So überwinden Sie Ihre Tempobarriere

Kennen Sie das auch? An einem bestimmten Punkt Ihrer Schwimmkarriere haben Sie das Gefühl, nicht mehr weiterzukommen. Dann ist die Kreativität des Trainers gefragt - oder der Griff in die legale Trickkiste.

| 30. April 2015 | TRAINING

Kurzflossen | Ein Athlet schwimmt mit Kurzflossen

Ein Athlet schwimmt mit Kurzflossen

Foto >Finis

Dass Wasser ein recht zähes Medium ist, ist kein Geheimnis. Das merken Sie als Schwimmer schon beim Abstoß, nämlich dann, wenn Sie schon nach wenigen Metern nahezu die komplette Abstoßgeschwindigkeit verloren haben. Das Wasser ist ein starker Widersacher und begrenzt die menschliche Leistung erheblich. Um nicht in eine ungewollte Routine zu verfallen und sich diesem Widerstandsdiktat zu ergeben, bietet sich hin und wieder das Training mit unterstützenden Hilfsmitteln an. Überlisten Sie das Wasser.

Super-Speed – hört sich das nicht attraktiv an? Tatsächlich besteht für Schwimmer die recht große Gefahr, sich an einem bestimmten Punkt im Training einer gewissen Zufriedenheit hinzugeben. Oder anders gesprochen: Wenn das erste große Leistungsplateau erreicht ist, fehlt mitunter der Glaube, dass es noch weiter gehen könnte. Dann kommt die angesprochene Kreativität des Trainers ins Spiel gefragt oder ein bisschen Unterstützung durch geeignetes Material.

Bewegungen automatisieren

Bewegungsmuster, die in hoher Wiederholungszahl durchgeführt werden, haben die Angewohnheit, im Gehirn eine Verbesserung der nervalen Prozesse zu erzeugen. Das spüren Sie, wenn Sie nicht mehr über jeden einzelnen Schwimmzug nachdenken müssen, sondern sich über eine zunehmende Automatisierung der Bewegungsabläufe erfreuen. Das merken Sie bei allen Bewegungen, die mehr oder weniger monoton sind, und mit fortschreitender Dauer immer leichter zu bewerkstelligen sind. Dies ist ein wesentliches, gewolltes Merkmal sportlichen Trainings und bewirkt eine Leistungsverbesserung.

Holger Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Foto >privat

Variieren Sie die Intensität der Bewegungen jedoch zu wenig, stellt sich ein anderes Phänomen ein. Dann glaubt Ihr Gehirn nämlich irgendwann, dass es diese Bewegung eben nur in dieser Intensität oder diesem Tempo gibt. Um Ressourcen zu schonen, reduziert sich das Bewegungsabbild im Gehirn auf die bevorzugte Variante. Gefährlich, denn wer zu häufig in demselben Tempo- und Intensitätsbereich trainiert, riskiert, in diesem Bereich zu verharren. Man bezeichnet diese Einschränkung dann als Tempobarriere. Sie beschreibt den Zustand, wenn man gerne schneller schwimmen möchte, aber nicht mehr weiß, wie das umsetzbar ist. Frust stellt sich ein.

Kurzflossen für mehr Speed

An dieser Stelle kommen dann unterstützende Trainingsmittel ins Spiel, die die gewohnten Koordinationsmuster sanft durchbrechen und der neuromuskulären Ansteuerung neue Impulse verleihen. Das Schwimmen mit Kurzflossen, auch teilweise in Kombination mit Hand- oder Fingerpaddles, bieten exakt diesen Reiz.

Kurzflossen  | Kurzflossen gibt es in vielen Farben und Formen.

Kurzflossen gibt es in vielen Farben und Formen.

Foto >Silke Insel / spomedis

Dank des stark verbesserten Antriebs durch die Beine sind auch die Arme gefordert, ein modifiziertes, schnelleres Bewegungstempo anzuschlagen. Plötzlich schwimmen Sie 50-Meter-Intervalle zwei, drei oder vier Sekunden schneller und sind aufgefordert, sich koordinativ neu sortieren. Dies ist genau der Reiz, den Ihr Gehirn benötigt, um eine aktualisierte Variante der Nerv-Muskel-Ansteuerung zu entwerfen. Plötzlich befinden Sie sich wieder im Lernstatus, erstellen neue Bewegungsaufträge, erfahren die Schwimmgeschwindigkeit neu und bewegen sich aus der stagnierenden Tempobarriere heraus.

Schwimmen Sie deshalb in regelmäßigen Abständen kurze Trainingsserien wie 8x50 Meter mit Kurzflossen, um neue Tempobereiche zu erlangen und sich einen Vorgeschmack auf das zu holen, was Sie erwarten dürfen: Ihr persönlicher Sprung auf das nächste Leistungslevel!