Oberservatives Training, das heißt Lernen durch Beobachtung, kann helfen, sich technisch zu verbessern.

Frank Wechsel / spomedis

Lernen durch Beobachtung
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Knowhow | 18. April 2013

Observatives Lernen Techniktraining durch Beobachtung

Holger Lüning | Schwimmen ist eine hochkomplexe Sportart. Die Vielfalt der Bewegungsmöglichkeiten im Wasser sind Geschenk und Fluch zugleich. Die quasi-Schwerelosigkeit ist dafür verantwortlich. Das Training der richtigen Technik nimmt deshalb einen großen Stellenwert ein. Doch kann man sich technisch verbessern, ohne gleichzeitig die Bewegung real auszuführen? Ja, das geht: mit dem observativen Training.
Haben Sie sich schon einmal dabei ertappt, wie Sie bei einer spannenden Live-Sportreportage buchstäblich „mitgehen“? Wie sich all Ihre Muskeln anspannen und Sie im Anschlagfinale die Arme nach vorn strecken möchten, so dass Ihr Favorit gewinnt? In diesen Momenten erleben Sie die Effekte des observativen, also des beobachtenden Lernens. Die Erwartung bestimmter Bewegungsabläufe führt nicht nur dazu, dass Sie als Beobachter in Gedanken mitarbeiten, sie löst sogar Muskelkontraktionen aus. Mitunter kann das dazu führen, dass Sie bei einem Elfmeterschuss im TV das eigene Bein gegen den Couchtisch schlagen. Verantwortlich dafür sind die sogenannten Spiegelneurone.
Holger Lüning
Holger Lüning

Carpenter-Effekt

Dass die intensive Vorstellung einer Bewegung oft zu ihrer angedeuteten Ausführung führt, haben Gelehrte schon vor rund 200 Jahren beschrieben. Mit der Hilfe von Verfahren, die die mit Muskelbewegungen einhergehenden elektrischen Impulse aufzeichnen (Elektromyographie, EMG), wurde der wissenschaftliche Beweis dafür erbracht. Seitdem trägt das Phänomen den Namen seines Entdeckers: Carpenter-Effekt. Die daraus abgeleiteten Verfahren werden in der modernen Sportwissenschaft auch als Ideomotorisches Training bezeichnet und sind ein Baustein des sehr komplexen Mentalen Trainings.
Zum Autor
Holger Lüning (Jahrgang 1965) ist Sportwissenschaftler und Schwimmtrainer mit über 25 Jahren Erfahrung im Hochleistungssport. Als Schwimmer war er Mitglied der Bundesligamannschaft des EOSC Offenbach gewann als Mastersschwimmer zahlreiche deutsche Meistertitel. Lüning ist Dozent in der Trainerausbildung und Autor von Fachbüchern und DVDs.
Das Lernen durch Beobachtung ist also keine beliebige Methode, sondern es lässt sich ganz gezielt herbeiführen und einsetzen. Voraussetzung dafür ist die visuelle Darstellung eines Bewegungsablaufs in seiner motorischen Idealform. Sei es in Form einer Videoaufzeichnung oder indem Sie einen technisch hochqualifizierten Sportler „bei der Arbeit“ beobachten. Seien Sie also ruhig mal Zaungast, wenn gute Athleten Ihres örtlichen Vereins trainieren. Zeichnen Sie Wettkämpfe auf Video auf oder erwerben Sie Lehrmaterial, in dem die Bewegungsabläufe, die Sie erlernen wollen, sehr gut und möglichst aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt sind. Damit haben Sie die besten Quellen für Ihr „Observatives Training“ bereits zur Hand.
Paul Biedermann im Schwimmkanal seines neuen Trainingszentrums in Halle (Saale)
Auch durch die genaue Beobachtung hochqualitativer Vorbilder kann man sich technisch verbessern.
©Frank Wechsel / spomedis

Erinnerungsanker schaffen

Kombinieren Sie Ihre Beobachtungsdurchgänge mit emotionalen Eindrücken, so können Sie sich damit zusätzliche Erinnerungsanker schaffen. Je intensiver Sie sich in die Situation Ihres Bewegungsvorbilds hineinversetzen, desto besser wird Ihnen nachher der Transfer in die konkrete Bewegung gelingen. Konzentrieren Sie sich zum Beispiel als Zuschauer eines Schwimmwettkampfs auf einen bestimmten Athleten, beobachten Sie seine Bewegungen genau! Dabei entstehen bei Ihnen selbst tatsächlich kleinste muskuläre Kontraktionen, die Sie quasi eins werden lassen mit Ihrem Beobachtungsobjekt. Die kleinen Kontraktionen prägen in Ihrem Gehirn ein Muster, dass der idealen Bewegungsausführung zumindest nahe kommt. Je häufiger Sie die Übungsform anwenden, desto präziser und sicherer wird dieses Bewegungsabbild. Und umso leichter fällt Ihnen nachher die Umsetzung des Bewegungsablaufs beziehungsweise die Integration der neuen Elemente in Ihre Gesamtbewegung.

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