"Negative Split": So gewinnen Sie ihre Rennen!

Kann etwas Negatives positiv sein? Im Schwimmsport lässt sich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten - und zwar nicht nur im Bezug auf Doping. Nicht nur, dass man sein Selbstbewusstsein im Training entwickeln kann. Für das nächste Rennen könnte das Training mit „negative splits“ nämlich genau Ihr Erfolgsgeheimnis sein.

| 31. Oktober 2013 | TRAINING

Sun Yang | Sun Yang (China) schwimmt 400 Meter Freistil Vorlauf

Sun Yang (China) schwimmt 400 Meter Freistil Vorlauf

Foto >Daniel Kopatsch

"Negative Split": So gewinnen Sie ihre Rennen!

Für die umständliche Beschreibung, die zweite Hälfte eines Rennens schneller zu schwimmen als die erste, hat sich im Englischen der etwas verwirrende Begirff "negative splits" etabliert. Der Sinn hinter dieser Renneinteilung scheint klar zu sein. Die Optimierung der Energieressourcen spielt dabei die entscheidende Rolle. Gepaart mit einer Portion taktischer Raffinesse, kann die Fähigkeit, „hinten raus“ noch Reserven zu haben, ganz schnell eine siegentscheidende Komponente sein.

Im Sprintbereich spielt diese Einteilung fast keine Rolle. Zu hoch ist der Einfluss des Startsprungs und des explosiven Startbeginns auf die relativ kurze Distanz. Wer versucht, die zweite Hälfte eines 100-Meter-Rennens progressiv zu schwimmen, geht ein sehr hohes Risiko ein, das Rennen buchstäblich zu verschlafen und zu spät in die Entscheidung eingreifen zu können.

Zeiten und Splits, Sun Yang (WM 2013)

WettbewerbEndzeit1. Hälfte2. Hälfte

800m Freistil

7:41,36

3:51,78

3:49,58

1.500m Freistil

14:41,15

7:21,02

7:20,13

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Weltrekord, P. Biedermann (WM 2009)

WettbewerbEndzeit1. Hälfte2. Hälfte

400m Freistil

3:40,07

1:51,02

1:49,05

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Bei zunehmender Streckenlänge kann diese taktische Einteilung jedoch sehr sinnvoll sein. Schaut man sich internationale Rennen an, so wird deutlich, wo sich entscheidende Situation abspielen. Zwei Variablen spielen hier eine Rolle: Entweder wird das Rennen im dritten oder im letzten Viertel der Gesamtstrecke entschieden. So sieht man besonders bei Beckenrennen über 200, 400, 800 und 1.500 Meter in diesen Segmenten entscheidende Situationen, die nicht selten darin münden, dass auf Kraulstrecken ab 400 Metern die zweite Hälfte schneller geschwommen wird als die erste. Darauf gilt es, sich vorzubereiten.

Entscheidung im dritten Viertel

Doch nicht nur für Spitzenschwimmer ist das dritte und vierte Rennviertel oft entscheidend. In allen Leistungsbereichen bestimmt die Aufrechterhaltung des hohen Anfangstempos in der zweiten Hälfte des Wettkampfes das persönliche Endergebnis. Deshalb lautet die Herausforderung, im Training Methoden zu finden, die Körper und Geist gleichermaßen darauf einstellen, der einsetzenden Ermüdung etwas entgegen zu setzen. Und nun kommen die „negative splits“ ins Spiel.

Mit Intervallserien, die auf der zweiten Streckenhälfte mit deutlich höherem Tempo geschwommen werden, verbessert man sowohl das taktische Verständnis, die mentale Bereitschaft als auch die physiologischen Voraussetzungen, genau dann das Tempo zu verschärfen oder zu halten, wenn die Konkurrenz die Geschwindigkeit etwas herausnimmt.