kein Blick auf die Trainingsuhr – einfach das Wasser fühlen!

„Anders als sonst“

Wechseln Sie die Lage! Wenn die Hauptlage einfach nicht so funktioniert, wie Sie das gewohnt sind, dann bietet der Lagenwechsel die ideale Möglichkeit, das motorische Gedächtnis zu überraschen. Bringen Sie neue Impulse und schwimmen Sie einfach mal eine Serie in einer ungewohnten Lage, jedoch ohne Zeitstress. Das hilft, die Bewegungsmonotonie der Hauptlage zu durchbrechen und die Sensibilität wieder zu erhöhen.

Ziel dieser Methoden ist es, Körper und Geist ein wenig Abwechslung anzubieten. Dies ist besonders in den Ausdauersportarten, die durch wiederkehrende und damit zwangsläufig eher monotone Bewegungszyklen gekennzeichnet sind, notwendig. Wenn also einer dieser Tage gekommen ist, die niemand von uns mag, dann schalten Sie konsequent um und bereiten damit die nächste Trainingseinheit vor. Die wird dann nämlich umso besser!