Schmetterling und Brust kosten mehr Kraft

Die 100 Meter sind trotz der noch schnelleren 50-Meter-Events, die klassische Strecke der Sprinter bgeblieben. Weil die Belastungszeiten bei 50 bis 60 Sekunden liegen, gebührt auch hier der Renneinteilung eine tragende Rolle, wenn vom Start bis zur Anschlagmatte mit möglichst maximaler Geschwindigkeit geschwommen werden soll.

| 25. September 2014 | TRAINING

EM Berlin 2014 - Weltrekord für Adam Peaty - 10 | Adam Peaty schwimmt in Berlin im EM-Halbfinale über 50 Meter Brust Weltrekord in 26,62 Sekunden.

Adam Peaty schwimmt in Berlin im EM-Halbfinale über 50 Meter Brust Weltrekord in 26,62 Sekunden.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Schmetterling und Brust kosten mehr Kraft

Die verschiedenen Stoffwechselbereiche, die für ein erfolgreiches 100-Meter-Rennen angesprochen werden, sind dabei ein limitierendes Maß. Sprinten Bolt & Co. auf der Leichtathletikbahn für gerade einmal 10 Sekunden, müssen Topschwimmer über die selbe Distanz im Becken auf deutlich mehr Energiebereiche zurückgreifen, da sie mehr als vier Mal so lang unterwegs sind. Die Renngestaltung ist deshalb immer ein taktisches Spiel der eigenen Stärken und Ressourcen.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Oder in einfachen Worten ausgedrückt: am Ende gewinnt zwar der Athlet mit der schnellsten Zeit, der Weg dorthin kann jedoch sehr verschieden sein. Man denke nur an die atemberaubenden Schlussspurts einer Britta Steffen auf dem Weg zum Olympiasieg über 100 Meter Freistil, bei dem sie nach der halben Strecke als letzte wendete. Blickt man zusätzlich einmal auf die vier Schwimmlagen, ergeben sich auch hier typische Unterschiede im Hinblick auf die Renngestaltung.

Wir haben uns die 100-Meter-Endläufe der Europameisterschaften von Berlin 2014 einmal angesehen, um zu analysieren, wie die 100 Meter im Spitzenbereich heute geschwommen werden.

Gleichschlag vs. Wechselschlag

Die Renngestaltung offenbart die typischen Merkmale der Gleichschlag-Schwimmarten Schmetterling und Brust im Vergleich zu den Wechselschlagstilen Rücken und Kraul. Sehr deutlich erkennbar ist, dass der relativ höhere Kraftaufwand beim beidarmigen Brust- und Schmetterlingsschwimmen zu deutlich höheren Zeitverlusten auf den zweiten 50 Metern führt. Der fehlende gleichmäßige Vortrieb bedingt, dass die Ermüdung der Muskulatur stärker ist und die Geschwindigkeit in der zweiten Rennhälfte nicht im gleichen Maß aufrecht erhalten werden kann, wie bei den Rücken- und Kraulsprintern.

Hinzu kommt die technische Komponente der Wende. So profitieren die Wechselschlagschwimmer mit der Rollwende von einer deutlich dynamischeren und schnelleren Wendentechnik. Laut Regelwerk haben die Brust- und Schmetterlingsschwimmer nämlich an jeder Wende und am Ziel zunächst mit den Händen die Wand zu berühren.

Männer, Differenz 1. und 2. Bahn

StreckeMin.Max.Schnitt

100m Rücken

0,90 s

2,71 s

1,69 s

100m Freistil

1,58 s

2,86 s

2,36 s

100m Schmetterling

2,83 s

3,80 s

3,28 s

100 m Brust

3,12 s

4,59 s

3,70 s

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Frauen, Differenz 1. und 2. Bahn

StreckeMin.Max.Schnitt

100m Rücken

1,01 s

2,69 s

1,61 s

100m Freistil

1,23 s

2,25 s

1,81 s

100m Schmetterling

2,95 s

4,20 s

3,38 s

100m Brust

3,16 s

4,38 s

3,87 s

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