Training mit Paddles: Das müssen Sie wissen

Der Einsatz von Hand- und Fingerpaddles oder Widerstandshosen ist mittlerweile für Schwimmer aller Leistungsklassen schon fast ein Standard. Doch welche Grundidee steckt eigentlich hinter dem Training solcher Hilfsmittel, speziell der "Handbretter"?

| 24. April 2014 | TRAINING

Kraulschwimmerin | Schwimmerin beim Training im Pool von Kona

Schwimmerin beim Training im Pool von Kona

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Training mit Paddles: Das müssen Sie wissen

Es handelt sich hier um das sogenannte Overload-Training. Die Bedingung eines Overload-Trainings ist die Erschwerung der Bewegungsdurchführung, mit dem Ziel, einen erhöhten Trainingsreiz zu erzielen. Da das Bewegungsmuster nahezu identisch mit der normalen Ausführung ist, verspricht die Theorie somit optimale Anpassungsreaktionen und einen idealen Transfer in die Wettkampfsportart. Schließlich fordert die Überwindung höherer Widerstände einen größeren Krafteinsatz und soll demzufolge die disziplinspezifischen Kräfte entwickeln.

Das spezifische und isolierte Training (hier eine Beispieleinheit) der Antriebsmuskulatur, z.B. in Form von Kraul-Armarbeit und Ruhigstellung der Beine durch den Einsatz von Pullbuoys, wird im Schwimmsport regelmäßig eingesetzt. Schließlich kann man mit dieser Trainingsform die zu erwartende Wettkampfbelastung sehr realitätsgetreu trainieren und gleichzeitig die Schwimmmuskulatur spezifisch stärken. Doch beim Schwimmen in ganzer Lage, und das in allen Schwimmlagen, bietet die Vergrößerung der Antriebsfläche interessante Trainingsformen.

7,8 Prozent schneller

Sie werden es sicher selbst schon einmal bemerkt haben. Bis zu einer gewissen Streckenlänge wird Ihre Kraft ausreichen, um die vergrößerte Antriebsfläche der Paddles in eine höhere Geschwindigkeit umzusetzen. Studien des Wissenschaftlers Huub Toussaint ergaben, dass die Effizienz des Vortriebs bei der Nutzung von Paddles um durchschnittlich 7,8 Prozent zunimmt. Dabei kann es aber auch schon einmal passieren, dass man sich sehr stark auf die Komponente Kraft und weniger auf die technisch saubere Ausführung verlässt. Und genau an diesem Punkt könnte die Gefahr eines übermäßigen Trainings mit Paddles oder anderen widerstandserhöhenden Hilfsmitteln liegen.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Eine Forschergruppe an der Universität Lille um Michel Sidney hat sich dieser Fragestellung angenommen. Dabei wurden acht Schwimmer auf nationalem Niveau einem Testschwimmen ohne und einem identischen Testschwimmen mit Paddles unterzogen. Gegenstand der Untersuchung war es, mögliche Technikveränderungen zu ermitteln.

Veränderte Bewegungsausführung

Zunächst wurde auch hier eine deutliche Zunahme der Geschwindigkeit von mehr als 4 Prozent festgestellt. Diese zu erwartende Erkenntnis wurde durch weitere Parameter ergänzt. Bei beiden Tests wurden die Sportler angehalten, die Bewegungsfrequenz nahezu identisch zu gestalten, um Veränderungen in der Unterwasserphase vergleichend betrachten zu können. Und tatsächlich konnte eine signifikante Technikumstellung beim Schwimmen mit Paddles beobachtet werden. 

Beim Schwimmen mit Paddles vernachlässigten die Sportler das Wasserfassen sowie die anschließende Zugphase. Gleichzeitig wurde die Druckphase deutlich verstärkt. Insgesamt gestaltete sich die Unterwasserbewegung demzufolge kürzer, aber kraftvoller als beim normalen Schwimmen. Die deutlich vergrößerte Antriebsfläche führt also zu einer Veränderung des Zugmusters.