Knowhow | 22. Januar 2012

Höhentrainingslager

Teil 4: Risiken und Chancen der Methode

Thomas Moeller | Höhentraining wird in zahlreichen Ausdauersportarten zur Leistungssteigerung eingesetzt. Von der Belastung unter Sauerstoffmangel versprechen sich die Sportler eine Leistungssteigerung bei der Rückkehr ins Flachland. Die Methode erfordert allerdings eine Menge Erfahrung.
Der Unterschied
Im Schwimmen beträgt die Differenz zwischen Höhen- und Flachland-Bedingungen etwa zwei bis drei Sekunden pro 100 Meter (in 1.800 Metern ü.N.N.).
Das Höhentraining konzentriert sich vor allem auf die Phase der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung (UWV). Dabei erhofft man sich in der Zeit des sogenannten „Nachhöheneffektes“ im Anschluss an ein Höhentraining eine Leistungssteigerung unter Flachlandbedingungen. Anhand von Erfahrungswerten und wissenschaftlichen Untersuchungen kann diese vorübergehende Leistungssteigerung im günstigsten Fall etwa zwei bis drei Prozent betragen.
Üblicherweise trainiert man in Höhenlagen zwischen 1.600 und 3.000 Metern über dem Meeresspiegel, bei dem durch die Abnahme des Gesamt-Luftdrucks auch jener des Sauerstoffs (Sauerstoffpartialdruck) sinkt somit weniger Sauerstoff aus der Lunge ins Blut aufgenommen werden kann. Der Körper wird dabei neben dem normalen Trainingsreiz zusätzlich dem Reiz des Sauerstoffmangels ausgesetzt und versucht, diesen durch Anpassungsvorgänge auszugleichen.

Responder und Non-Responder

Höhentraining ist Training unter erschwerten Bedingungen und demzufolge auch nicht für Jedermann geeignet. Es sollte immer erst dann eingesetzt werden, wenn (fast) alle anderen Möglichkeiten zur Erhöhung des Trainingsreizes, wie beispielsweise Trainingsumfangssteigerung, andere Verteilung der Trainingsanteile und Erhöhung der Trainingsgeschwindigkeiten ausgeschöpft sind. Aufgrund des außergewöhnlichen Belastungsreizes wird Höhentraining auch nicht von jedem Athleten verkraftet oder in einen Leistungszuwachs umgesetzt. Trainer und Mediziner unterscheiden zwischen sogenannten Respondern und Non-Respondern.
Erstere sind Athleten, die ein Höhentraining ohne gesundheitliche Probleme verkraften und – bei Beachtung der trainingsmethodischen Besonderheiten des Höhentrainings – mit der erhofften Leistungssteigerung reagieren. Nonresponder dagegen erkranken unter Höhenbedingungen leichter und regenerieren unter dem ständigen Sauerstoffmangel unvollständig. Die daraus entstehende Überforderung lässt den erhofften Leistungsgewinn ausbleiben. Höhentraining muss also individuell erprobt werden, um Rückschlüsse über die Wirkung beim jeweiligen Athleten zu erhalten.
Voraussetzungen für ein erfolgreiches Camp
→ sehr guter Gesundheits-Zustand (einschließlich der Zähne)
→ hohes Grundlagen-Ausdauerniveau (Höhentraining kann keinen Trainings-Rückstand wettmachen)
→ ausreichende Regeneration vor der Abreise in die Höhenlage (etwa eine Woche)
→ gut gefüllte Eisenspeicher im Blut (Ferritinwert im oberen Normbereich)
Der Aufenthalt in der Höhe sollte mindestens drei Wochen dauern, denn erst nach dieser Zeit sind die Anpassungsvorgänge in den meisten Funktionssystemen des Körpers abgeschlossen. Die Belastung von drei aufeinanderfolgenden Trainingswochen ohne Entlastungswoche ist für die meisten Athleten verkraftbar. Bei längeren Höhenaufenthalten muss eine Entlastungswoche eingeplant werden.