Tempo halten mit dem Overdistance-Training

Rennentscheidende Momente gibt es viele. In Erinnerung bleiben jedoch meistens die letzten Meter bis zur Wand. Dieser letzte Streckenabschnitt, der häufig über Sieg und Niederlage bestimmt, erfordert von einem Athleten besondere Fähigkeiten.

| 5. Juni 2014 | TRAINING

Anschlag | Schwimmer vor dem Anschlag.

Schwimmer vor dem Anschlag.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Tempo halten mit dem Overdistance-Training

Das Overdistance-Training trägt der Entwicklung dieser Fähigkeiten Rechnung. Schießen Sie also durchaus mal über das Ziel hinaus!

Natürlich konzentriert sich der Endspurt nicht ausschließlich auf die körperliche Stärke eines Athleten. Mindestens genauso wichtig ist es, in den letzten Rennmomenten einen kühlen Kopf zu bewahren. Dann heißt es, gegen die zunehmende Erschöpfung anzukämpfen und die schmerzenden Signale aus der Muskulatur möglichst zu ignorieren. Das ist natürlich leichter gesagt, als getan, wenn Milchsäure (Lakat) in die Muskeln schießt und die Bewegungen unrund werden. Doch genau hier helfen Trainingsmaßnahmen wie Wettkampfsimulationen oder Testverfahren, um sich dieser Situation schon im Training zu stellen und praktikable Strategien zu entwickeln.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

"Wer im Training 115 Meter hart schwimmen kann, dem fallen 100 Meter im Wettkampf möglicherweise leichter."

Holger Lüning

Widmen Sie sich deshalb regelmäßig diesen provozierten Stresssituationen! Absolvieren Sie immer wieder ganze Wettkampfstrecken oder Teilstrecken im Wettkampfmodus, um Körper wie Geist auf den Moment einzuschwören, wenn sich beide in echten Krisensituationen befinden könnten. Dann bleiben Sie locker, bewahren eine flüssige Koordination und schwimmen vor allem eins: Ihr eigenes Rennen!

Wettkampfstrecke verlängern

Doch natürlich ist der mentale Zustand dabei auch stark abhängig von der körpereigenen Leistungsfähigkeit. Die physiologische Komponente ist demzufolge ein wichtiger Baustein Ihres persönlichen Erfolgs. Besonders für die individuell optimale Ausgestaltung Ihres letzten Rennabschnitts, hat sich eine Methode bewährt, die Sie zu einem starken Endspurtschwimmer werden lassen. Es handelt sich dabei um das Overdistance-Training.

Hier werden einzelne Intervallserien in ungewöhnlichen Formaten geschwommen. Wie das Wort Overdistance schon vermuten lässt, werden die gewohnten Wettkampfstrecken im Training dazu leicht um ca. 10 bis 15 Prozent verlängert. Der Sinn dahinter ist, die Erweiterung der Belastungszeit und eine Vorbereitung auf einen harten Endspurt. Oder simpel ausgedrückt: Wer im Training 115 Meter hart schwimmen kann, dem fallen die 100 Meter im Wettkampf möglicherweise etwas leichter.