Was die Armfrequenz beim Schwimmen verrät. Und was nicht.

In der vergangenen Woche veröffentliche swim.de einen Beitrag über die Anzahl der Schwimmzüge über 1.500 Meter Freistil. Die Kommentare dazu waren kontrovers. Deswegen greifen wir das Thema noch einmal auf und fragen: Was verrät die Zugzahl über einen Schwimmer?

| 13. August 2015 | TRAINING

Ruwen Straub - Vorlauf 1.500 m Freistil

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Was die Armfrequenz beim Schwimmen verrät. Und was nicht.

Dass der Mensch ein Individuum ist und kein Mensch dem anderen gleicht ist eine Binsenweisheit. Im Sport lässt sich das besonders gut erkennen. Deshalb nehmen wir den Beitrag zu den Schwimmzügen pro Bahn der WM-Vorläufe über 1.500 Meter Freistil noch einmal unter die Lupe.

Viele Diskussionen wurden entfacht, als in der vergangenen Woche die Tabelle der Zugzahl (pro Bahn) einiger Vorlauf-Teilnehmer der Weltmeisterschaften von Kasan veröffentlich wurde. Schließlich reichten die Werte von 46 Zügen von dem Würzburger Ruwen Straub bis zu lediglich 27 Zügen pro Bahn bei Weltrekordler Sun Yang aus China. Die Frage, die unweigerlich gestellt wird, lautet: Lässt sich daraus eine Regel ableiten?

Gregorio Paltrinieri | Die Spitzen Gregorio Paltrinieri (oben)  und Sun Yang im WM-Vorlauf über 1.500 Meter Freistil.

Die Spitzen Gregorio Paltrinieri (oben) und Sun Yang im WM-Vorlauf über 1.500 Meter Freistil.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Jeder Schwimmer ist anders

Die Antwort ist relativ schnell mit "Nein" zu beantworten. Dass das Schwimmen eine sehr komplexe Sportart ist, erlebt jeder Sportler an jedem Tag seines Trainings. Kein Training ist exakt wie das andere. Allein das Eintauchen in ein anderes Medium erzwingt jedes Mal von Neuem die Fähigkeit, das Wasser optimal zu fühlen und zu greifen.

Sieht man sich die genannten Sportler etwas genauer an, um Ableitungen aus der Körpergröße zu ziehen, so kann man zwar feststellen, dass der kleinste Sportler die meisten Züge und der längste Sportler die wenigsten Züge benötigt. Auf dieser Grundlage eine Empfehlung auszusprechen oder gar eine Größen- und Zugzahlschablone über einen Sportler zu legen, wäre jedoch fatal.

Züge pro 50 Meter (WM-Vorlauf)

ZügeNameZeitGröße

27

Sun Yang

14:55,11 min

198 cm

29

Mykhailo Romanchuk

14:57,82 min

189 cm

32

Connor Jaeger

14:53,34 min

185 cm

33

Stephen Milne

14:55,17 min

183 cm

35

Michael McBroom

14:57,07 min

188 cm

36

Ryan Cochrane

14:55,96 min

193 cm

37

Pal Joensen

14:58,52 min

180 cm

40

Gregorio Paltrinieri

14:51,04 min

191 cm

41

Sören Meißner

15:30,02 min

191 cm

46

Ruwen Straub

15:04,80 min

178 cm

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Viel zu individuell sind die Körpermaße der Athleten, die in wesentlichen Punkten die Leistung beeinflussen. Diese und viele weitere Faktoren sind von außen kaum mit dem bloßen Auge erkennbar. Sieht man sich die Biomechanik der Sportart Schwimmen an, so sind besonders die Hebel und ihr optimaler Einsatz entscheidend für einen guten Vortrieb.