Warum Schwimmen ein bisschen wie Fliegen ist

Hydrodynamik! Schon das Wort verrät, dass es im Wasser niemals statisch zugeht. Die Gesetzmäßigkeiten zu kennen, mit denen man es als Schwimmer zu tun hat, ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für schnelles und effektives Schwimmen.

| 17. März 2016 | TRAINING

Russe | Ein russischer Delfinschwimmer sprintet durch das Wasser.

Ein russischer Delfinschwimmer sprintet durch das Wasser.

Foto >spomedis / Daniel Kopatsch

Warum Schwimmen ein bisschen wie Fliegen ist

Schwimmen ist einzigartig! Diesen Satz werden Sie vielleicht schon einmal gehört haben. Doch neben der emotionalen Besetzung dieser Aussage, ist diese Einzigartigkeit auch in der objektiven Beschreibung der Sportart Schwimmen wiederzufinden. Denn in keinen anderen Sport bewegt man sich als Lebewesen in einem fremden Medium, ohne von einem Gerät unterstützt zu werden. Als Taucher im Wasser kann man immerhin auf die Hilfe von Sauerstoffgerät und Flossen zurückgreifen. Und auch als Fallschirmspringer im freien Fall genießt man, obwohl ohne Halt unterwegs, immerhin die Unterstützung eines Schirms, der einen rechtzeitig sanft zu Boden gleiten lässt.

Holger Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Foto >privat

Als Schwimmer jedoch, sind Sie auf die Hilfe Ihrer Extremitäten und die optimale Lage im Wasser angewiesen, um nicht unterzugehen. Dort, wo sich Fische und im Meer lebende Säugetiere in ihrem natürlichen Umfeld bewegen, erschließt sich der Schwimmer im wahrsten Sinne völlig neue Welten. Hinzu gesellt sich der sportive Ehrgeiz, nicht nur zu überleben, sondern sich so schnell wie möglich fortbewegen zu wollen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man sich die Vorbedingungen einmal deutlich vor Augen führt. Mit brachialer Muskelkraft zu agieren, hilft vielleicht über eine kurze Dauer. Wer jedoch über die definierten Wettkampfstrecken gute und sehr gute individuelle Leistungen erzielen möchte, der kommt nicht umhin, sich mit dem Medium Wasser auseinander zu setzen. Der wissenschaftliche Begriff hinter dem Phänomen lautet: Hydrodynamik.

Fläche trägt!

Ein Blick in die Geschichtsbücher der Wissenschaft zeigt aber auch deutlich, dass es offensichtlich Parallelen zwischen den Strömungslehren von Wasser und Luft, also der Aerodynamik, gibt. So ist es vor allem dem Schweizer Physiker Daniel Bernoulli (1700-1782) zu verdanken, dass man die Gesetzmäßigkeiten der Druckrichtungen und der Strömungen nicht nur für das Fliegen zielgerichtet einsetzen konnte. Da es dem Schwimmer ähnlich ergeht wie einem Flugobjekt, nämlich dem Drang zu widerstehen, abzusinken, erkannte man, dass der sogenannte Bernoulli-Effet auch für das Schwimmen von hoher Relevanz ist.

Kurz gesagt: Einem Schwimmer muss es gelingen, an der Körper-Unterseite, analog zu einer Tragfläche bei einem Flugzeug, einen hohen Druck zu erzeugen. Die Anströmung des Wassers ist demzufolge wichtig, um eine gute Wasserlage zu erzielen. Kann man die Unterseite des Körpers demnach als Tragfläche bezeichnen? Unternehmen Sie einen Versuch im Schwimmbecken: Legen Sie sich einmal wie eine Kugel und ein weiteres Mal flach mit ausgestreckten Armen und Beinen auf die Wasseroberfläche. Was bemerken Sie? Je mehr Fläche Sie erzeugen, umso stabiler und auch länger liegen Sie hoch im Wasser. Die Erkenntnis: Fläche trägt!